Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Podcast

Ich bin zusammen mit einer Freundin unter die Podcaster gegangen. Wir quatschen rund um SFF und unsere wolligen Projekte. Zum Podcast geht es hier entlang!

Sonntag, 11. September 2022

CSD Halle 2022: Ich bin mütend

Schönes Halle, du hast ein hässliches Naziproblem


© & Quelle: www.csdhalle2022.de

Gestern, am 10.9.22, zog die diesjährige Prideparade durch Halle/Saale. Zugegeben habe ich die Redebeiträge größtenteils nur am Rande mitbekommen, aber es ging wie so oft dieser Tage um freie sexuelle und geschlechtliche Entfaltung und die zunehmende Gefahr, der queere Menschen in Deutschland 2022 ausgesetzt sind. Der entsetzliche Mordan Malte C., der nachweislich aufgrund seines Transseins ermordet wurde, ist der bedauerliche Höhepunkt der eskalierenden Gewalt, und nur wenige Tage später wurde in Bremen in der Bahn eine trans Frau von Jugendlichen krankenhausreif geprügelt, in Dortmund und Ulm sowie Dresden kam es ebenfalls zu gewaltvollen Ausstreitungen gegen queere Demonstrierende und der Reclaim Pride in Berlin musste wegen zu hohem Sicherheitsrisiko verschoben werden. Anzunehmen, dass es ausgerechnet in Halle, die Stadt, die nachweislich ein Naziproblem hat, das den Namen Sven Liebich trägt (merkt ihn euch, der wird gleich noch wichtig), reibungslos verläuft, wäre illusorisch. Daher ist es umso wichtiger, immer und immer wieder laut diese Queerfeindlichkeit auszurufen und sich deutlich gegen sie zu positionieren.

Doch ich bin mütend, müde und wütend, denn es zehrt an den Kräften. Wir sind an einem Punkt in der Geschichte, in der der stochastische Terror von faschistischen TERFs wie Marie-Luise Vollbrecht dazu führt, dass Menschen wie ich auf offener Straße ermordet werden, einfach weil wir nicht cis sind. Und die Mehrheitsgesellschaft schert sich einen Dreck darum. Danke für nichts, dass ihr uns sterben lasst (hier beliebige deftige Flüche einfügen).

Der CSD Halle war trotz der erwartbaren unschönen Dinge ein Erlebnis für sich. Und das meine ich nicht im positiven Sinne.

Es fing an, als der Demozug noch gar nicht startete. Eine teilnehmende Person rief »Nazi!« und schon fuhr der Liebich mit seinem Auto beinahe eine Gruppe Teilnehmende um. Mitten auf dem Mark. 

Zum Kontext: Sven Liebich ist ungelogen seit der Wende dafür stadtbekannt, mit seinem Auto und seinem Lautsprecher auf dem Markt zu stehen und vom Dach des Autos herab rechte Parolen und Hasstiraden zu verbreiten. Er selbst ist strammer Nazi und die vielleicht zehn Leute, die seine Gefolgsgleute sind, sind bekanntermaßen gewaltbereit.

Der diesjährige CSD startete vom Markt aus, dementsprechend voll war der Platz mit Menschen. Und der Nazi fuhr mitten hinein in die Menge. Auf den Ruf »Nazi!« hin bildete sich sogleich eine Front gegen ihn und alle wandten ihm den Rücken zu. Er hätte dennoch beinahe einige Menschen umgefahren. Eine Dame von der Polizei kam (eine!), beugte sich zum Fenster hinab und sagte ihm, das ginge nicht, das hier sei eine Demo. Und das war‘s. Wenn noch mehr folgte, habe ich es nicht mitbekommen, denn dann zog die Demo auch schon los.

Als die Demo jedoch am Ende wieder am Markt ankam, stand er noch immer am selben Fleck mitten auf der Demo und plärrte seine Hetze. Also wurde von den beiden Wagen und der Bühne aus die Musik lauter gedreht, um ihn zu übertönen, und Sprechchöre fingen an »Nazis raus« zu rufen.

