Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Sonntag, 19. Februar 2017

Archivseiten vorgestellt

Leseratten sind immer auf der Suche nach neuem Lesestoff. Der meistbenutzte Weg dafür ist wohl der Gang in die Buchhandlung des Vertrauens. Das kann jedoch dazu führen, dass man tief in die Tasche greifen muss – und das tut dann doch hin und wieder weh. Eine Alternative wäre die Bibliothek, die, wenn man sie regelmäßig benutzt, wirklich spottbillig ist. Das wird dann jedoch doof, wenn die Bibliothek in den eigenen Interessensbereichen nicht gut aufgestellt ist oder man schlicht keine in sinnvoller Nähe hat. Tja, was dann? Ich habe das Gefühl, dass recht wenige daran denken, sich in das World Wide Web zu begeben.

Es gibt zahlreiche Archivseiten, auf denen Hobbyautoren ihre Texte kostenlos einem mehr oder weniger breiten Publikum präsentieren können. Ich treibe mich selbst sehr viel auf solchen Seiten herum und möchte hier ein paar davon vorstellen. Erfahrungen konnte ich seit 2009 mit Fanfiktion.de, myFanfiction.net, Animexx.onlinewelten.com, Wattpad.com, fanfiction.net, archiveofourown.org und StoryHub.de machen und diese daher auch vorstellen.


Fanfiktion.de
Mit FF.de habe ich zweifelsohne die längste Erfahrung von 2009 bis 2015. Erste große Liebe und so. Man möchte meinen, dass alte Liebe nicht stirbt, aber nun ja. Manchmal halt doch. 2009/2010 herum war FF.de noch großartig. Nicht nur, weil es toll und neu war und mehr oder weniger sogar meine erste wirklich ernsthafte Erfahrung mit Internetcommunities darstellte (ich war da Spätzünder). Man hat heute mehr denn je eine riesige Auswahl an deutschen Texten besonders in den beliebten Fandoms und Genres. Über die Qualität wollen wir nicht reden, aber je mehr, desto größer sind auch die Chancen, was Gutes zu finden. Suchen muss man, das gilt für alle hier genannten Seiten, aber mit etwas Geduld kann man wahre Schätze finden. Bis heute liebe ich die Tolkien-FF »Trinkt aus und kehrt heim«, die wirklich eine alte, nie gestorbene Liebe ist.

Ich weiß gar nicht, wann es mit der Seite bergab ging. Es müsste nach Gefühl wohl so um 2012 herum begonnen haben. In meiner Anfangszeit war die Feedbackkultur da großartig. Viele Reviews, davon die meisten auch noch qualitativ. Mittlerweile bekommt man gefühlt nur noch »Tolle Story, schreib schnell weiter! KAWAAIIII!!!!!! <3333« und das auch nur, wenn man in den beliebten Fandoms und Genres Mainstream schreibt. Bei Tolkien (ich kann vor allem für das Tolkien Fandom sprechen, weil mich das seit jeher am ehesten interessiert hat) heißt das: Irgendeine miese Mary Sue schließt sich den Gefährten an und krallt sich wahlweise Legolas oder Aragorn, während Arwen missachtet wird. Alles anderes: keine Chance. Die Community selbst wirkt sehr unterkühlt und in gewisser Weise aus überheblich. Das Forum macht da schon lange keinen Spaß mehr.

2015 war für mich der Moment gekommen, einen Cut zu setzen. Seit längerem hatte die Administration der Seite eine Richtung eingeschlagen, die ich nicht gutheißen konnte. Nicht immer nur latente Frauenfeindlichkeit spielten da eine nicht unbedingt geringe Rolle – und das vom Admin damals noch in seinem Blog direkt auf der Startseite verlinkt, einer Seite, die hauptsächlich von Teenagerinnen frequentiert wird. Ich war ganz offensichtlich nicht mehr gemocht dort, weil ich unbequeme Dinge ansprach, und das durfte ich auch spüren. Meinem Account trauere ich bis heute nicht hinterher.

Fazit: Wer kuscht, sich an die, wie ich hörte, immer verworrener werdenden Regeln hält und bloß keine Kritik übt, ist da sicher gut aufgehoben. Für mich ist diese Seite gestorben.


MyFanfiction.net
Meine Erfahrungen mit myff.net beschränken sich auf einmal kurz die Nase reinhalten, merken, dass meine Texte da absolut kein Publikum haben, und wieder verschwinden. Nach allem, was man so hört, ist das aber auch kein Verlust. Ich kann da nicht aus Erfahrung sprechen, das gleich dazu. Was ich hörte, ist aber, dass der Admin mittlerweile kein großes Interesse mehr an der Seite zeigt und die Moderatoren sich mitunter schon ziemliche Fehltritte erlaubt hatten.

