Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Samstag, 8. Oktober 2016

Rezension: Plötzlich Banshee von Nina MacKay

Quelle: Verlag
Gelegentlich gibt es sie doch, die Internetberühmtheiten, die den Sprung ins »richtige« Geschäft schaffen. Die Autorin Nina MacKay gehört dazu. Sie gewann den #erzaehlesuns-Award von Piper auf dem Geschichtenarchiv Wattpad.com. Als Belohnung winkte die Veröffentlichung ihres Romans »Plötzlich Banshee«, in welchem der Leser die tollpatschige Privatdetektivin – und Banshee – Alana auf ihrem Versuch begleitet, mal eben die Welt zu retten. 

Alana kann sehen, wie lange ein Mensch noch zu leben hat, doch so wirklich will sie ihrem Freund Clay nicht glauben, dass sie eine Banshee ist, eine irische Todesfee. Außerdem hätte sie wohl nie damit gerechnet, dass sie deswegen in eine Mordserie verwickelt wird. In Santa Fe werden Menschen entführt und wenige Tage später tot aufgefunden. Alana kann sich nicht nehmen lassen, sich in die Ermittlungen einzumischen, als auch ihre Freunde in das Visier der Sekte »Petrus' Army« gerät. Doch die Dinge entwickeln sich rasch dramatischer als gedacht.

Mit Humor ist das so eine Sache. Entweder er zieht oder er zieht nicht. Bei mir hat er nicht gezogen. Die Witze in diesem Buch sind flacher als ein Blatt Papier und beruhen oftmals auf einfach dämlichen und teils unlogischen Situationen. Unsere Prota-chan Alana trampelt beispielsweise relativ zu Beginn in ein auf der Straße stehendes Goldfischglas, weshalb sie ausgesprochen erbost ist und alles und jeden anpampt, der sie anspricht. Das soll lustig sein. Stattdessen stellt sich die Frage: Was zum Henker macht das Goldfischglas da?! Wo ist das bitte lustig? Das ist einfach nur unlogisch und dämlich!

Überhaupt ist das mit der Logik in diesem Buch so eine Sache. Während der Goldfischglas-Situation trifft Alana das erste Mal auf Detective Dylan Shane. Er bekommt in vollkommen überzogener Weise noch wesentlich mehr Fett weg als der Junge, dem das Fischglas gehört, wodurch bei mir sofort die Alarmglocken schrillen, dass die beiden spätestens am Ende des Buches in der Kiste landen. (Spoiler: Ich behielt Recht.) Shane ermittelt in den Entführungen und will Alana als eine der Hauptzeugen befragen. Sie, gestreßt von ihren durchweichten Schuhen, giftet ihn an. Er lässt sie daraufhin in Ruhe und verschiebt das Ganze. Das war einer der Momente, in denen man das Buch einfach nur anbrüllen will: WARUM? Warum in drei Teufels Namen macht Dylan das, ist er ein so miserabler Ermittler? Sie ist eine der Hauptzeugen und man weiß, dass hier Menschen entführt und kurz darauf ermordet werden. Da zählt jede Sekunde. Es geht um Menschenleben, eine nasse Hose hat da niemanden zu interessieren!

Ich deutete es bereits an: Das Buch ist streckenweise unglaublich vorausschaubar. Es ist schon etwas peinlich, dass man, sobald zwei Charaktere das allererste Mal in ihrem Leben aufeinander treffen, sofort sagen kann, dass die beiden am Ende des Buches ein Paar sein werden. Auch die Antagonisten haben astreine Täterprofile, dass es für den Leser nicht schwer ist eins und eins zusammenzuzählen. Nur Prota-chan steht auf der langen Leitung und rafft ewig absolut gar nichts.

Überhaupt ist unser Prota-chan eines der Hauptprobleme dieses Buches. Sie hat deutliche Tendenzen einer Mary Sue. Ihre Tollpatschigkeit soll süß wirken, aber nein, das ist ganz und gar nicht süß. Es ist einfach peinlich und nervig. Zudem drängt sie sich immer in den Vordergrund und hat vor allem Dylan gegenüber, verzeiht mir den Ausdruck, die große Fresse. Sie macht ihn ständig nieder und schubst ihn herum, teils spielt sie sogar mit ihm und seinen Gefühlen für sie. Er lässt sich das gefallen, er findet das sogar anziehend an ihr. Ich frage mich: Was hat der Mann für niedrige Ansprüche, dass er sich mit so einer Person zufrieden gibt? Sie hat ihn schlicht und ergreifend nicht verdient, so eine ekelhafte Person, wie sie ist. Oh, wartet. Sie ist ja eine Mary Sue. Natürlich greift sie den smexy Traumtypen ab. Ich vergaß …  Sex sells, Leute. Das zieht auch in diesem Buch.

