Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!
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Dienstag, 24. März 2026

Rezension: Das Licht ungewöhnlicher Sterne von Ryka Aoki


Wenn es ein Buch gibt, das mein Herz zum Singen bringt, dann ist es »Das Licht ungewöhnlicher Sterne« von Ryka Aoki. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber ganz gewiss nicht eine Geschichte, die mich sprichwörtlich zum Weinen bringt mit ihrer Schönheit.

»Einst war Shizuka Satomi ein Star, heute ist sie die gefragteste Geigenlehrerin der Welt. Wer bei ihr studiert, dem ist eine glänzende Karriere gewiss. Niemand ahnt, dass Shizuka einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat: Sieben Musikerseelen muss sie ihm bringen. Sechs davon hat sie bereits der Hölle übergeben. Nur mit der siebten will es nicht klappen, und langsam läuft Shizuka die Zeit davon. Als sie eines Tages das Geigenspiel der jungen Katrina hört, ist Shizuka sich sicher, die letzte Seele gefunden zu haben. Doch dann begegnet Shizuka der geheimnisvollen Lan Tran, die von geradezu außerirdischer Schönheit ist, und mit einem Mal werden all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Es ist der Beginn eines mitreißenden Abenteuers voll Magie und Hoffnung. Eines Abenteuers, das zeigt, dass man für die Liebe manchmal ganze Sternensysteme überwinden muss ...«
(Quelle: Klappentext)

Samstag, 8. März 2025

Rezension: Sunbearer Duologie (#1-#2) von Aiden Thomas

Aiden Thomas war mir bereits von Cemetery Boy bekannt, die Sunbearer Duologie ist eine weitere YA Fantasy Reihe inspiriert von mexikanischer Mythologie, in der erneut ein junger trans Mann die Hauptrolle spielt. Außerdem ist er der Sohn der Göttin der Vögel, und wie kann ich da noch nein sagen?!

Vor Tausenden von Jahren sind die Gottheiten auf die Erde gekommen, und noch heute leben ihre Nachfahren in Reino del Sol. Um die bösen Mächte zu vertreiben, hat sich Sol, die Sonnen-Gottheit, geopfert – und nun müssen alle zehn Jahre zehn junge Halbgötter in einem großen Wettbewerb gegeneinander antreten, um für die Ehre zu kämpfen, das Licht der Sonne zu tragen. Der siebzehnjährige Teo wird überraschend als einer von ihnen ausgewählt, obwohl er zu den Jades gehört, die auf den Wettkampf nicht vorbereitet werden. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Niya und dem Außenseiter Xio will er beweisen, dass sie das Zeug zu Ruhm und Ehre haben. Und auch ihr Leben steht auf dem Spiel – denn wer verliert, wird der Sonne geopfert.

(Quelle: Verlagstext)

Freitag, 7. Februar 2025

Rezension: 7 Sorten Schnee von Juri Pavlovic

Als ich zuerst bei Literatopia von „7 Sorten Schnee“ von Juri Pavlovic las, wusste ich sofort, dass ich diesen Roman lesen musste. Wie praktisch, dass es kurz vor Weihnachten gewesen war und das Buch dann tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum lag. Epische Fantasy mit Drachen ist einfach ein Muss!

Wer ein Ritter wird, entscheidet die Herkunft.

Wer ein Ritter ist, entscheidet das Herz.

Idalir, die Stadt aus Stein und Schnee, ist seit tausend Jahren in einen Krieg mit den Drachen verstrickt. Flores, der junge Adelige mit der falschen Herkunft, wünscht sich nichts mehr, als seiner Familie Ehre zu machen. Inmitten eines Drachenangriffs taucht plötzlich ein Fremder auf: Raban, ein Arzt aus dem fernen Abrantes, den die Wissenschaft ins ewige Eis gelockt hat. Kaum angekommen, findet Raban sich in der Rolle des Lichtbringers wieder, eines göttlichen Gesandten, der den Drachenkrieg beenden soll. Flores ist bereit, für den Lichtbringer zu sterben. Doch der will das um keinen Preis zulassen.