Redefreiheit schön und gut, ein wichtiges Gut in Deutschland. Aber Demo und Gegendemo müssen räumlich getrennt sein. Es darf nicht erlaubt sein, bekanntlich gewaltbereite Nazis mitten unter Demoteilnehmenden frei laufen zu lassen, gerade auf einer queeren Demo, wo so gut wie jede Person von rechter Gewalt exponentiell mehr bedroht ist.

Es kam, was kommen musste, und es gibt Berichte von gewaltvollen Übergriffen auf Demoteilnehmende. Wie es auf Twitter heißt, wurden jedoch nicht die Nazis abgeführt und endlich von der Demo entfernt. Nein, die Polizisten standen entweder seelenruhig daneben und taten nichts oder führten die Angegriffenen ab und wandten sich gegen die Sprechchöre.

Zugegebenen, spätestens nach dem Attentat Oktober 2019 kennt man es ja nicht anders von der Polizei Halle. /zynisch

Völlig absurde Szenen also, zumal auch beobachtet wurde, wie Beamte ihre Kennnummern abdeckten, um nicht identifiziert werden zu können. Meines Wissens nach nicht zulässig. Ist zu erwarten, dass es zu Disziplinarverfahren und einem Aufarbeiten des polizeilichen Versagens kommt? Wohl kaum.

Halle hat ein gewaltiges Problem mit der rechten Szene. Halle hat aber auch ein gewaltiges TERF-Problem, gerade in der linken, angeblich progressiven Ecke. Ich konnte mir den einen oder anderen spitzen Kommentar gegen die Linken-Fraktion Halle nicht verkneifen, denn die inszenierten sich als ach so queer-freundlich und inklusiv, wenn sie es nachweislich nicht sind.

Zum Hintergrund: Im Mai diesen Jahres lud die Dornrosa, ein Frauenverein, unter der Leitung der Gruppe Artemis Naida Pintul, eine bekannte TERF, ein, die diesen Ort natürlich nutzte, um ihre Transfeindlichkeit zu verbreiten. Soweit ich weiß, ist bis heute nicht bekannt, wer daraufhin in der Nacht auf den 11. Mai die Dornrosa und auch den Linken Laden mit Farbbomben bewarf und »TERFs boxen« an die Wände schrieb, der Zusammenhang zu der TERF liegt jedoch nahe. Eine in meinen Augen absolut berechtigte Aktion, die die TERFs der Stadt aber natürlich nutzten, um sich als Opfer hinzustellen, so auch die Linken.

Als ich die Linken daraufhin ansprach, kam übrigens keine Antwort. Ich lass das mal so stehen.

Parteien haben auf einem CSD nichts zu suchen, und diesen scheinheiligen Hohn können die sich erst recht sonstwohin schieben. Ich erwähnte, dass ich wütend bin, ja?

Es gibt eine Gruppe von als Links getarnter Rechten in Halle, die mich und viele andere trans Personen wiederholt angehen und einfach offen transfeindlich in Linken Räumen sind. Da heißt es dann von denen, wir seien so links, dass wir rechts wieder raus kommen. Es ist jetzt also rechts, für das Recht auf Leben zu kämpfen? Was wir trans Leute wollen, ist nichts weiter, als in Ruhe unser Leben führen zu dürfen, über unseren eigenen Körper bestimmen zu dürfen und bitte doch auch endlich einmal dieselben Rechte wie cis Personen haben zu dürfen. Denn wir haben noch immer weniger Rechte als cis Personen. Wenn das schon rechts sein soll, na dann Hallelujah.

Diese Leute sind TERFs, Faschisten, die sich in Linken Kreisen bewegen und von Linken auch noch bejubelt werden, weil sie angeblich für Frauenrechte kämpfen würden. Das einzige, wofür diese Leute kämpfen, ist die Aufrechterhaltung des Patriarchats. Aber das wollen Linke nicht sehen, weil sie sich dann ihrer eigenen Transfeindlichkeit stellen müssten. Lieber stellen sie dann trans Leute an den Pranger, wenn die mal ihrem Unmut freien Lauf lassen.