Fazit: Für mich jetzt kein Verlust, aber vielleicht findet der eine oder andere doch etwas an der Seite.


Animexx.onlinewelten.de
Animexx‘ Zielgruppe steckt im Namen. Die Seite ist nicht nur für Texte, tatsächlich sogar hauptsächlich für Mangas, Fanart und Cosplay. Fanfictions und eigene Arbeiten zu anderen Bereichen sind eher »Beigabe«. Die Seite ist sicher nicht schlecht, wenn man an solchen Dingen interessiert ist. Dafür reicht mein Interesse jedoch nicht aus. Ich persönlich finde auch das Design der Seite gruselig und kam nie wirklich in die Bedienung hinein.

Fazit: Leute, die sich für Anime, Manga und Cosplay begeistern und über das gruselige Design hinwegblicken können, werden hier sicherlich sehr glücklich werden. Das fällt nun leider wirklich nicht in meinen Interessensbereich. Dementsprechend gering war auch immer das Feedback auf meine Texte, da die Seite dafür kaum Abnehmer hat.


Wattpad.com
Kommen wir also zu den internationalen Seiten. Von denen hat Wattpad die stärkste deutsche Community, habe ich den Eindruck, steht aber auch am schlechtesten da. Der quasi einzige Vorteil der Seite ist, dass man hier wirklich schön lesen kann, sowohl am PC als auch am Handy, da die Seite eine App hat. Ich will nicht sagen »ordentlich«, denn Wattpad ist einfach grausam schlecht programmiert. Ständig funktionieren die Dinge nicht so, wie sie sollen, und es gibt häufig Bugs. Von der Community wollen wir gar nicht erst reden. Um das zu illustrieren: Wegen dieser Community war ich das erste Mal in meinem Leben auf einer Polizeiwache und habe Anzeige wegen Morddrohung erstattet. Kein Scherz. Und das nur, weil ich einen Text kritisiert hatte. Das war mit Sicherheit nur ein dummes Kind, das einen auf dicke Hose gemacht hat. Und doch … Die Community ist ein Graus, und das liegt mit Sicherheit auch daran, dass der Support quasi nicht vorhanden ist, und wenn doch, einen miserablen Job leistet. Die Seite hat ihren Sitz in Kanada und gefühlt besteht der Support aus drei Leuten, die hunderttausende wenn nicht gar Millionen von Usern weltweit betreuen müssen. Der Support ist ausschließlich englisch. Auf Meldungen selbst übelster Beschimpfungen wird gar nicht oder nur unzulänglich mit einer Standardantwort reagiert à la »Wir schauen uns das mal an und vergessen es sogleich wieder«. Nun, zumindest die Feedbackkultur ist enorm gut, sogar so gut, dass es schon wieder nervt, weil es einfach zu viel und häufig zu nichtssagend ist. »Haha, ich heiße genauso!«, ist der Typ der Kommentare den man da zumeist bekommt.

Fazit: Keine Empfehlung. Absolut nicht. Unter keinen Umständen. Und FF.de war schon übel …


Fanfiction.net
Geht es um Fanfictions anderer Sprachen als der deutschen, ist das sicherlich der erste Anlauf. Der Ableger für eigene Arbeiten nennt sich fictionpress.com, auf welchem ich aber kaum unterwegs bin. FF.net hat einen Vor- und zugleich Nachteil: Das Angebot ist gigantisch. Und ich meine GIGANTISCH! Hier findet man mit Sicherheit, was man sucht, und mag es noch so klein sein (wobei Among the Sleep, ein sehr zu empfehlendes Horrorspiel, nicht vertreten ist, wie ich neulich feststellte). Mich persönlich freut es, dass sogar Brandon Sandersons Stormlight Archive hier vertreten ist, besonders zu empfehlen ist die FF »Onehundred«. Der Nachteil ist eben, dass das Überangebot durchaus etwas unübersichtlich ist, das Design der Seite lässt ebenso zu wünschen übrig. Und das Uploadsystem ist pain in the ass, man kann es nicht anders sagen. Es mag in Anbetracht der gigantischen Fülle des Angebots paradox klingen, aber ich hatte bisher nie lange suchen müssen, bis ich etwas gefunden hatte, was mich anspricht. Auf der Seite gibt es noch Diskussionsgruppen, Foren und dergleichen mehr, aber daran habe ich mich bisher nicht beteiligt, da die Kommunikation überwiegend englisch ist. Ehrlich gesagt war ich daher einfach zu faul bisher.

