Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Mittwoch, 22. Februar 2017

Rezension: Butlers Djihad (Der Wüstenplanet - Die Legende #1) von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Frank Herberts Wüstenplanet ist vielleicht eine der bekanntesten Science-Fiction-Reihen. Nach dem Tod des Autors setzt nun sein Sohn Brian Herbert zusammen mit Kevin J. Anderson die Geschichte fort. In »Butlers Djihad« erzählen sie den Beginn der Legenden des Wüstenplaneten.

Seit Tausend Jahren haben die Denkmaschinen die Menschen versklavt. Einige jedoch entkamen ihnen und leben als freie Menschen in den Liga-Welten. Sie sind bestrebt, die synchronisierten Welten unter der Herrschaft des Allcomputers Omnius zu befreien. Aber erst, als eine der ihren von den Maschinen gefangen wird und unverhofft eine Rebellion unter den Sklaven auslöst, wagen sie es, den Krieg mit allen Mitteln zu den Maschinen zu tragen. 


Nachdem der »Wüstenplanet« in der Bibliothek vergriffen war, den ich eigentlich lesen wollte, habe ich mit dem chronologisch ersten Teil der Reihe begonnen. Ich hatte hier allerdings das Gefühl, dass das Buch eher für Fans der Reihe geschrieben wurde, statt für Neueinsteiger wie mich. Man muss insbesondere am Anfang sehr am Ball bleiben, um nichts zu verpassen. Hier hilft allerdings auch das Glossar am Ende des Buches. Dennoch habe ich das Gefühl, ein, zwei Sachen noch nicht ganz verstanden zu haben. Ich hoffe, das gibt sich mit der weiteren Lektüre der Bücher, spätestens der ursprünglichen.

Gerade ab dem Punkt, wo Serena Butler zur Sklavin des Roboters Erasmus wird, nimmt das Buch einiges an Spannung auf, da sie schwanger von ihrem frisch vermählten Ehemann ist. Selbiger glaubt sie aber tot und ehelicht ihre Schwester. Das ist natürlich ein perfektes hausgemachtes Drama, das man sehr gern beim Lesen verfolgt.

Das Problem, das ich mit dem Buch habe, liegt allerdings darin, dass die Emotionen der beteiligten Charaktere, insbesondere Serenas und Xaviers, ihre Ehemannes, zwar schon irgendwie da sind und man mit ihnen teils mitfühlt, diese Gefühle aber nicht unbedingt zu 100% beim Leser ankommen. Das Buch ist oft ein zusammenfassender Bericht bestimmter Ereignisse des Krieges und liest sich auch an anderen Stellen eher wie ein Bericht, wo mehr Gefühl angebracht wäre. Das ist ziemlich schade, da man allein durch einen emotionaleren Stil viel mehr hätte rausholen können.

Die Cymex, eine Art Cyborgs, die ihre menschlichen Gehirne in Roboterkörper einbauen, sind natürlich ziemlich cool. Bei denen weiß man nicht so genau, woran man ist. Auch sie wollen wieder Macht erlangen, die ihnen ironischerweise von ihrer Schöpfung Omnius genommen wurde, gleichzeitig wollen aber auch sie die Sklavenherren der Menschen sein. Noch arbeiten sie mit Omnius zusammen, aber im Hintergrund planen auch sie einen Putsch. Noch passiert im ersten Band nicht viel in diese Richtung, aber mal sehen, wohin das in den anderen Bänden führt!

Die Denkmaschinen wirken leider nicht völlig durchdacht. Sie wirken häufig eher, als hätte man es mit einem Menschen statt einem Computer zu tun. Ich hatte dabei häufig den Film »Her« im Kopf (sehr zu empfehlen übrigens), wo Samantha, das intelligente Betriebssystem, mit dem der Protagonist eine Beziehung führt, am einem gewissen Punkt sich so weit entwickelt hatte, dass sie mit tausenden anderen Betriebssystemen gleichzeitig kommunizieren konnte. Das erscheint mir für eine Kommunikation unter intelligenten Computern auch wesentlich sinnvoller, immerhin funktionieren sie jetzt schon schon. Warum also sollten sie auf verbale Kommunikation zurückgreifen, wie sie es hier tun? Reiner Datenaustausch wäre weitaus effizienter, und immerhin wird immer wieder betont, dass Omnius und seine Denkmaschinen auf genau diese Effizienz aus sind.

Ironischerweise ist allein Erasmus eine Ausnahme davon. Er hat von allen näher beleuchteten Denkmaschinen das größte Interesse an Menschen und will sie und ihre Verhaltensmuster verstehen. In gewisser Weise ist er ihnen von allen Denkmaschinen am ähnlichsten – und der einzige, bei dem man merkt, es nicht mit einem Menschen zu tun zu haben. Er hat absolut keine Moral, ein Sinn für die Kunst geht ihm ebenfalls ab und Empathie besitzt er ebenso wenig. Dass das  einem Roboter am ehesten abgeht, leuchtet vollkommen ein. Es wäre schön gewesen, wenn das auch bei den anderen Denkmaschinen so gewesen wäre.

Dennoch, auch wenn das Buch einige Logiklücken hat und doch eher ein Weltraummärchen ist als wissenschaftlich fundierte Science Fiction (man kann nicht mal eben zwischen den Sternen reisen, ohne mit der Beschleunigung und der Zeitdilatation zu kämpfen), so waren es doch angenehme Lesestunden, die vor allem gegen Ende des Buches Lust auf mehr machten. Zum Glück gibt’s ja noch zwölf weitere Bände …
  


Autor: Brian Herbert, Kevin J. Anderson
Titel: Der Wüstenplanet – Die Legende: Butlers Djihad
Original: Dune: The Butlerian Jihad
Sprache: Deutsch
Reihe: Band 1
Seiten: 787
Originalpreis: 9,95€
Verlag: Heyne
Genre: Science Fiction
ISBN: 978-3-453-52358-8
Erscheinungsjahr: 2007

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