Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Freitag, 24. Februar 2017

Freitagsprobe: Nimrod (Ardeen #3) von Sigrid Kraft

Quelle: Amazon, ©Verlag
Es wurden sich mehr Verrisse gewünscht, es soll mehr Verrisse geben. Noch von der letzten LBM hatte ich diesen Flyer mit einer Leseprobe aus dem dritten Ardeen-Band »Nimdrod« von Sigrid Kraft, erschienen im Fahnauer Verlag. Gelegentlich lese ich sehr gern Trash, der so schlecht ist, dass es schon wieder lustig ist, und das gehört, so kann ich sicher nach der Lektüre von Band 1, 2 und 3 sagen, zu 100% in diese Kategorie. (Ich muss immer noch meine Amazon Bewertungen für den Blog aufhübschen und Band 4 fehlt mir immer noch, weil ich den Sale verpasst hatte. Ärgerlich.) Damit soll dieser Flyer nun also einem Sinn zugeführt werden. Fangen wir wie immer mit der Inhaltsangabe an:

Endlich findet Raiden mit Eryns Hilfe den Weg ins Nimrod. Und anstatt Antworten auf ihre vielen Fragen zu erhalten, verkompliziert sich alles nur noch mehr.

Das Nimrod stellt sich als großes Refugium für magische Wesen aller Art heraus. Vom blutdurstigen Monster bis hin zur ersten Spezies der Schöpfung findet man dort alles … nur keine wirklichen Verbündeten. Und doch wird Hilfe in Aussicht gestellt, als Austausch für den Schlüssel.

Dazu meldet sich eine geheimnisvolle Stimme in Eryns Kopf zu Wort, die die Suchenden zu den sechs Orten der Macht schickt … damit sich Eryns Schicksal endlich erfüllen kann.

Meinung des Forscherdrachen: Na wenn das mal keine Falle ist … llen kann. [sic]

Meinung des Forscherdrachen: Na wenn das mal keine Falle ist [sic]
[Quelle: Klappentext, Verlag] 


Der Klappentext klingt nach einer 08/15-Geschichte (Spoiler: es ist eine 08/15-Geschichte) und diese »Meinung des Forscherdrachen« ist auch fehl am Platze. Ich habe diese Beschreibung wie alle anderen auch von der Verlagsseite, gerade dort erwartet man doch eigentlich wesentlich mehr Seriosität, statt einem albernen Alter Ego und Selbstbeweihräucherung.

Die Leseprobe beginnt mit einer kurzen Einführung in die Welt. »In der Buchreihe wird nicht die Geschichte eines einzelnen Helden erzählt, sondern vielmehr eine ganze Fantasywelt beschrieben«, heißt es da gleich im ersten Satz. Diese ausgesprochen exponierte Stellung der Aussage liegt nahe, dass sie etwas Besonderes darstellen soll. Mir stellt sich stattdessen die Frage: Ist das nicht irgendwie Sinn und Zweck jeder Fantasy-Geschichte? Erweitern wir es: Ist es nicht irgendwie Sinn und Zweck jeder Geschichte, dem Leser die Welt der Protagonisten darzulegen, egal ob Fantasy oder ein anderes Genre? Ja, ist es. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Welt nun frei ausgedacht ist oder eine alternative Version der unseren oder schlicht unsere ist. Jede Geschichte illustriert einen unterschiedlich weit ausgedehnten Mikrokosmos.

Blättern wir weiter zur eigentlichen Leseprobe. Hier fällt sofort eines ins Auge: bunte Schrift. Ich kann es auch aus den eBooks bestätigen, und es ist einfach eine Pest: Die inneren Monologe der Protagonisten werden durch verschiedenfarbige Schrift repräsentiert, für jeden Protagonisten eine Farbe. Da die Fokalisierung innerhalb weniger Absätze wechseln kann, ergibt das ein kunterbuntes Farbgemisch, zumal sich da selbst auf einer einzigen Seite nicht »nur« auf ein oder zwei Personen beschränkt wird, sondern es gern einmal mehr werden können.