Ein queeres Fantasy-Epos vor einer Kulisse aus Eis und Schnee, Schlittenhunden und ritterlicher Ehre, voll großer Gefühle und diverser Lebensentwürfe.

(Verlagstext)

Dienstag, 4. Februar 2025

Rezension: Unbestimmt von Lisa Dröttboom

© ASP Verlag, Grit Richter
Unbestimmt von Lisa Dröttboom fiel mir sofort wegen des in den enby Farben gehaltenen Covers auf, und obwohl die Prämisse nicht die ausgefallenste ist, war die Aussicht auf einen cozy Roman mit einer nonbinären Hauptperson genau das, was ich wollte. Es war auch genau das, was ich bekommen habe.

Vor wenigen Jahrzehnten stürzte das Raumschiff der Pan auf der Erde ab, welche daraufhin mit den Menschen koexistieren mussten. Die Pan haben die besondere Eigenschaft, dass sich ihre DNS ihrer Umgebung anpasst, und die heutige Generation der Pan lässt sich nicht mehr von den Menschen unterscheiden. Ihr einziges Unterscheidungsmerkmal ist lediglich, dass alle Pan ihr Geschlecht wechseln können, wie es ihnen beliebt. Um sich in die Gesellschaft der Menschen einzugliedern, haben sie jedoch zugestimmt, dass sie sich mit dem Erreichen des Erwachsenenalters auf ein Geschlecht festlegen. Gray hat nur noch wenige Wochen bis zum Apfelblütenfest, bei dem junge Pan ihr Geschlecht verkünden, und steht vor dem „Problem“, dass ser sich nicht entscheiden kann. In den Wochen vor dem Fest switcht ser so häufig, dass sich sogar gesundheitliche Probleme ergeben und ser nur noch wenige Male switchen darf. Die Wochen vergehen und Gray findet keine Antwort auf die Frage, was ser wählen soll.

Dienstag, 28. Januar 2025

Rezension: Heavenly Tyrant (Iron Widow #2)

Wu Zetian ist wieder da! Die alte Regierung ist zerschmettert und Qin Zheng aus seinem 200 Jahre dauernden Schlaf erwacht. Gemeinsam richten sie nun ihren Blick zum Himmel und den Göttern.

Nachdem Wu Zetian die alte Regierung mit dem Yellow Dragon zerschmettert hat, dabei jedoch Li Shimin an die Götter verlor, findet sie sich nun an der Seite Qin Zhengs als seine Kaiserin wieder. Sie beide führen eine Rebellion gegen die Überbleibsel der alten Weltordnung an, um eine neue, kommunistische Staatsordnung (mit einem Kaiserpaar an der Spitze) zu etablieren. Doch sie beide wissen, dass die Menschen erst dann wirklich frei sein können, wenn sie die Götter selbst stürzen.

Donnerstag, 21. September 2023

Rezension: He Who Drowned The World (The Radiant Emperor #2) von Shelley Parker-Chan

Was würdest du opfern, um dein Ziel zu erreichen? Unter diesem Motto steht der zweite Band der Radiant Emperor Duologie von Shelley Parker-Chan „He Who Drowned The World“.

Zhu hat sich zum Radiant King gekrönt und nennt sich nun Zhu Yuanzhang. Jetzt, da sie die Macht über die Red Turbans an sich gerissen hat, hat sie ihr Auge auf ihr Endziel gerichtet: den Kaiserthron, um ihn den mongolischen Besatzern zu entreißen. Doch sie ist nicht die einzige Partei im Rennen um den Thron. Sie setzt ihre Hoffnungen auf ihren einzigen Feind Ouyang, den sie in ein Bündnis zwingt, um so Macht über seine Armee zu erlangen. Mit dieser Streitmacht marschiert sie gen Dadu und ist bereit, alles dafür zu tun, um ihr Ziel zu erreichen. Wie viel sie dafür opfern muss, ist ihr allerdings nicht bewusst. Noch nicht.

Mittwoch, 6. September 2023

She Who Became The Sun (The Radiant Emperor #1) von Shelley Parker-Chan

Eventuell habe ich eine Schwäche für moralisch fragwürdige Charaktere, die vor nichts zurückschrecken, um ihr Ziel zu erreichen. Würze das ganze mit ein wenig gender fuckery und ich bin sowas von an Bord! Nach Iron Widow war es wohl abzusehen, dass ich She Who Became The Sun von Shelley Parker-Chan fast ebenso sehr lieben würde!

