Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Mittwoch, 22. März 2017

Lesung: Die Tram lauert überall. Markus Heitz liest aus seinem Roman »Des Teufels Gebetbuch«

Die Tram lauert überall
Eine Eventlesung mit und von Markus Heitz zu seinem Buch »Des Teufels Gebetbuch« in der Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG.


Wer denkt, er sei eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn überpünktlich da, hat sich geschnitten. Bereits jetzt ist der Nebenraum der Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG sehr gut gefüllt und der Strom der Interessenten reißt nicht ab. Doch jahrelanges Tetris spielen trägt dazu bei, dass am Ende alle einen Platz finden. Der Hauptakteur des Abends, Herr Heitz, ist eine viertel Stunde vor Beginn da, lässt es jedoch ruhig angehen mit dem Beginn. Es soll schließlich ein gemütlicher Abend in geselliger Runde werden. Sehr gesellig, wie ein Blick in die Runde verrät.

Das Publikum besteht überwiegend aus dunkel gekleideten Gestalten und hat sich damit ganz intuitiv dem Kleidungsstil des Autoren angepasst. Umso mehr fallen einige etwas reifere, aber noch rüstige Damen auf. Nicht unbedingt das Klientel, das man hier erwartet aber nun gut. Augenscheinlich haben sie tatsächlich Interesse, was durchaus verwundert; Heitz' Fanclub ist anscheinend sehr breit aufgestellt.

Das Wasserglas droht eine der berüchtigten Wasserglaslesungen an. Doch Heitz ist ein alter Hase und weiß so etwas durch seine geübte Rhetorik und den einen oder anderen guten Witz aufzulockern. Zudem hat er wortwörtlich ein Ass im Ärmel. An diesem Abend soll es nicht nur in seinem neuesten Roman um Kartenspiele gehen, es wird tatsächlich gezockt. Eine kreative Abwechslung zum trögen Trott einer Autorenlesung.

»Des Teufels Gebetbuch«, der Titel des Romans klingt schon sehr … verheißungsvoll. Als dem Publikum dann auch noch angedroht wird, dass hier tatsächlich an diesem Abend gezockt wird, sehen sich wahrscheinlich schon einige mit der Pistole an die Wand gestellt, darauf hoffend, dass das Magazin leer ist. Doch Heitz gibt Entwarnung: Wir spielen harmlos. Die Reihen der Leser auszudünnen, findet auch er nicht so prickelnd.

Eben weil Heitz zusammen mit seinem Verlag sich eine kreative Lösung für das immer gleiche Schema A einer Lesung ausdachten, beginnt der Abend mit dem Organisatorischen. Charmant, wie nur Heitz es verpacken kann, fällt auch spontan die Lesung selbst darunter.

Vielleicht ein Spontanidee, vielleicht schon länger vorhanden, kündigt Herr Heitz außerdem an, dass an dieser Stelle wohl in Zukunft, wenn nicht gerade Karten gespielt werden, ein Heitz-Bingo stehen soll. Denn auch die alten Hasen im Publikum wissen: Herr Heitz bringt gerne einmal einige Witze auf jeder seiner Lesungen. So hatte er beispielsweise in jungen Jahren überlegt, ob er denn nicht einen soliden Beruf ergreifen solle. Und »Bestatter haben ja auch nachwachsend Rohstoffe«. Makaberer Humor passt in eine Runde wie diese immer sehr gut. So erfahren wir außerdem: »Die Tram lauert überall.« Und sorgt wahrscheinlich somit auch für die konstante Sicherung des Bestatterberufs, welcher, so suggerieren es uns die Worte Herrn Heitz', in Leipzig besonders lukrativ sein muss. Der Tram sei's gedankt.

Der Autor bietet seinen Zuhörern ein unterhaltsames Abendprogramm, das immer wieder aufgelockert wird von insgesamt drei vorgetragenen Szenen aus seinem neuen Buch. Dabei witzelt er nicht nur, sondern erzählt auch einiges über den Entstehungsprozess des Romans und zur Geschichte des Kartenspiels.

»Ach komm, machste mal was ohne Leipzig«, sinniert er dabei, nachdem er ansprach, dass er seine Romane gern einmal in der Bachstadt spielen lässt. Ein empörtes »Ohhhhh!« erhebt sich aus den Reihen des Publikums. Um den Lokalstolz der Leipziger zu bedienen, revidiert Heitz sogleich: »Aber es stellte sich heraus: Kannste vergessen.« Denn wie wir an diesem Abend lernten, war Leipzig zu Goethes Zeiten eines der Zentren der Kartenmacher. Markus Heitz kommt von Leipzig einfach nicht los.

Insgesamt bot der Abend sehr angenehme Abwechslung. Nach der Lesung gab es eine kleine Fragerunde, danach stand die Signierstunde an, und während ich diese Zeilen tippe, sind die zehn Gewinner (ob sie so glücklich sind oder nicht, bleibt offen) der Losrunde gerade am Zocken. Für einen von ihnen wird es am 1. April nach Baden Baden gehen, wo er gegen die Gewinner der Zockrunden anderer Lesungen antreten wird. Doch wie das ausgehen wird, und dieses Heitz-Bingo hätten sicher alle alte Hasen gewusst, »kann ich aus dramaturgischen Gründen hier nicht verraten, aber dazu gibt es Hinweise im Buch.«


Die Veranstaltung: Markus Heitz liest aus Des Teufels Gebetbuch, Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG, 22.3.2017, 19.00 Uhr
Das Buch: Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch. Knaur HC, München 2017, 672 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 14,99 Euro

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