Fazit: Aus Lesersicht ist FF.net nicht schlecht, auch wenn man sich die Texte leider nicht downloaden kann und auch die mobile Version nicht schön ist – ich lese nicht gern an meinem Rechnerbildschirm. Aus Autorensicht muss man da schon Englisch schreiben, um gesehen zu werden, aber ich habe durchaus schon Feedback von nicht-Deutschmuttersprachlern erhalten, was ziemlich cool war. Das Feedback macht sich rar, wenn man nicht englisch schreibt, ist aber durchaus vorhanden.


Archive of our own
Ao3 war nach meinem Fortgang von FF.de lange mein Favorit. Die Auslegung ist klar auf FFs, man kann aber auch eigene Arbeiten unterbringen. Die Seite arbeitet mit Tags, was ein enormer Vorteil bei der Suche nach Texten und der eigenen Sichtbarkeit der eigenen Texte ist. Wirklich, Leute, baut Tags in eure Archivseiten ein, die sind großartig! Außerdem ist die Gestaltung der Tags da sehr vielseitig, da man mit HTML arbeiten kann. Begrenzt zwar, man kann nicht einfach irgendwelche Dinge in die Seite einbauen, aber dennoch bietet das enorm viele Möglichkeiten der Textgestaltung. So wirklich moderiert wird die Seite aber nicht, habe ich den Eindruck. Dennoch ist die Community da nie so ausgeartet wie die auf Wattpad. Weiß der Geier, woran das liegt. Eine ganz klare Empfehlung ist hier die FF »Son of Stars« mit extra viel Elrond-Fluff, womit man mich immer ködern kann.

Fazit: Sehr, sehr zu empfehlen, wenn man FFs sucht! Außerdem kann ich Texte als epub downloaden und auf meinem Handy lesen. Die Seite ist am Handy ebenfalls sehr schön zu bedienen.


StoryHub.de
Zurück in den deutschen Bereich, das beste kommt zum Schluss. Ao3 ist nicht mehr mein Favorit, auch wenn ich da immer noch gern bin, denn mittlerweile bin ich schwer verliebt in StoryHub. Die Seite ist noch sehr jung (3.10.16 an den Start gegangen) und aktuell noch aktiv im Aufbau begriffen. Ich bin da seit Oktober ’16 und seitdem hat sich da eine Menge getan. Es kamen die Fanfictions dazu, just heute wurde das Forum eingespielt und die DoTo-Liste ist noch immer sehr lang. Zum Beispiel kommt noch die Funktion, Geschichten und Autoren zu folgen und Tags sollen eine Funktion bekommen; bisher kann man seine FF zwar taggen, das wird momentan aber noch nicht angezeigt. Programmiert wird die Seite von einem jungen, talentierten Mann, der es wirklich derbe drauf hat. Ich hatte ja schon zu kämpfen, das Dropdown Menü in meinen Blog zu integrieren, da erscheint mir das hier irgendwie wie Zauberei :D

Das wohl besonderste Feature der Seite sind die Playstories. Das sind solche Entscheidungsgeschichten, wie manche wie ich sie vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen. »Das und das passierst. Was wirst du tun? Für Möglichkeit A lies auf Seite X weiter. Für Möglichkeit B lies auf Seite Y weiter.« Genau das ist damit gemeint. Die Dinger machen echt Spaß!

Die Feedbackkultur auf der Seite ist ausgesprochen gut: Auf insgesamt aktuell 251 Texte kommen 272 Bewertungen und 123 Kommentare (Stand: Zeitpunkt der Postveröffentlichung). Außerdem kann man bis zu 5 Sterne sowie halbe Sterne geben. Davon können sich selbst Lovelybooks und Goodreads eine Scheibe abschneiden! Die Community ist momentan noch recht überschaubar, und ich will eigentlich nicht sagen: »Macht mit!« Andererseits: Macht mit!  

Wie gesagt wird an der Seite noch aktiv gearbeitet, die Community kann Vorschläge einbringen, was sie sich wünscht und wo sie Verbesserungsvorschläge sieht. Hier wird kein näher genannter, vierstelliger Betrag in den Sand gesetzt für ein verkrüppeltes Maskottchenvieh, das die Community bei Enthüllung geschlossen scheiße findet. (Lieber Herr T., wäre es nicht schlauer gewesen, daraus einen Community-Wettbewerb zu machen, statt mal wieder über die Köpfe der User hinweg zu entscheiden?) 

Fazit: Ich wünsche der Seite sehr, dass sie eine ernsthafte deutschsprachige Konkurrenz zu FF.de wird darstellen können. Das können nämlich weder Animexx, myff.net noch Wattpad. Und auf den anderen beiden Seiten ist die deutschsprachige Community nicht stark genug vertreten. Das Potenzial, das StoryHub hat, ist schon jetzt zu sehen. Ich steh da voll dahinter.

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