Und da Sex sich nun mal hervorragend verkauft, scheinen erstaunlich viele Lese darüber hinwegblicken können, dass das Buch genau wie sein Humor unglaublich flach und oberflächlich ist. Klar, das Buch zielt hauptsächlich auf Unterhaltung ab, aber ich habe mich aus ausgesprochen gut von der Alcatraz-Reihe unterhalten gefühlt, welche deutlich mehr Substanz hat als »Plötzlich Banshee«.

In diesem Buch gibt es unangenehm häufig das, was ich einen Fantasy-Catwalk nenne. Es wird immer wieder der Fokus auf Alanas Äußeres gelegt und das, was sie bei dieser und jener Gelegenheit trägt. Da stöcket sie stolz, wie sie ist, in das Polizeipräsidium und bleibt dann mit dem Absatz im Fußabtreter hängen, und das ist ja fohl cuuuute!!!!einsdrölf!!!

Nein, ist es nicht! Es ist schlicht und ergreifend überflüssig, dass ich ihre Schuhgröße kenne. Die lautet übrigens 38. Ich habe spaßeshalber ihre Schuhgröße in einen Rechner eingegeben, um ihre deutsche Schuhgröße zu erhalten. Sie beträgt 78,5.

Es gibt viele solcher Logikfehler in diesem Buch, die sich sehr leicht enttarnen lassen. Dass Alana eine deutsche Schuhgröße und keine amerikanische angibt, ist leider kein Einzelfall. Sie sieht  Digitaluhren über den Köpfen der Leute, die ihr anzeigen, wie lange diese Menschen noch zu leben haben. Das führt zu der Frage: Haben Banshees schon immer Digitaluhren gesehen? Auch beispielsweise im Mittelalter oder gar der Antike? Oder wie ist das zu verstehen? Außerdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass man mit 20 bereits Privatdetektiv ist und die Polizei einen einfach so an einer brisanten Mordserie mitarbeiten lässt, weil Prota-chan Dylan damit drohte, ihn wegen »sexueller Belästigung« bei seinem Chef zu verpfeifen, wenn er sie nicht mitmachen lässt.

Ich persönlich störte mich auch sehr an der Unsterblichkeit. Ja, ich habe kein Problem damit, dass es in diesem Buch einfach so Magie gibt, aber damit schon. Tatsächliche Unsterblichkeit ist schlicht unmöglich, da unser Universum oder zumindest Leben in ihm, wie wir es kennen, mit Gewissheit ein Ende haben wird. Es ist das Ziel der Antagonisten, den Magischen den Weg in den Himmel zu öffnen, wodurch sie Unsterblichkeit erlangen. Man könnte es damit erklären, indem man den Himmel als jenes Abstraktum annimmt, wie es die Bibel vermittelt, oder indem man sagt, das Gott als allmächtiges Wesen beispielsweise den Himmel als autarken, vom Rest des Universums losgelösten Ort erschuf oder schlicht Universen-Hopping betreibt, sollte ein Universum sein Ende finden. Das Problem, das daran geknüpft ist, ist schlicht, dass der Text selbst keinerlei Anlass gibt, solche Dinge anzunehmen, und dass diese Theorien zu hypothetisch sind. Im Buch sind die Magischen dann einfach unsterblich und Alana sieht statt Digitaluhren nur noch das Unendlichkeitszeichen.

Sie nennt es übrigens Infinity-Zeichen. Warum sie es willkürlich Englisch bezeichnet, ist auch nicht klar.

Was ebenso nicht klar ist, sind die willkürlichen Wechsel der Diegese. Die meiste Zeit wird aus Alanas Sicht erzählt. Dann plötzlich wird die Narration durch einen fett gedruckten und zentrierten Namen unterbrochen und meist folgen daraufhin maximal eine Handvoll Absätze aus der Sicht eines anderen POV. Das ist eine literarische Todsünde, bei der der Leser für vollkommen verblödet verkauft wird! Und ich war kurz davor, das in Capslock zu schreiben, weil mich das so massiv aufregt. Schlimm genug, dass ich damit ständig in Badfics konfrontiert werde. Aber von verlegten Büchern erwarte ich etwas mehr Niveau, egal, ob sie von einer Seite stammen, die ein Pfuhl grässlicher Literatur ist, oder nicht.

Wie bereits erwähnt, können auch Bücher mit deutlich mehr Tiefgang wunderbare Unterhaltung bieten, ohne dass einem gleich vor lauter Intellektualität die Synapsen rauchen und die Sicherung rausfliegt. Aber ich kann leider nicht erwarten, dass jedes Buch so viel Qualität bietet und auf Platons Höhlengleichnis zu sprechen kommt, wenn es darum geht, normale Leute mit der magischen Realität zu konfrontieren.

