Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Montag, 22. Mai 2017

Rezension: Die wundersame Geschichte der Faye Archer von Christoph Marzi

»Manche Geschichten sind wie Melodien.« (S. 29) Auf die Romane Christoph Marzis trifft das auf jeden Fall zu. Egal, was er schreibt, die Zeilen singen. In »Die wundersame Geschichte der Faye Archer« ist es ein lockerflockiges Spätsommerlied, dem man am liebsten in der Sonne im Park oder am Strand liegend lauscht.

Faye Archers Leben ist bunt und geprägt von Musik und Kunst. Sie arbeitet in einem kleinen Buchladen, und alles scheint gut zu sein. Bis eines schönen Septembertages ein Kunde in den Laden kommt und ihr Leben gehörig durcheinander wirbelt. Faye sieht ihn nicht, hört nur seine Stimme, doch sie ist sofort von ihm in den Bann gezogen. Sie macht ihn auf Facebook ausfindig und beginnt mit ihm einen Mailwechsel, in dessen Folge sie sich immer mehr zu Alex hingezogen fühlt. Doch kurz bevor sie sich das erste Mal treffen können, passieren Dinge, die Faye an Alex und seiner Ehrlichkeit zweifeln lassen.


Fayes Geschichte ist ein Liebesroman, der nicht ganz auf den magical realismn, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, verzichtet. Dessen Rolle scheint jedoch verschwindend gering, doch selbst ohne ihn ist die Erzählung einfach bezaubernd. Marzis Schreibstil ist voller Poesie, locker und definitiv sehr charakteristisch und vor allem auch zum bunten, tanzenden Lebensstil Faye Archers passend. Durch seine Wortwahl und Syntax (wie unpoetisch das klingt) schafft es Marzi in jedem Fall, Faye, die zentrale Figur des Romans, wunderbar zum Leser zu transportieren.

Der Roman kommt mit wenigen wichtigen Figuren aus, die allesamt gut ausgezeichnet sind und ihre individuellen Merkmale haben. Mica, der Shaolin-Buchhändler, Dana, die Businessfrau und beste Freundin, der Künstler Alex …

Und doch! Und doch fehlt irgendwie etwas … Der Stil ist wunderschön, ganz, wie man es von Marzi gewohnt ist, die Charaktere sind gut ausgeformt und eigentlich ist auch die Geschichte gut erzählt, entwickelt sich angemessen und alles baut aufeinander auf und steigert sich zum Höhepunkt hin. Aber trotzdem schafft es der Roman einfach nicht über eine nette Sommerlektüre hinaus. Ich weiß nicht einmal, woran das liegt. (Vielleicht daran, dass Liebesromane einfach nicht mein Ding sind und ich dieses Buch nur gelesen habe, weil der Name einer meiner Lieblingsautoren drauf stand.)

Die Sommerlektüre macht der Roman allerdings gut. Die Handlung spielt zwar im September in Brooklyn, aber sie hat etwas ganz Lockeres und Sommerliches an sich, sodass man den Roman wirklich am liebsten in der Sonne sitzend lesen möchte. Das habe ich getan, und es war durchaus angenehm.

Zusammenfassend kann man sagen: Stilistisch ist der Roman wie alles von Marzi einfach ein Traum. Darüber hinaus ist »Die wundersame Geschichte der Faye Archer« eine nette kleine Geschichte, sozusagen ein Eis in der Sommersonne, das schnell aufgeleckt ist und nur kurze Freuden bereithält. Dauerhaft fesseln konnte es nicht, hatte aber seine guten Momente.


Autor: Christoph Marzi
Titel: Die wundersame Geschichte der Faye Archer
Sprache: Deutsch
Umschlagillustration: Unter Verwendung einer Illustration von Mascha Greune
Reihe: Nein
Seiten: 383
Originalpreis: 14,99€
Verlag: Heyne
Genre: Liebesroman
ISBN: 978-3-453-52992-2
Erscheinungsjahr: 2013

Kommentare:

  1. Ich verschlinge auch alle Bücher von Christoph Marzi und wie dir hat mir hier eindeutig etwas gefehlt, irgendetwas, was es besonders macht, so wie seine sonstigen Geschichten auch ... trotzdem ein wunderschönes Buch, ich wünschte ich könnte Wörter so locker leicht formen wie er!

    Liebste Grüße,
    Vivka

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    1. Oh jaa! Ich liiiiebe Marzis Sil! Hoher Wiedererkennungswert, sehr poetisch und wortmalerisch. Hach, einfach toll <3 Schade, dass es das Buch nicht gerettet hat und es nicht zu etwas so Besonderen werden konnte wie beispielsweise die Uralten Metropolen.

      Liebe Grüße

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    2. An die Uralte Metropole kommt so schnell sowieso nichts heran! Aber ich bin bereits sehr auf "Mitternacht" gespannt was ja demnächst kommt =)

      Liebste Grüße,
      Vivka

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  2. Eine leichte Sommerlektüre klingt doch toll - solche Romane lese ich total gerne bzw. verschenke sie an meine Mama und meine Schwester. :)
    LG Myriam

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    1. Wenn man genau das sucht, ja. Ich denke, das Buch macht sich super im Sommerurlaub, oder wenn man am Strand baden geht. Ich hatte es aber innerlich auch immer mit den Uralten Metropolen verglichen, eine meiner Lieblingsreihen, und da kann Faye Archer vorn und hinten nicht mithalten, was etwas schade ist. Marzi kann's einfach besser als das. Aber wie gesagt, es ist nicht schlecht, nur eben sehr leichte Kost.

      Liebe Grüße

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