Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Freitag, 14. April 2017

Freitagsprobe: Mytheria - Magische Welten von Lena Weinert

Quelle und ©: Verlag
Beim Schmökern stieß ich neulich auf »Mytheria – Magische Welten« von Lena Weinert. Das Buch erscheint im April bim AAVAA-Verlag. Erzählt wird die Geschichte eines ach so normalen Mädchens, das ganz plötzlich magische Kräfte entwickelt. Nun ja, man kann ja dennoch einmal einen Blick hinein werfen.

Ruby war schon immer anders und doch merkt sie nichts von dem alltäglichen Krieg der Mächte um sie herum. Zwei Männer kämpfen um ihre Liebe. Gut und Böse sind auf der Suche nach ihr um alles ein für alle Mal zu beenden. Sie verbirgt die Lösung für den Sieg oder den Untergang. Nichts ist so wie es scheint, denn die Bösen sind nicht alle schlecht. Alles hängt von einer Person ab, die nicht weiß: Was ist richtig und was falsch? Wird sie sich mit Hilfe ihrer besten Freundinnen Josie und Saphira für die richtige Seite entscheiden und das Leben ihrer über allem geliebten Menschen retten?
[Quelle: Klappentext]


Rhetorische Fragen! Irgendwie scheinen die bei den meisten Leseproben, die ich bisher ausgebuddelt habe, sehr im Trend zu sein. Finde ich irgendwie nicht so cool. Rhetorische Fragen sind meist doch eh nur Platzhalter, die fancy wirken sollen, aber am Ende nur leere, nichtsnutzige Worthülsen sind, die entweder keinen Gehalt haben oder sich selbst beantworten. Ich meine, natürlich wird sich unsere supertolle Ruby für die gute Seite entscheiden und allen den Allerwertesten retten! Irgendwie erübrigt sich damit die Lektüre des ganzen restlichen Textes.

»Aber davon solltet ihr euch wohl selbst überzeugen«, sagt mir die Protagonistin, während ich mit denke: »Nein, soll ich nicht. Du sollst es mir präsentieren. Das ist dein Job als Erzähler, und ganz ehrlich: Du machst keinen guten Job.«

Die Leseprobe umfasst etwa fünfunddreißig Seiten, das heißt Prolog und Teile des ersten Kapitels. Erzählt wird der Text aus der Sicht zweier Ich-Erzähler, Ruby und Adrian. Damit der Leser für vollkommen verblödet erklärt wird, wird der POV freilich darüber geschrieben.  Mich Ich-Erzählern stehe ich allgemein auf dem Kriegsfuß, was daran liegen mag, dass ich schon zu viele schlecht gemachte gelesen habe. Diese Perspektive kann gut sein, keine Frage, aber irgendwie scheint es mir, dass sie dafür prädestiniert ist, nach hinten los zu gehen. Das ist leider auch hier der Fall.

Zu Beginn des ersten Kapitels stellt sich Ruby lang und breit vor. Sie ist ein ach so »normales«™  Mädchen, das in eine ach so »normale«™ Schule geht und dann ganz durch Zufall magische Kräfte entwickelt. Dieser Plot ist so ausgelutscht, dass ich hier wirklich bezweifle, wie man das überhaupt noch gut umsetzen kann.

Das schlimmste daran ist jedoch, dass dieses Buch sich ernst nimmt und sich nicht als Kinderbuch versteht, wo man gewisse Übertreibungen vielleicht noch verzeihen könnte. Denn trotz dieses Umstandes finden sich im ersten Kapitel direkte Anreden des Lesers. Das ist maximal in Kinderbüchern zulässig. In jedem anderen Buch haben solche Sätze meiner Meinung nach nichts zu suchen: »Ihr denkt euch wohl: Paläste? Im 21. Jahrhundert?
Dazu kann ich euch nur sagen, dass es schon immer Dinge gab, die eigenartig für die Welt der normalen Menschen waren. Ja sogar erschreckend!«

