Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Mittwoch, 15. Februar 2017

Game of Thrones Rewatch: S04E10: The Children

Jon begibt sich in Mance Riders Lager, um mit diesem Verhandlungen zu führen. Plötzlich hören sie, wie zum Angriff geblasen wird, kurz darauf gefolgt von Schlachtengeräuschen. Jon ist davon ebenso überrascht wie Mance, denn niemand hat damit gerechnet. Stannis ist gekommen. Sein Angriff zwingt Mance unmittelbar in die Knie. Auch Cersei geht auf Angriffskurs, indem sie ihrem Vater die Wahrheit über sich und Jaime erzählt und kein Versteckspiel mehr spielen will. Tywin streitet es ab und will es nicht glauben. Daenerys wird immer stärker mit dem Kurs ihrer Politik konfrontiert. Fennesz, ein ehemaliger Sklave spricht gut, indem er ihr sagt, dass er als Sklavenlehrer ein gutes Ansehen hatte und wieder zu seinem Meister zurück möchte. Der nächste Bittsteller präsentiert jedoch Daenerys die verbrannten Knochen seines geliebten Kindes. Der Verantwortliche ist Drogon. Daenerys muss erkennen, dass ihre Kinder unberechenbare Monster sind, und sperrt Viserion und Rhaegal weg. Brienne findet durch Zufall Arya in der Wildnis und kämpft mit Sandor um sie. Sandor stürzt eine Klippe hinab und ist tödlich verwundet. Arya entkommt Brienne, lässt aber auch Sandor sterbend zurück. Sie findet in einem nahen Hafen ein Schiff, dass sie nach Braavos bringt. In King's Landing befreit Jaime seinen Bruder, dieser jedoch begibt sich nicht direkt zu Varys, dem Drahtzieher, sondern sucht seinen Vater auf. Er findet Shae in dessen Bett und ermordet sie. Dann erschießt er Tywin auf dem Abort. Varys schmuggelt ihn auf ein Schiff, als er die Glocken der Red Keep hört, ändert er seinen Beschluss und fährt ebenfalls mit. Hoch im Norden erreichen Bran und seine Freunde ihr Ziel, werden jedoch von Untoten angegriffen. Jojen stirbt. In letzter Sekunde kommen die Children zur Hilfe und retten die Restlichen. So treten sie endlich vor den Three Eyed Raven, den Bran so lange gesucht hat.


Was für eine Abschlussfolge! Einige Abschiede, aber auch viele Neuanfänge. Die Wege vieler Charaktere stehen jetzt an einem Wendepunkt, wo es für sie zu neuen Ufern geht. Das einzige, das wirklich nicht hatte sein müssen, war die Wackelkamera gleich zu Beginn der Folge. Zum Einen ist das immer sehr unangenehm beim Zuschauen, auf der anderen Seite wirkte das auch, um ehrlich zu sein, nicht gerade professionell.

Ich liebe die Art, wie Jon und Mance umgehen (zwischen Thormund und Jon dasselbe). Sie stehen zwar auf verschiedenen Seiten, aber dennoch sind sie dem anderen gegenüber respektvoll, denn sie wissen, welchen Wert dieser Mann hat. Hier stellt sich erneut die Frage, ob es auch eine andere Lösung als diese Schlacht gegeben hätte. Wenn Mance von Anfang an dafür sorgen könnte, dass seine Leute nicht plündern, und die Night's Watch unter diesen Bedingungen einwilligt … Ich glaube, selbst dann nicht. Dann würden die Free Folks immer noch Land beanspruchen, dass zu den Seven Kingdoms gehört, und keiner der Lord hätte dem zugestimmt. Es ist eigentlich so schade.

Wir sehen auch, wie Qyburn sich um Gregor Clegane kümmert und ihn wieder aufpeppeln will, obgleich dieser wie tot wirkt. Grand Maester Pycelle ist aufgebracht, dass Cersei diesem Mann vertraut, wird von dieser aber rausgeworfen. In diesem Gespräch werden einige Andeutungen zu Clegane gemacht, ob er die Behandlung überstehen wird und ob sie ihn verändert. Ich liebe diese Andeutungen mit dem Gedanken im Hinterkopf, was dann in Staffel 6 kommt.

Gleichzeitig ist Cersei auch auf Konfrontationskurs. Erst offenbart sie Tywin die Wahrheit über sich und Jaime, dann sagt sie zu Jaime, dass sie sich nicht mehr um das Gerede der anderen schert und mit ihrer Beziehung offener umgehen will. Schon das hat großes Konfliktpotenzial und irgendwie wittert man förmlich, dass bald Dinge in die Luft fliegen werden. (Ihr kennt Staffel 6, nicht wahr?)