In einem abgelegenen Dorf in China um 1345 überlebt ein Mädchen in einer Hungersnot ihre gesamte Familie. Ihrem Bruder wurde Großartigkeit prophezeit, ihr jedoch Nichtigkeit. Als sie die letzte Überlebende ist, nimmt sie nicht nur den Namen ihres Bruders, Zhu Chongba, sondern auch seine Bestimmung zur Großartigkeit an. Damit beginnt ihr Weg von einem Mädchen ohne Bedeutung zur Begründerin der Ming Dynastie, die die Mongolen-Herrschaft der Yuan-Dynastie beenden soll.

Mittwoch, 10. Mai 2023

Queer Reading Month 2023

Den meisten ist wohl bewusst, dass gerade in Deutschland die Buchbranche noch immer ein großes Problem mit dem immer gleichen heteronormativen Einheitsbrei hat. Romanzen zwischen einem dyaallocishet Typen und seiner dyaallocishet Herzensdame verkaufen sich nach wie vor wie geschnitten Brot. Das weicht erst jetzt so langsam auf. Um Literatur von und über Queers aber so wirklich eine große Bühne zu bieten, fehlt es immer noch an Motivation, gerade in großen Verlagshäusern. Oftmals reicht es dann gerade noch dafür, eine Quotenfrau ins Rampenlicht zu stellen, weil Frauen müssen ja gefördert werden. Dabei verstecken sich gerade in queerer Literatur so einige Perlen, die viel mehr Aufmerksamkeit bieten.


Und genau das soll der Queer Reading Month bewirken!


June T. Michael und ich haben uns daher zusammengesetzt und diese Aktion ins Leben gerufen. Unter #QueerReadingMonth könnt ihr den ganzen Juni über auf allen Social Media Kanälen über die queere Literatur reden, die ihr gerade lest, die euch begeistert und die ihr unbedingt anderen empfehlen wollt. Tauscht euch fröhlich untereinander aus und hoffentlich findet ihr auch die eine oder andere Perle.


Falls ihr euch direkter mit anderen Teilnehmenden austauschen wollt, haben wir auch einen Discord-Server eingerichtet, den Invite findet ihr hier: https://discord.gg/KRfXZC4CCx


Was ist Literatur von und über Queers?

Alles, was ihr unter queer versteht! Queer ist ein Umbrella Begriff, der absichtlich schwammig gehalten ist, da Menschen komplex sind und sich selten exakt in Textbuchdefinitionen quetschen lassen. Wenn ihr der Meinung seid, dass ein Werk passt, dann wird es auch so sein.


Ein paar Leseanregungen von uns:

  • „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon (dey, keine Pronomen)
  • „Die Zukunft ist nichtbinär“ von Lydia Meyer (keine Pronomen)
  • „Plastikefeu hält sich gut“ von Tristan Lánstad (er/ihn)
  • „Exit gender“ von Lann Hornscheidt (ex) & Lio Oppenländer (ex)
  • „Felix Ever After“ von Kacen Callender (they/them)
  • „Ich bin Linus” von Linus Griese (er/ihn)
  • „She Who Became The Sun“ von Shelley Parker-Chan (she/they)
  • „Undoing Gender” von Judith Butler (she/they)
  • „Iron Widow” von Xiran Jay Zhao (they/them)
  • „Unter einem Banner” von Elea Brandt (sie/ihr)
  • „The Broken Earth Trilogy” von N.K. Jemisin (she/her)

Montag, 8. Mai 2023

Rezension: Plastikefeu hält sich gut von Tristan Lánstad

Bereits Anfang des Jahres hatte ich mit Tristan ein Interview zu seinem neuen Roman Plastikefeu hält sich gut geführt, und zugegeben, es hatte mich selbst neugierig gemacht. Außerdem passte der Roman thematisch wie die Faust aufs Auge zu meiner gegenwärtigen Recherche zur Repräsentation von trans Personen in Literatur. Win win! Und wer wäre ich, würde ich zu queeren BDSM-Szenen nein sagen *zwinki zwonki*