Es wirkt kindisch und unprofessionell. Nein, einfach nein. Die Stilblüten hören damit allerdings auch nicht auf. Im letzten Teil der Leseprobe nehmen sie zusammen mit den Rechtschreibfehlern noch einmal zu. Da finden wir einen gesunkenen Kopf statt eines gesenkten sowie jedes Widerwort statt jeder Widerrede, die nicht geduldet wird. Man sollte vielleicht nicht unbedingt am Lektorat und Korrektorat sparen …

Stilistisch kann der Text nicht glänzen. Die Erzählung wird nüchtern und völlig emotionslos und unästhetisch heruntergerattert. Es passiert A, dann passiert B und dann C. Dialoge finden sich kaum, alles wird im Zeitraffer abgefrühstückt. Hinzu kommt, dass umgangssprachliche Ausdrücke in der Erzählung vorkommen, die da nicht hingehören (bei »pummelig« schwindet das Schwa nur in der mündlichen Sprache, nicht in der schriftlichen). Das erste Kapitel beginnt mit einer Aufzählung™ der Dinge, die Rubys Leben ausmachen, dazu gehört der Umstand, dass sie die Namen ihrer Geschwister, Veronica und Andrew, seltsamer findet als ihren eigenen und den ihrer besten Freundin Saphira. Herrgott, wer benennt sein Kind nach Eragons Drachen?! Solche ach so tollen fancy Namen lassen bei mir ja immer die Alarmglocken läuten, dass hier eine Sue hereingepoltert kommt.

Dass auch noch die Zahlen nicht ausgeschrieben werden und Binde- statt Gedankenstriche gesetzt werden, erscheint hier irgendwie noch das geringste Problem. Der Leser hat absolut keine Bindung zu den Personen, ihr Schicksal ist mir völlig gleichgültig. Der Prolog zielt auf das genaue Gegenteil ab, scheitert aber auf ganzer Linie. Es passieren irgendwelche Dinge, der Leser wird mit leeren Worthülsen bombardiert und hat keine Ahnung von nichts. Ich kann nicht mit den Protagonisten mitfühlen, wenn ich nicht weiß, was hier vor sich geht. Ein Prolog soll neugierig machen, er soll in die Handlung einstimmen und einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was kommt. Da hier absolut nichts klar wird und der Prolog eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung leerer Worte besteht, kann er genauso gut weg. Ein Prolog um des Prologs Willen, weil das gerade ach so trendy in der Fantasy ist (ein scheußlicher Trend), ist nutzlos und ebenso sinnlos.

Wobei man eines dann doch zumindest über Adrian sagen kann: Er ist ein ekelhafter, arroganter Fatzke, dessen Lebenssinn darin zu bestehen scheint, sämtliche Frauen in seinem Umfeld in Paarungsbereitschaft zu versetzen, damit er sich geil fühlen kann. Und dann behauptet er noch, er sei ja auch so bescheiden, während mir die Galle hochkommt, weil das ein absolut ekliger Typ ist. Wir erinnern uns: Die Leseprobe beinhaltet das erste Kapitel. Selbiges soll die Charaktere vorstellen. Während Ruby sich als nervige Teenagergöre präsentiert, ist er ein notgeiles Arschloch. Nein, danke.

Eine Leseprobe soll mir die Frage beantworten: Warum soll ich dieses Buch nun unbedingt lesen? Nun, warum sollte ich dieses Buch hier lesen? Schon allein die Leseprobe wirkt absolut generisch und ist schlecht geschrieben. Die Charaktere sind nichtssagend und austauschbar und schlussendlich gibt es hier nichts, das mich reizen würde, daran auch nur noch einen zweiten Gedanken zu verschwenden.


Die von mir gelesene Leseprobe kann man auf der Verlagsseite einsehen.



Autor: Lena Weinert
Titel: Mytheria – Magische Welten
Original: Mytheria – Magische Welten
Sprache: Deutsch
Reihe: ?
Seiten: 252
Originalpreis: 6,99€
Verlag: AAVAA Verlag
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-8459-2150-1
Erscheinungsjahr: 2017

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