Ich bin nicht nur wütend, ich bin auch müde. Ich bin es müde, für Grundrechte kämpfen zu müssen. Ich bin es müde, dabei immer lächeln zu müssen, denn sonst werde ich sexualisiert, dämonisiert und im schlimmsten Falle noch ermordet. Das ist Deutschland 2022.

Vermutlich aus derselben Ecke machten eine Reihe von Flyern auf der Demo die Runde und eine Gruppe hielt ein SWERF-Banner hoch. Die Orga untersagte das Banner und die Flyer, konnten sie aber nicht unterbinden. Immerhin das Banner wurde von anderen Demoteilnehmenden aber überdeckt.

Ich will den Inhalt der Flyer nicht allzu ausführlich im Detail wiedergeben und nur auf ein paar herausstechende Punkte eingehen. Aber es war schon sehr dreist von den Leuten, auf eine Gruppe von Demoteilnehmenden mit trans Flaggen zuzugehen (die sie teilweise auch kannten und wussten, dass sie trans sind) und denen so einen Müll in die Hand zu drücken. Aber nun gut, denen war es nicht einmal peinlich, weinerlich zu jammern, das offizielle CSD-Plakat hätte keine Lesbenflagge gezeigt. Da wurde ganz geschickt mit »Lesbenfeindlichkeit« in der Linken Szene Halle geredet und durch die Blume hinweg mit allerhand Dogwhistles argumentiert. Auf diese Weise rekrutieren sie Unwissende für ihren Kult, denn Lesbenfeindlichkeit, das ist schon nicht schön, oder? Oder?!

Nicht, wenn es dann heißt, Lesben hätten eine Gentialpräferenz (ihr sprecht nicht für alle Lesben! Es gibt genug, die sich vehement gegen so etwas stellen), wären jetzt aber »gezwungen«, mit »Männern« (thanks, trans Frauen sind immer noch Frauen) zu schlafen. Reicht es denen nicht, einfach zu sagen: »Sorry, steh nicht auf dich« und dann einen Punkt zu machen? Offenbar nicht. Nein, es muss immer mit Transfeindlichkeit gewürzt werden. Es wurde mit Bioessenzialismus argumentiert und Mann- und Frausein an Gentialien festgemacht. Weiter heißt es in diesem Wisch: »Lesbische Frauen werden in der queeren Community zur Inkludierung männlicher Genitalien manipuliert und dazu gebracht ihre Schutzräume aufzugeben.«

Puh, sorry to break it to you, but that‘s bullshit. Einfach nur kompletter Bullshit, Opferinszenierung und schlichtweg erlogen. Da wird hier von »manipuliert« gesprochen, ein klar negatives Wording. Das ist gaslighting, denn niemand manipuliert hier irgendwen. Das erfundene Szenario passiert so einfach nicht. Ich bin mir recht sicher, dass die wenigsten Leute mit einer Person schlafen wollen, die die eigene Identität nicht anerkennt. So gesehen ist es doch win win für diese Lesben, die hier »manipuliert« werden, denn eine trans Frau wird mit ihnen wohl eher nicht schlafen wollen. Aber das ist ja angeblich »Konversionstherapie in woke«. Stellt euch mein hohnvolles Lachen vor, als ich das las. Holy shit.

»[G]enerel sollte es jedoch Frauen nicht verwehrt sein, ihre Sexualität auf biologische Frauen zu begrenzen – m also lesbisch zu sein.« Sämtliche TERF-Alarmglocken schrillen hier, eine gewisse Fischbiologin klatscht Beifall. Wer spätestens hier immer noch zustimmend nickt und nicht versteht, was hier geschieht, darf sich gern in die Ecke zu all den Faschisten stellen. Das Label lesbisch wird hier an Genitalien geknüpft. Jetzt frage ich einmal in die Runde: Wer von euch guckt einem potenziellen Partner vorher in die Hose, bevor ihr entscheidet, ob ihr die Person daten wollt?