In der Corona-Pandemie stehen plötzlich Virolog*innen im Blickfeld der Öffentlichkeit, was auch allerlei negative Auswirkungen hat. Als der Virologe Marian fürchtet, dass es nicht mehr nur bei Drohbriefen bleibt, engagiert er den freiberuflichen Personenschützer Kay. Während die Bedrohungslage immer konreter wird, merkt Kay gleichzeitig, wie er sich mehr und mehr von Marian angezogen fühlt. Er versucht, die berufliche Distanz zu wahren, doch es wird immer schwerer.

Sonntag, 7. Mai 2023

Wir sind keine women lite! - Meine Gedanken zur Feminisitischen Buchwoche 2023

Die BücherFrauen rufen zur Feministischen Buchwoche vom 6. Bis 14. Mai 2023 auf. „Cool!“, denke ich. „Perfekte Gelegenheit, mal ein bisschen Aufmerksamkeit auf trans Literaturschaffende zu lenken.“

Falsch gedacht. Die Freude verpufft beinahe schon im ersten Satz des Posts der BücherFrauen. Darin wird die Aktion Frauen zählen referiert und auch sonst ist in dem Post ausschließlich die Rede von Autorinnen (nein, kein Gendersternchen). Und auch ein Blick auf die von den Organisatorinnen empfohlenen Bücher enthüllt eine ernüchternde Bilanz: Bei einer schnellen Recherche der Autorinnen habe ich genau eine trans Person, Felicia Ewert, gefunden, und das auch nur als Co-Autorin. Immerhin muss ich der Liste zugutehalten, dass sie einige PoC Personen beinhaltet. Dann hört es eigentlich auch schon auf.

Im Rahmen der Aktion gibt es mehrere Veranstaltungen, in denen es über Frauen in der Literatur und Literatur von Frauen geht sowie um Frauen im Genre. Frauen, Frauen, Frauen, Frauen. Durch die Bank weg alle cis.

Feminismus muss intersektional sein. Das heißt nicht nur, dass wir weißen auch mal Schwarzen die Bühne überlassen, weil wir ja gute Feminist*innen sein wollen /s Randnotiz: Intersektionaler Feminismus wurde von einer Schwarzen Frau, Kimberlé Crenshaw, ins Leben gerufen.

Rezension: Not Your Type (Love is Queer #1) von Alicia Zett

Was bin ich hier lesend? Ohne Umschweife: Ist das ein Totalausfall in Form von verschwendetem Papier und Druckerschwärze? Ja. Ja, ist es. Ich habe „Not Your Type“ vor allem aus Recherchegründen gelesen, weil Romance normalerweise nicht mein Genre ist. Trotzdem war ich neugierig, immerhin geht es hier um einen transmaskulinen Protagonisten. Wir sind schon unsichtbar genug im Diskurs. Eigentlich schön, Menschen wie mich hin und wieder doch in der Literatur repräsentiert zu sehen. Umso schmerzhafter war dieser Schlag ins Gesicht in Form von 367 Seiten voller Unsensibilität.

Marie ist in ihrem Kommilitonen Fynn verliebt, kriegt es aber nicht auf die Reihe, ihn mal anzusprechen. Das muss erst ihr Kumpel Joon für sie übernehmen, der einige Wochen später Fynn anschleppt, als Maries Freundesgruppe auf einen Roadtripp nach Italien aufbrechen will. Warum Fynn so plötzlich aus seinem Schneckenhaus kommt, ist nicht ganz klar, denn eigentlich soll niemand wissen, dass er trans ist. So einer wie er kann nicht geliebt werden, denkt er. Zum Glück ist das cis Mädchen zur Stelle, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen!