Bitte schüttet keine Farbeimer über eure Romane aus. Das sieht einfach scheiße aus und führt zu mehr Verwirrung, als es nützt. Wirklich, es ist wesentlich sinnvoller, einfach den Namen dessen zu nennen, der gerade etwas gedacht hat, statt den Leser zu zwingen, sich drölfzig Farben zu merken. Es ist nämlich nicht immer aus dem Kontext ersichtlich, wer gerade gedacht hat, und dann muss man die Farbe wissen. Innovation ist nicht immer eine gute Idee.

Wir fangen in der Leseprobe mit einer hellblauen Gedankenrede an, die wohl den angepriesenen Humor beinhalten soll, da sich jemand beschwert, jetzt allein mit diesem »Bimbo« zu sein. Ich ahne, dass hier ein der Szenen in diesem Roman ausgewählt wurde, die ich damals mit am albernsten fand. Die Protagonisten haben die Hexe Essyia gefangen genommen, welche sich mit ihrem Sexappeal an Ravenor heranmacht, um sich zu befreien.

Die beiden provozieren sich mit billigen Sprüchen: »Du kannst jetzt wieder herauskommen, denn ich lege mich sicherlich nicht zu dir. Obwohl, dein Bett aus Dornen sieht eigentlich ganz gemütlich aus.« Von angepriesenem Humor sieht man nichts. Dafür die Macke, tunlichst zu vermeiden, deutlich zu machen, wer gerade spricht. Fehlende Absätze an den entsprechenden Stellen erschweren das Erkennen des Sprechers zusätzlich.

Die Szene ist nichts weiter als eine billige, kindische Streiterei der Kindsköpfe von Protagonisten. Beide wollen sich ach so erwachsen geben, lassen sich aber auf billigste Weise vom anderen provozieren. Plot device! Hauptsache, sie landen am Ende in der Kiste, wie man erfährt, wenn man das ganze Buch kennt. Die gesamte Szene der Leseprobe ist so offensichtlich nach dem Motto aufgezogen: »Was sich neckt, das liebt sich.« Nicht gerade die eleganteste Methode, eine Romanze zu beginnen. Ehrlich gesagt sogar die billigste und unkreativste.

Leider findet man auch GESCHREI, statt einer kursiven Schrift, um Betonungen grafisch darzulegen. Der Stil selbst ist sehr verknappend und beschränkt sich nur auf das Nötigste, sodass in der Leseprobe kein wirkliches Bild von irgendwas vermittelt wird. Dafür sind die Zeichnungen der Autorin ganz nett. Nur: Zeichnungen sind in einem literarischen Werk kein adäquater Ersatz zu Beschreibungen! Ich will lesen, keine Bildergalerie ansehen! Literatur ist dezidiert bildliche Sprache, nur durch sie erhalten wir einen Zugang zum Text.

Zugegebener Maßen habe ich diese Leseprobe mit der Kenntnis der ersten drei Bücher gelesen. Dennoch: Die Szene ist insofern als Leseprobe repräsentativ, als dass sie recht gut einige der Schwächen der von mir gelesenen Bücher aufzeigt. Vom immer wieder angepriesenen Humor keine Spur, dafür aber alberne Charaktere, billige Sprüche und eine gruselige Formatierung. Bitte so nicht machen!


Einen Link zur Quelle meiner gelesenen Leseprobe kann ich dieses Mal nicht präsentieren. Wie eingangs erwähnt, beziehe ich mich auf einen Flyer, der 2016 auf der LBM auslag und einen ca. 10 Seiten langen Auszug aus einem Kapitel des dritten Bandes beinhaltet.

  
Autor: Sigrid Kraft
Titel: Ardeen – Nimrod
Original: Ardeen – Nimrod
Sprache: Deutsch
Reihe: Band 3
Seiten: 569
Originalpreis: 7,99€
Verlag: Fahnauer Verlag
Genre: Fantasy
ASIN: B00ITF9T7S
Erscheinungsjahr: 2014

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