TERFs sind besessen von trans Genitalien und es ist im höchsten Masse grenzüberschreitend und missbräuchlich.

Und da habe ich noch gar nicht mit der Enbyfendlichkeit begonnen, die in diesem Flyer steckt. »Nun solle [der Queerfeminismus] auch noch Nonbinäre und jene inkludieren, die sich schlichtweg mit Weiblichkeit identifizieren.« Ging es nicht noch ein bisschen abfälliger? Kommt schon, da wurde mir schon von anderer Stelle noch deutlicher meine Identität abgesprochen, ihr könnt das besser. /Sarkasmus

Geschlecht an Genitalien zu knüpfen, ist transfeindlich und exorsexistisch, da es nichtbinäre Identitäten vollkommen exkludiert. Zudem erfahren gerade enby Personen wie ich immer wieder Queerfeindlichkeit auch von an deren Queers, weil wir ja gar nicht dazugehören würden. Eben genau das, was der soeben zitierte Satz aussagt. Da steht nichts anderes als: »Ihr gehört gar nicht zu uns, ihr tut nur so und cosplayed queer für woke Punkte, seid aber einfach nur straight.«

Hier, seht meinen formschönen Mittelfinger in eurem Gesicht.

Abgesehen davon hatte ich einen schönen Tag auf dem CSD mit meinen Freunden.

P.S.: Kudos an die Person, die Händel eine Regenbogenbrille aufsetzte.

BiBesch: Regenbogenflagge mit der corner für die BIPoc (brauner und schwarzer Streifen) und trans (weiß-pink-hellblau) Pride
BiBesch: Regenbogenflagge mit der corner für die BIPoc (brauner und schwarzer Streifen) und trans (weiß-pink-hellblau) Pride

 

Montag, 18. Juli 2022

Happy Nonbinary People Day (wenn auch verspätet), wir müssen über Exorsexismus sprechen

Die Nonbinary Flag mit den Farben (von oben nach unten) gelb, weiß, lila und schwarz

Allgemein

Lasst uns über Exorsexismus sprechen. Exorsexismus ist eine Form der Diskriminierung, die sich explizit gegen nicht-binäre, genderfluide, agender und inter-Personen oder ganz allgemein gegen alle Personen richtet, die andere Geschlechtsmerkmale als cis oder trans haben. Daher fällt Exorsexismus unter den Begriff der Queerfeindlichkeit. Exorsexismus ist der falsche Glaube, dass Menschen nur männlich oder weiblich sein können. Zur weiteren Veranschaulichung sei hier das LGBTA*-Wiki zitiert:

The name comes from the term XOR (Exclusive Or Operation) used in computer logic, which analyzes two input variables and only outputs ‘true’ when the inputs differ (one is true, the other is false). Under an exorsexist view, gender would be analyzed as follows:
- If Male=True and Female=True: not valid
- If Male=True and Female=False: valid
- If Male=False and Female=True: valid
- If Male=False and Female=False: not valid

Sex

Die Biologie weiß, dass das Geschlecht nicht binär ist. Es gibt mehrere Definitionen, und selbst wenn man nur die Gameten (Spermien und Eizellen) betrachtet, existieren Hermaphroditen, die beide Arten von Gameten produzieren. Es gibt auch Arten mit isogamen Gameten, d. h. Gameten, die in ihrer Größe nicht zu unterscheiden sind.