Freitag, 3. Februar 2023

Die Causa Gronkh und die erschreckende Absurdität all dessen

Gronkhs Aussage ist transfeindlich. Gronkhs Handlung ist transfeindlich, sollte er Hogwarts Legacy wirklich spielen, wie er es sagte. Die Einnahmen aus diesem Stream/Let‘s Play zu 100% zu spenden, ist nichts weiter als Ablasshandel auf dem Rücken marginalisierter Personen. Sowohl seine Aussage als auch seine Handlung sind ebenfalls antisemitisch im Kontext des Spiels. Ich werde an dieser Stelle nicht noch einmal ausführlich darauf eingehen, was die Problematik mit diesem Spiel und dem Franchise im Allgemeinen ist, das habe ich bereits vor fast einem Jahr getan. Und jetzt reden wir immer noch über dieselbe Leier. Uff.

Was ist passiert? Er hat im Stream gesagt, dass er Hogwarts Legacy spielen wird. Er hat ebenfalls gesagt, dass ihm Rowling egal sei, fügte aber im Nebensatz noch an, dass er sie ja auch nicht mögen würde. Dafür bekam er besonders aus Teilen seiner eigenen Community berechtigte Kritik, aber auch unheimlich vielen Zuspruch von nicht betroffenen Personen aus anderen Teilen seiner Community. Der Aufhänger der ganzen Sache waren wohl, Zitat, „Drohmails“, wie er es selbst in einem Tweet formulierte.

Wisst ihr, ich wünschte, Rowling wäre mir auch egal. Ich wünschte, sie würde in meinem Leben keine Rolle spielen. Leider will sie ebenjenes Leben auslöschen.

Sonntag, 11. September 2022

CSD Halle 2022: Ich bin mütend

Schönes Halle, du hast ein hässliches Naziproblem


© & Quelle: www.csdhalle2022.de

Gestern, am 10.9.22, zog die diesjährige Prideparade durch Halle/Saale. Zugegeben habe ich die Redebeiträge größtenteils nur am Rande mitbekommen, aber es ging wie so oft dieser Tage um freie sexuelle und geschlechtliche Entfaltung und die zunehmende Gefahr, der queere Menschen in Deutschland 2022 ausgesetzt sind. Der entsetzliche Mord an Malte C., der nachweislich aufgrund seines Transseins ermordet wurde, ist der bedauerliche Höhepunkt der eskalierenden Gewalt, und nur wenige Tage später wurde in Bremen in der Bahn eine trans Frau von Jugendlichen krankenhausreif geprügelt, in Dortmund und Ulm sowie Dresden kam es ebenfalls zu gewaltvollen Ausstreitungen gegen queere Demonstrierende und der Reclaim Pride in Berlin musste wegen zu hohem Sicherheitsrisiko verschoben werden. Anzunehmen, dass es ausgerechnet in Halle, die Stadt, die nachweislich ein Naziproblem hat, das den Namen Sven Liebich trägt (merkt ihn euch, der wird gleich noch wichtig), reibungslos verläuft, wäre illusorisch. Daher ist es umso wichtiger, immer und immer wieder laut diese Queerfeindlichkeit auszurufen und sich deutlich gegen sie zu positionieren.

Doch ich bin mütend, müde und wütend, denn es zehrt an den Kräften. Wir sind an einem Punkt in der Geschichte, in der der stochastische Terror von faschistischen TERFs wie Marie-Luise Vollbrecht dazu führt, dass Menschen wie ich auf offener Straße ermordet werden, einfach weil wir nicht cis sind. Und die Mehrheitsgesellschaft schert sich einen Dreck darum. Danke für nichts, dass ihr uns sterben lasst (hier beliebige deftige Flüche einfügen).

Der CSD Halle war trotz der erwartbaren unschönen Dinge ein Erlebnis für sich. Und das meine ich nicht im positiven Sinne.

Montag, 18. Juli 2022

Happy Nonbinary People Day (wenn auch verspätet), wir müssen über Exorsexismus sprechen

Die Nonbinary Flag mit den Farben (von oben nach unten) gelb, weiß, lila und schwarz

Allgemein

Lasst uns über Exorsexismus sprechen. Exorsexismus ist eine Form der Diskriminierung, die sich explizit gegen nicht-binäre, genderfluide, agender und inter-Personen oder ganz allgemein gegen alle Personen richtet, die andere Geschlechtsmerkmale als cis oder trans haben. Daher fällt Exorsexismus unter den Begriff der Queerfeindlichkeit. Exorsexismus ist der falsche Glaube, dass Menschen nur männlich oder weiblich sein können. Zur weiteren Veranschaulichung sei hier das LGBTA*-Wiki zitiert:

