Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Sonntag, 23. Oktober 2016

Game of Thrones Rewatch: S03E06: The Climb

Osha wird noch nicht wirklich warm mit den Reed-Geschwistern. Melisandre kommt zur Brotherhood without Banners, um Gendry mitzunehmen. Dabei trifft sie auf Thoros of Myr und ist erstaunt über seine Macht, dass er gleich sechsmal Berric Dondarion vom Tod zurückholen konnte. Die Freys schlagen heraus, dass nun Edmure eine von Lord Freys Töchtern heiraten soll als Wiedergutmachung für Robbs Verfehlung, entgegen der Abmachung Talisa geheiratet zu haben. Im hohen Norden erklimmt Jon unter Lebensgefahr mit den free Folks die Mauer. In Kings Landing begehrt Olenna zunächst gegen die Heirat von Loras mit Cersei auf, muss jedoch widerwillig einlenken. Für Sansa bricht eine Welt zusammen, als ihr Verlöbnis mit Loras zerbricht. Und Petyr feiert seinen Triumpf über Varys. 

Mir fällt gerade auf, dass, obwohl im Intro Yunkai zu sehen ist, in dieser Folge keine einzige Szene mit Daenerys ist. Apropos Intro: Ich erwähnte es mit Sicherheit schon bei den ersten Folgen, dass das Intro klasse ist. Für eine Serie wohl recht lang, aber sehr ansprechend gestaltet. Schon allein die Titelmusik von Ramin Djawadi ist mittlerweile Kult. Sehr liebe ich nach wie vor die Kamerafahrten über Westeros und Essos und die Details, die man dabei ausmachen kann. Winterfell beispielsweise brennt momentan immer noch, da die Herrschaftsansprüche über die Burg durch Theons Überfall und seine anschließende Entführung unklar sind. So sieht man bei Winterfell auch kein Banner anders als bei den anderen Herrschaftssitzen, die man im Intro zu sehen bekommt. Später wird da übrigens das Bolton-Banner zu sehen sein.

Wo wir gerade die Boltons ansprachen: Mir fällt ebenso auf, dass immer noch nicht genannt wurde, wer eigentlich Theons Foltermeister ist. In Staffel 2 erwähnte Roose zwar, dass sein Bastardsohn Ramsay sich um Theons Überfall auf Winterfell kümmern wird, allerdings nur in einem Nebensatz, den man bis zu dieser Folge wahrscheinlich eh schon wieder vergessen hat. Damit ist der Zuschauer erst einmal genauso ahnungslos wie Theon und hat eigentlich keinen Plan, was da nun warum von statten geht.

Ich bin immer noch der Ansicht, dass weniger Detailfülle bei Theons Folterszenen auch gereicht hätten. Trötet Ramsay meinethalben rum und spielt seine kranken Psychospielchen. Aber man hätte weiß Gott doch nicht zeigen müssen, wie er Theon die Finger abschneidet! Grob anzudeuten, dass er da mit dem Messer herumhandwerkt, und Theons Schreie hätten voll und ganz ausgereicht! Hier ist die Kritik an der Serie, dass sie Gewalt regelrecht zelebriert, während sie in den Büchern quasi ein »notwendiges Übel« ist, wirklich berechtigt.

Sehr faszinierend hingegen war die Begegnung zwischen Melisandre und Thoros of Myr gleich zu Beginn der Folge. Eigentlich ist Melisandre da, um Gendry zu holen, da er königliches Blut besitzt. Doch fast schon nebenher erfährt man so viel über den R’hllor-Kult und seine Priester. Warum Thoros in Westeros ist und wie es dazu kommt, dass er so große Macht besitzt, zum Beispiel. Diese Details sind nach wie vor faszinierend, was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegt, dass der R’hllor-Kult eben nicht alltäglich in Westeros ist und damit auch nicht alltäglich für den Zuschauer respektive Leser.

Thoros nennt den Grund, warum auch ich denke, dass R’hllor ein tatsächlich existierender Gott ist: Er besitzt wahre, greifbare und sichtbare Macht in der irdischen Welt, die sich unter anderem dadurch manifestiert, dass er Menschen vom Tod zurückholen kann. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass der Great Other ebenso eine reale Entität ist. Ich liebe diesen Aspekt an A Song of Ice and Fire respektive Game of Thrones, da in den meisten anderen Fantasy-Büchern Götter abstrakte Konstrukte sind, deren Existenz wie unsere Götter noch nie belegt wurde, sodass kein handfester Beweis für ihre Existenz, sondern nur Glaube vorhanden ist.

Für die packenden Action-Sequenzen sorgte in dieser Folge das Erklimmen der Mauer. Nichts für schwache Nerven, definitiv! Wenn man bedenkt, dass das selbst für Bergsteiger der heutigen Zeit wahrscheinlich nicht gerade ungefährlich wäre, und die Leute hier lediglich die Technik des Mittelalters besitzen … Man muss schon sehr verzweifelt sein, um das zu machen.

Am Ende aber stehen Jon und Ygritte auf der Mauer und können in die von der durch die Wolken brechenden Südlande blicken. Es muss ein wahrlich erhebender Moment sein, wenn einem dieser Anblick vergönnt ist, vor allem, wenn er bedeutet, dass auf der anderen Seite die Sicherheit und Freiheit auf einen warten. 

Und passend dazu erzählt im Off Petyr, dass nur der, in seinem Fall, politische Aufstieg zählt, während er über Varys triumphiert. Dieser Triumph ist einfach so unglaublich genial in Szene gesetzt, einerseits durch die Szenen mit dem Aufstieg der free Folks, andererseits aber auch durch Petyrs Text und wie Aiden Gillen ihn intoniert. Petyr ist nicht mein Lieblingscharakter (ich bin für Varys), aber dennoch ist er ein ungemein faszinierender Charakter, dem von Gillen so absolut genial Leben verliehen wurde. Die Ränkespiele der beiden sind schlicht und ergreifend die treibende Kraft in Westeros und wahrscheinlich weiß das niemand außer ihnen selbst. Mit ungemeiner Raffinesse spielen sie die Figuren nach ihrem Willen gegeneinander aus, und wie man sieht, macht jeder genau das, was Petyr und Varys von ihnen wollen. Wenn man so will, sind selbst Charaktere wie Tywin nur Bauern im Schachspiel der beiden. »If you play the game of thrones, you win or you die. There is no middleground.«

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