Auch das chromosomale Geschlecht ist nicht binär, das heißt, es gibt nicht nur die Kombinationen XX und XY. Beim Menschen ist unter anderem das SRY-Gen für die geschlechtliche Entwicklung verantwortlich und befindet sich normalerweise auf dem Y-Chromosom. In seltenen Fällen kann ein crossing over dazu führen, dass das Gen auf das X-Chromosom wandert. Dadurch erhält eine Person einen XX-Chromosomensatz (weiblicher Genotyp), aber einen männlichen Phänotyp. Das Swyer-Syndrom ist das Gegenteil, also ein männlicher Genotyp (XY), aber ein weiblicher Phänotyp.

Das Klinefelter-Syndrom ist eine Chromosomenanomalie, bei der ein zusätzliches X-Chromosom im männlichen Geschlecht vorhanden ist (XXY). Das Tripple-X-Syndrom ist eine Form der Trisomie bei Frauen, bei der das X-Chromosom in dreifacher Ausführung vorhanden ist (XXX).

Wenn ich das zusammenzähle, komme ich auf mindestens 6 Geschlechter:

  1. weiblicher Phänotyp und weiblicher Genotyp (XX)
  2. männlicher Phänotyp und männlicher Genotyp (XY)
  3. männlicher Phänotyp und weiblicher Genotyp (XX) (Crossing Over)
  4. weiblicher Phänotyp und männlicher Genotyp (XY) (Swyer-Snydrom)
  5. XXY-Chromosomensatz (Klinefelter-Syndrom)
  6. XXX-Chromosomensatz (Triple-X-Syndrom)

Und an diesem Punkt haben wir uns noch nicht einmal die Hormonspiegel angesehen. Das Thema ist also viel komplexer, als eine Fischbiologin es uns weismachen will.


Gender

Nun ist das Geschlecht keine biologische Kategorie, sondern eine gesellschaftliche und basiert nicht auf der Biologie. Simone de Beauvoir sagte (vereinfacht), dass man nicht als Frau geboren, sondern zu einer gemacht wird (Das andere Geschlecht, 1949). Judith Butler führt diesen Gedanken weiter und sagt, dass jeder Geschlechtsausdruck ein performativer Akt ist (Gender Trouble, 1990, und Undoing Gender, 2004).

Wir müssen verstehen, dass das Geschlecht zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte ein binäres Geschlecht war. Das Konzept von nur zwei Geschlechtern, männlich und weiblich, ist ein westliches, christliches Konzept, das anderen Kulturen durch Kolonisierung und Christianisierung aufgezwungen wurde. Man denke nur an die Two Spirit People der Native Americans, die polynesischen Mahus, die fa'afafines auf Samoa, die fakaleiti auf Tonga, die whakawahines der Maori und viele andere, selbst in der westlichen Antike. Eunuchen zum Beispiel wurden im alten Rom als eigenes Geschlecht gezählt.

Auch in der jüngeren Geschichte gibt es Beispiele, wie den Public Universal Friend (1752 - 1819), einen geschlechtslosen Evangelisten in den USA, oder Jens Anderson, der um 1760 in Norwegen geboren wurde. Als er eine Frau heiratete, stellte sich heraus, dass Jens einen weiblichen Körper hatte, und auf die Frage, ob Jens ein Mann oder eine Frau sei, antwortete Anderson: „Er denkt, er könnte beides sein.“

Einer der seltsamsten exorsexistischen Takes, den ich erhielt, war die einer Person, die mir sagte, dass dritte Geschlechter ein Phänomen seien, das nur in nicht-westlichen Kulturen vorkommt, mit der impliziten Anschuldigung der kulturellen Aneignung. Erstens: Die oben genannten Beispiele belegen, dass dies falsch ist. Zweitens: Der Glaube, dass nichtbinäre Geschlechter ein drittes Geschlecht sind, ist an sich schon exorsexistisch. Der Grund dafür ist ziemlich simpel: Es gibt weit mehr als nur drei Geschlechter.