The name comes from the term XOR (Exclusive Or Operation) used in computer logic, which analyzes two input variables and only outputs ‘true’ when the inputs differ (one is true, the other is false). Under an exorsexist view, gender would be analyzed as follows:
- If Male=True and Female=True: not valid
- If Male=True and Female=False: valid
- If Male=False and Female=True: valid
- If Male=False and Female=False: not valid

Sex

Die Biologie weiß, dass das Geschlecht nicht binär ist. Es gibt mehrere Definitionen, und selbst wenn man nur die Gameten (Spermien und Eizellen) betrachtet, existieren Hermaphroditen, die beide Arten von Gameten produzieren. Es gibt auch Arten mit isogamen Gameten, d. h. Gameten, die in ihrer Größe nicht zu unterscheiden sind.

Auch das chromosomale Geschlecht ist nicht binär, das heißt, es gibt nicht nur die Kombinationen XX und XY. Beim Menschen ist unter anderem das SRY-Gen für die geschlechtliche Entwicklung verantwortlich und befindet sich normalerweise auf dem Y-Chromosom. In seltenen Fällen kann ein crossing over dazu führen, dass das Gen auf das X-Chromosom wandert. Dadurch erhält eine Person einen XX-Chromosomensatz (weiblicher Genotyp), aber einen männlichen Phänotyp. Das Swyer-Syndrom ist das Gegenteil, also ein männlicher Genotyp (XY), aber ein weiblicher Phänotyp.

Das Klinefelter-Syndrom ist eine Chromosomenanomalie, bei der ein zusätzliches X-Chromosom im männlichen Geschlecht vorhanden ist (XXY). Das Tripple-X-Syndrom ist eine Form der Trisomie bei Frauen, bei der das X-Chromosom in dreifacher Ausführung vorhanden ist (XXX).

Wenn ich das zusammenzähle, komme ich auf mindestens 6 Geschlechter:

  1. weiblicher Phänotyp und weiblicher Genotyp (XX)
  2. männlicher Phänotyp und männlicher Genotyp (XY)
  3. männlicher Phänotyp und weiblicher Genotyp (XX) (Crossing Over)
  4. weiblicher Phänotyp und männlicher Genotyp (XY) (Swyer-Snydrom)
  5. XXY-Chromosomensatz (Klinefelter-Syndrom)
  6. XXX-Chromosomensatz (Triple-X-Syndrom)

Und an diesem Punkt haben wir uns noch nicht einmal die Hormonspiegel angesehen. Das Thema ist also viel komplexer, als eine Fischbiologin es uns weismachen will.


Gender

Nun ist das Geschlecht keine biologische Kategorie, sondern eine gesellschaftliche und basiert nicht auf der Biologie. Simone de Beauvoir sagte (vereinfacht), dass man nicht als Frau geboren, sondern zu einer gemacht wird (Das andere Geschlecht, 1949). Judith Butler führt diesen Gedanken weiter und sagt, dass jeder Geschlechtsausdruck ein performativer Akt ist (Gender Trouble, 1990, und Undoing Gender, 2004).

Wir müssen verstehen, dass das Geschlecht zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte ein binäres Geschlecht war. Das Konzept von nur zwei Geschlechtern, männlich und weiblich, ist ein westliches, christliches Konzept, das anderen Kulturen durch Kolonisierung und Christianisierung aufgezwungen wurde. Man denke nur an die Two Spirit People der Native Americans, die polynesischen Mahus, die fa'afafines auf Samoa, die fakaleiti auf Tonga, die whakawahines der Maori und viele andere, selbst in der westlichen Antike. Eunuchen zum Beispiel wurden im alten Rom als eigenes Geschlecht gezählt.