Ich kann leider auch nicht erwarten, dass jedes Buch genug Qualität aufweist, um über platte und ausgelutschte Plots hinweg zu kommen. Die magische Welt teilt sich in Gut und Böse, dazwischen gibt es nichts. Eine ProphezeiungTM gibt es auch noch, wodurch quasi jede Geschichte sofort einiges an Qualität einbüßt. Außerdem wollen die Bösen natürlich die Weltherrschaft und natürlich muss dafür ganz im Stile von Dan Brown erst einmal ganz Rom niederbrennen.

Es wäre ja interessant gewesen, wenn jeder Alana meidet. Sie ist eine Banshee, was heißt, dass sie sieht, wann jemand stirbt. Außerdem zieht sie Unglück förmlich an. Genug Gründe, um ein wenig Rassismus und Mobbing zu thematisieren. Oh, Moment … Das hieße ja, dem Buch Tiefe zu verleihen, und dann wäre es nicht mehr platte Unterhaltung.

Stattdessen bandelt sie lieber mit dem sexy Typen an, während ihr bester Freund Clay eifersüchtig auf Dylan ist und nicht will, dass die beiden zusammen kommen. Dylan sei ja so ein Aufreißertyp und überhaupt sei sie mit Clay ja viel besser dran, der auch etwas für sie empfindet, Dreiecksbeziehung hallo. Wie praktisch, dass Clay am Ende des Buches tot ist und Prota-chan und Düläään (ja, ich las seinen Namen ständig genau so) ein glückliches Paar sind. Sex sells …

Das tatsächlich einzig Positive an diesem Buch ist neben dem wirklich hübschen Cover, dass ich schon deutlich scheußlichere Bücher gelesen habe. Der Stil ist angenehm und flüssig zu lesen. In Anbetracht des ganzen Restes ist das nur ein kleiner Trost. Unverdienter Hype und definitiv keine Empfehlung.



Nichstdestotrotz danke ich dem Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar, auch wenn ich mir deutlich mehr von der Lektüre versprochen habe.




Daten
Plötzlich Banshee: ASIN B01FDNJN2, ivi/Piper, 2016, 12,99€

Weitere Rezensionen
Ink of Books
Weltenwanderer

Kommentare:

  1. Huhu,
    mich interessierte das Buch anfangs auch wegen dem hübschen Cover und weil die Handlung an sich vielverpsrechend klingt. Aber jetzt habe ich schon in mehreren Rezensionen gelesen, dass Alana einfach nur nervig ist und auch der Rest nur naja... Also lasse ich vllt doch lieber die Finger davon. :D Denn für platte Unterhaltung muss ich kein Buch kaufen. :P Finde es aber sehr gut, dass deine Rezension so ehrlich ist, das findet man selten! :D

    LG Alica

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    1. Hallo,

      danke für deinen Kommentar! Freut mich immer sehr, etwas Feedback zu erhalten. Aber echt? Man findet selten ehrliche Rezensionen? Findest du? Ich bin der Ansicht, dass ein Buchblogger zu Ehrlichkeit in Bezug auf seine eigene Meinung seinen Lesern gegenüber verpflichtet ist. Mir ist das jedenfalls sehr wichtig, da mit nichts hinter dem Berg zu halten.

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    2. Naja, ich habe häufig das Gefühl, dass viele Buchblogger versuchen, eine möglichst positive Rezension zu schreiben, selbst wenn man heraushört, dass ihnen das Buch nicht sooo gut gefallen hat. :) Also statt klipp und klar zu sagen, was ihnen nicht gefallen hat, werden alle positiven Punkte hervorgehoben und irgendwo in zwei Zeilen mal angemerkt, was nicht so gut war. Am Ende stehen dennoch selten weniger als 4 Sterne/Punkte. Natürlich nicht bei jedem, aber es kommt mir doch häufig unter. Eindeutige Kritik lese ich jedenfalls fast nie, vllt folge ich aber auch den "falschen" Blogs. ;P

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    3. Also von den Leuten, die ich so verfolge, haben meines Wissens nach bisher zwei das gelesen, Ink of Books und Weltenwanderer. Beide fanden es auch nicht überragend, hatten dem aber immerhin noch drei Sterne gegeben und die Kritikpunkte waren schon nicht ganz ohne. Ich hab den Buch auf Goodreads zwei Sterne gegeben. Allerdings nur, weil ich schon wesentlich schlechteres gelesen hatte, wo sich einem die Fußnägel aufrollen; Ardeen war echt unerträglich.
      Ansonsten hatte ich diese generelle Beobachtung noch nicht machen können. Wäre aber schade, wenn, denn das hieße ja, dass ein übles Gerücht über Blogger nicht ganz ohne ist. Aber als ich die Rezi bei Amazon einstellte, hatte ich bereits gesehen, dass das Buch überragend viele positive Bewertungen hat und kaum negative. Könnte man natürlich ganze Aufsätze darüber schreiben, warum das so ist.
      Liebe Grüße

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