Nonbinary ist ein Oberbegriff, der viele Formen von Geschlecht umfasst. Manchmal fällt es unter den Begriff genderqueer, manchmal wird es austauschbar mit gq verwendet. Intersexuelle Menschen können die Bezeichnung nonbinary verwenden und sich selbst als trans oder cis bezeichnen. Einige Geschlechter, die unter die Bezeichnung nb fallen können, sind

  • Agender
  • Androgyne
  • Bigender
  • Demigender
  • Genderfluid
  • Genderflux
  • Libragender
  • Maverique
  • Neutrois
  • Paragender
  • Xenogender

Nonbinary wird oft als „Menschen, die weder Mann noch Frau sind“ definiert, aber das ist nicht 100%ig korrekt. Es gibt viele nicht-binäre Menschen, die eine Art von Verbindung zu einem Ende des Geschlechtsspektrums oder zu beiden haben und nicht-binäre Männer oder Frauen oder Demigender sein können. Oder genderfluide Menschen, die nur zwischen Mann und Frau wechseln. Eine umfassendere und korrektere Definition ist daher zu sagen, dass nicht-binäre Menschen Menschen sind, die nicht nur Männer oder Frauen oder keines von beiden sind.


Abschließende Worte

Mein Geschlecht ist genauso real wie deines. Du musst es nicht verstehen, du musst nur akzeptieren, dass ich mich selbst besser kenne, als du es jemals können wirst. Einfach zu behaupten, dass nicht-binäre Geschlechter erfunden und unecht sind, ist exorsexistisch. Nicht-binäre Geschlechter in ein binäres System zu zwingen, indem man sie auf ein drittes Geschlecht reduziert, ist exorsexistisch. Eine Sprache, die sich nur auf Männer und Frauen konzentriert, ist exorsexistisch. Die Behauptung, dass nicht-binäre Menschen nur verwirrte Frauen oder Männer sind, ist Exorsexismus und ein TERF-Dogwhistle.

Dienstag, 19. April 2022

Rezension: What's the T? von Juno Dawson

What‘s the T? von Juno Dawson will Jugendliche über das Thema trans aufklären. Die Autorin selbst ist trans, und das Buch wird als „Your non-nonsense guide to all things trans and/or non-binary“ angepriesen. Klingt doch schon einmal gut, dachte ich mir. Ein Buch aus der Community für die Community und gleich zu Beginn wird sogar darauf geachtet dass nb-Identitäten zwar unter den trans-Umbrella fallen können, aber nicht müssen. Also beschloss ich, mir das Buch einmal näher anzusehen.

„What‘s the t?“, ist ein Slang, der vor allem unter queeren Leuten gebraucht wird und so viel bedeutete „What‘s up?“, also „Was gibt es zu erzählen?“ In diesem Falle bezieht sich das T natürlich auch auf das T in LGBTQIA+, denn darum soll es in diesem Buch gehen.

Samstag, 2. April 2022

Rezension: Wings of Fire #1-10 von Tui T. Sutherland

Die Pandemie hat es mir schwer gemacht, überhaupt noch etwas zu lesen. Bei längeren Texten am Ball zu bleiben, ist anstrengend geworden, auch nur der Story zu folgen, ist eine Herausforderung. Etwas leichtes musste her, etwas leicht verträgliches, das sich fix weglesen lässt. Etwas, wie die Wings of Fire Reihe von Tui T. Sutherland, einer der Autorinnen des Warrior Cats Kollektivs. Und weil ich tatsächlich die ersten zehn Bände fast hintereinander weg gelesen habe, bevor ich dazu kam, meine Rezension zu schreiben, stelle ich hier gleich alle mit einem Mal vor.

Die Welt von Pyrrhia ist dominiert von Drachen, die in Clans leben, jeder in seiner eigenen Ecke des Kontinents mit seiner eigenen Königin. Menschen sind für viele Drachen nur ein Nachmittagssnack. Üblicherweise bleiben die Clans untereinander, doch ein Erbschaftskrieg unter den SandWings wächst sich zu einem Konflikt aus, der den ganzen Kontinent umspannt. Die drei SandWing-Prinzessinnen bekriegen sich gegenseitig um den Thron ihrer getöteten Mutter und ziehen all die anderen Clans mit hinein. Eine Prophezeiung soll den Krieg nach 20 Jahren beenden, und diese Prophezeiung spricht von fünf Dragonets, den Helden der ersten fünf Bände.