Auch in der jüngeren Geschichte gibt es Beispiele, wie den Public Universal Friend (1752 - 1819), einen geschlechtslosen Evangelisten in den USA, oder Jens Anderson, der um 1760 in Norwegen geboren wurde. Als er eine Frau heiratete, stellte sich heraus, dass Jens einen weiblichen Körper hatte, und auf die Frage, ob Jens ein Mann oder eine Frau sei, antwortete Anderson: „Er denkt, er könnte beides sein.“

Einer der seltsamsten exorsexistischen Takes, den ich erhielt, war die einer Person, die mir sagte, dass dritte Geschlechter ein Phänomen seien, das nur in nicht-westlichen Kulturen vorkommt, mit der impliziten Anschuldigung der kulturellen Aneignung. Erstens: Die oben genannten Beispiele belegen, dass dies falsch ist. Zweitens: Der Glaube, dass nichtbinäre Geschlechter ein drittes Geschlecht sind, ist an sich schon exorsexistisch. Der Grund dafür ist ziemlich simpel: Es gibt weit mehr als nur drei Geschlechter.

Nonbinary ist ein Oberbegriff, der viele Formen von Geschlecht umfasst. Manchmal fällt es unter den Begriff genderqueer, manchmal wird es austauschbar mit gq verwendet. Intersexuelle Menschen können die Bezeichnung nonbinary verwenden und sich selbst als trans oder cis bezeichnen. Einige Geschlechter, die unter die Bezeichnung nb fallen können, sind

  • Agender
  • Androgyne
  • Bigender
  • Demigender
  • Genderfluid
  • Genderflux
  • Libragender
  • Maverique
  • Neutrois
  • Paragender
  • Xenogender

Nonbinary wird oft als „Menschen, die weder Mann noch Frau sind“ definiert, aber das ist nicht 100%ig korrekt. Es gibt viele nicht-binäre Menschen, die eine Art von Verbindung zu einem Ende des Geschlechtsspektrums oder zu beiden haben und nicht-binäre Männer oder Frauen oder Demigender sein können. Oder genderfluide Menschen, die nur zwischen Mann und Frau wechseln. Eine umfassendere und korrektere Definition ist daher zu sagen, dass nicht-binäre Menschen Menschen sind, die nicht nur Männer oder Frauen oder keines von beiden sind.


Abschließende Worte

Mein Geschlecht ist genauso real wie deines. Du musst es nicht verstehen, du musst nur akzeptieren, dass ich mich selbst besser kenne, als du es jemals können wirst. Einfach zu behaupten, dass nicht-binäre Geschlechter erfunden und unecht sind, ist exorsexistisch. Nicht-binäre Geschlechter in ein binäres System zu zwingen, indem man sie auf ein drittes Geschlecht reduziert, ist exorsexistisch. Eine Sprache, die sich nur auf Männer und Frauen konzentriert, ist exorsexistisch. Die Behauptung, dass nicht-binäre Menschen nur verwirrte Frauen oder Männer sind, ist Exorsexismus und ein TERF-Dogwhistle.

Dienstag, 19. April 2022

Rezension: What's the T? von Juno Dawson

What‘s the T? von Juno Dawson will Jugendliche über das Thema trans aufklären. Die Autorin selbst ist trans, und das Buch wird als „Your non-nonsense guide to all things trans and/or non-binary“ angepriesen. Klingt doch schon einmal gut, dachte ich mir. Ein Buch aus der Community für die Community und gleich zu Beginn wird sogar darauf geachtet dass nb-Identitäten zwar unter den trans-Umbrella fallen können, aber nicht müssen. Also beschloss ich, mir das Buch einmal näher anzusehen.

„What‘s the t?“, ist ein Slang, der vor allem unter queeren Leuten gebraucht wird und so viel bedeutete „What‘s up?“, also „Was gibt es zu erzählen?“ In diesem Falle bezieht sich das T natürlich auch auf das T in LGBTQIA+, denn darum soll es in diesem Buch gehen.

Donnerstag, 31. März 2022

Ein Wort zum Trans Day of Visibility

Hallo, ich bin Robin, nicht cis und habe zum heutigen Trans Day Of Visibility einige Worte zu sagen. Da gibt es nämlich ein paar Dinge, die ich mir von Herzen wünsche.

Erstens und ganz wichtig: Euer Feminismus ist scheiße, wenn er trans ausschließt.