Mir hat auch sehr gut gefallen, wie Fennesz spricht. Er bringt kluge und angebrachte Argumente vor, warum für ihn die Sklaverei durchaus Vorteile gebracht hat. Ich finde es gut, dass Daenerys mit dem Kurs ihrer Politik konfrontiert wird und einsehen muss, dass das einige Probleme mit sich bringt, einfach so ein System komplett umkrempeln zu wollen. Wobei der Bittsteller im Anschluss weitaus emotionaler ist, als er Daenerys die verbrannten Knochen seines Kindes präsentiert. Sie muss erkennen, dass sie bei der Erziehung der Drachen versagt hat, sie ihnen einfach zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet hat oder die Drachen schlicht unkontrollierbar sind. Als sie Viserion und Rhaegal wegsperrt, tut es einem aber selbst in der Seele weh. Da werden die armen Viecher nun da unten im Finstern weggesperrt, an schwere Ketten angekettet. Dass ihre Mutter sie wegsperrt, macht die Sache noch schwerer, zumal die Drachen ihr klagende Rufe hinterher schicken.

Ein ebensolcher Moment, der einem zu Herzen geht, ist Ygrittes Begräbnis. Jon bringt ihren Körper allein nördlich der Mauer in den wald und errichtet für sie unter einem Hearttree einen Scheiterhaufen. Sie verbrennt im Feuer, wie passend. Er versucht zunächst, sich nicht von der Trauer überwältigen zu lassen, doch am Ende gelingt es ihm doch nicht. Es ist Westeros, ein gutes Ende für Romeo und Julia kann es hier nicht geben. Das macht die Sache jedoch nicht leichter.

Dafür gibt es dann eine wahnsinnig tolle Kulisse, als Bran und seine Gefährten an ihrem Ziel ankommen. Sie ist wirklich atemberaubend! Und wird gleich darauf zerstört, als sie von diesen gruseligen Untoten angegriffen werden. Die Children retten sie, und das war der Moment, wo ich in Buch und Serie irgendwie enttäuscht war. Das weiß ich heute noch. Irgendwie hatte ich mir mehr von den Children erwartet. Ich weiß nicht mal genau, was. Mehr halt. (Mehr und immer noch nicht genug bekommen wir zwar in Staffel 6, aber trotzdem.) Wobei der Three Eyed Raven schon durchaus cool ist, so ist es nicht. »You never walk again, but you will fly.« So kryptische Worte machen eben doch einiges her.

Sehr faszinierend fand ich auch, wie sich langsam die Erkenntnis in Briennes Gesicht formt, wen sie da vor sich hat, und wie wunderschön man das nachvollziehen kann. Das ganze endet ziemlich ikonisch. Ich frage mich allerdings, was passiert wäre, wenn Arya mit Brienne gegangen wäre. Was wäre dann wie anders gekommen? Die Beziehung zwischen Arya und dem Hound endet jedoch hier, und was aus ihm wird, weiß man zunächst nicht. Sein Tod scheint jedenfalls sicher zu sein. Die Beziehung der beiden hat mich immer sehr fasziniert, aber ich muss ganz ehrlich sein, dass ich nicht glaube, sie jemals wirklich komplett verstanden zu haben. Was liegt Sandor an Arya? Hat er die Hoffnung, durch sie ein besserer Mensch zu werden? Oder will er nur das Geld? Und was sieht Arya in dem Hound? Einen Mentor? Oder irgendeinen Typen, der ihr ein paar Sachen beigebracht hat, der jetzt aber entbehrlich ist? So oder so, sie ist ausgesprochen opportunistisch und scheint jetzt den Beschluss gefasst zu haben, dass sie ohne ihn besser dran ist. Aber warum lässt sie ihn sterbend zurück? Ich weiß es nicht.

Einer der eindrucksvollsten Momente in der Geschichte von Game of Thrones bietet Tyrion. Er muss den vielleicht größten Verrat von allen ertragen: Shae ist mit seinem Vater ins Bett gegangen. Sie bemerkt ihn und greift ihn an, doch er kann sie überwältigen und erdrosselt sie mit ihrer Kette. Danach erschießt er seinen Vater auf dem Abort. Das ganze wird passend mit einer Variation der Rains of Castamere untermalt. So unglaublich gut passend!

Ein gigantisches Lob an Peter Dinklage und Charles Dance. Insbesondere letzterer hat in bisher jeder Rolle, in der ich ihn kenne (Underworld, Dracula Untold, Witcher und eben GoT) brilliert. Sein Art zu schauspielern, liebe ich einfach unheimlich, zumal es noch so dermaßen gut auf Tywin gepasst hat!

Auch wie Dinklage Tyrion hier gespielt hat, war einfach phänomenal. Tyrion ist wie unter Hypnose, fast traumwandlerisch tut er, was er tut. Er spricht nur wenige umso bedeutungsschwerere Worte, und er spricht sie leise aus, was ihnen noch einmal etwas wesentlich Bedrohlicheres gibt. Schon beeindruckend, dass es nicht einmal den Eindruck der Szenerie kaputt macht, dass Tywin gerade auf dem Scheißhaus sitzt. Und ja, das meine ich genau so.

Fast schon putzig war Varys, der fragt, was Tyrion angestellt hat, aber keine Antwort bekommt. Als er die Glocken hört, weiß er es und dreht auf der Stelle um, um mit Tyrion zu gehen. Was dahinter steht, ist jedoch bei weitem nicht so lustig. Immerhin war er es, der die Befreiung Tyrions veranlasst hat.

Das Staffelfinale war mal wieder grandios. Wobei ich es mit Kenntnis von Staffel 6 sogar noch mehr mochte, da ich weiß, was daraus erwachsen wird. Großartig, einfach großartig!

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