Zweitens: Ich wünsche mir, solche Beiträge posten zu können, ohne sofort eine Herde Terfs an der Backe zu haben. Ich meine, schaut euch mal meine Reichweite an. Die ist nicht groß. Jeder andere Post von mir geht nicht über diese winzig kleine Bubble hinaus, in der ich sitze. Aber sobald ich es mal wage, Cissen (und in diesem Falle wähle ich das bewusst, wenn du dich angesprochen fühlst, dann bist du es wahrscheinlich auch) zu kritisieren oder gar, Schreck lass nach, den Potterheads ihr olles Spiel madig zu reden, kommen diese Arschlöcher aus ihren Löchern gekrochen, und ich stehe dann allein da und muss mich ihrer erwehren.

Drittens, und das geht mit Zweitens Hand in Hand: Ich wünsche mir mehr Unterstützung von allies. Viel mehr. Bisher sehe ich kaum jemanden von den cis Leuten, die mehr tun als nur danebenzustehen, zu applaudieren und den ganzen genderqueeren Leuten zu sagen, wie toll und tapfer sie sind. Wow. Hohle Worte. Ich will Taten sehen. Ich will sehen, wie ihr euch für die Rechte genderqueerer Leute einsetzt. Ich will von euch nicht validiert werden, denn ich bin valide, auch ganz ohne den Zuspruch einer cis Person. Ich will von euch nicht allein gelassen werden.

Sonntag, 20. März 2022

Lasst das Harry Potter Franchise sterben

Progress Pride Flag, die Regenbogenflagge mit den Farben für die trans und BIPoC Community
Kein LGB ohne das T

Ich bin wütend, und ich will das auch gar nicht schönreden oder runterspielen. Erst hatte ich überlegt, das einfach als einen Twitterthread zu schreiben, aber es ist einfach so viel, das es dazu zu sagen gibt, und dann versumpft das doch eh nur wieder nach einem Tag in den Untiefen von Twitter. Denn was gerade wieder mit genderqueeren Menschen gemacht wird, ist ungeheuerlich, und das muss angesprochen werden. Es wird die, um die es sich hier handelt, nicht erreichen, sie werden nicht einlenken. Aber schweigen kann auch nicht die Lösung sein.

Sie, die nicht genannt werden soll, soll nun doch einmal auf diesem Blog thematisiert werden, denn mit dem kommenden Release von Hogwarts: Legacy wurde Social Media einmal mehr zu einem Minenfeld für genderqueere Leute und sie hat leider wieder einmal den Mund geöffnet. Ich will gar nicht im Detail wiedergeben, was genau sie sagte, weil es einfach immer wieder auf‘s Neue abscheulich ist, aber ich bin stark für eine „Rowling, shut the fuck up“-Challenge. Ich bin dafür, dass wir dieses Franchise kollektiv sterben lassen und ihm keinerlei Reichweite mehr geben. Erst dann nehmen wir einer der einflussreichsten TERFs der Gegenwart ihre Waffe, mit der sie trans Personen dämonisiert.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Rezension: Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko

Kämpferisch und feministisch präsentiert sich Nora Bendzkos neuer Roman »Die Götter müssen sterben«. Ihre Amazonen sind los und machen die griechische Welt unsicher.

»Wird sie die Amazonen retten – oder in den Untergang führen?

Düster, dramatisch und atemraubend actionreich: Dark Fantasy aus der Welt der Amazonen


Die Zeit der Unterdrückung ist vorbei!

Troja wird fallen, und die Amazonen werden sich endlich an den Helden rächen, die ihresgleichen töteten. So besagt es eine Prophezeiung von Artemis, der Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt, sollen die Amazonen die Welt beherrschen.

Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto mit ihren Kräften, die keine Kriegerin ist und auch sonst kein hohes Ansehen genießt. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein und ihre Schwestern in eine neue Welt führen?

Während Areto lernen muss, mit ihrem Schicksal umzugehen, spaltet ihre Erwählung die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte. Denn der wahre Feind lässt sich nur mit vereinten Kräften töten. Um das Leid der Amazonen zu enden und sie zur Macht zur führen, müssen nicht nur Helden sterben, sondern auch Götter.«

(Quelle: Goodreads)