Donnerstag, 31. März 2022

Ein Wort zum Trans Day of Visibility

Hallo, ich bin Robin, nicht cis und habe zum heutigen Trans Day Of Visibility einige Worte zu sagen. Da gibt es nämlich ein paar Dinge, die ich mir von Herzen wünsche.

Erstens und ganz wichtig: Euer Feminismus ist scheiße, wenn er trans ausschließt.

Zweitens: Ich wünsche mir, solche Beiträge posten zu können, ohne sofort eine Herde Terfs an der Backe zu haben. Ich meine, schaut euch mal meine Reichweite an. Die ist nicht groß. Jeder andere Post von mir geht nicht über diese winzig kleine Bubble hinaus, in der ich sitze. Aber sobald ich es mal wage, Cissen (und in diesem Falle wähle ich das bewusst, wenn du dich angesprochen fühlst, dann bist du es wahrscheinlich auch) zu kritisieren oder gar, Schreck lass nach, den Potterheads ihr olles Spiel madig zu reden, kommen diese Arschlöcher aus ihren Löchern gekrochen, und ich stehe dann allein da und muss mich ihrer erwehren.

Drittens, und das geht mit Zweitens Hand in Hand: Ich wünsche mir mehr Unterstützung von allies. Viel mehr. Bisher sehe ich kaum jemanden von den cis Leuten, die mehr tun als nur danebenzustehen, zu applaudieren und den ganzen genderqueeren Leuten zu sagen, wie toll und tapfer sie sind. Wow. Hohle Worte. Ich will Taten sehen. Ich will sehen, wie ihr euch für die Rechte genderqueerer Leute einsetzt. Ich will von euch nicht validiert werden, denn ich bin valide, auch ganz ohne den Zuspruch einer cis Person. Ich will von euch nicht allein gelassen werden.

Sonntag, 20. März 2022

Lasst das Harry Potter Franchise sterben

Progress Pride Flag, die Regenbogenflagge mit den Farben für die trans und BIPoC Community
Kein LGB ohne das T

Ich bin wütend, und ich will das auch gar nicht schönreden oder runterspielen. Erst hatte ich überlegt, das einfach als einen Twitterthread zu schreiben, aber es ist einfach so viel, das es dazu zu sagen gibt, und dann versumpft das doch eh nur wieder nach einem Tag in den Untiefen von Twitter. Denn was gerade wieder mit genderqueeren Menschen gemacht wird, ist ungeheuerlich, und das muss angesprochen werden. Es wird die, um die es sich hier handelt, nicht erreichen, sie werden nicht einlenken. Aber schweigen kann auch nicht die Lösung sein.

Sie, die nicht genannt werden soll, soll nun doch einmal auf diesem Blog thematisiert werden, denn mit dem kommenden Release von Hogwarts: Legacy wurde Social Media einmal mehr zu einem Minenfeld für genderqueere Leute und sie hat leider wieder einmal den Mund geöffnet. Ich will gar nicht im Detail wiedergeben, was genau sie sagte, weil es einfach immer wieder auf‘s Neue abscheulich ist, aber ich bin stark für eine „Rowling, shut the fuck up“-Challenge. Ich bin dafür, dass wir dieses Franchise kollektiv sterben lassen und ihm keinerlei Reichweite mehr geben. Erst dann nehmen wir einer der einflussreichsten TERFs der Gegenwart ihre Waffe, mit der sie trans Personen dämonisiert.

Dienstag, 10. August 2021

Hört auf, ableistische Sprache zu verwenden

CN ableistische Sprache für den ganzen Beitrag

Und vor allem ist weitaus mehr ableistisch, als den meisten überhaupt bewusst ist. Zum Jahr 2020 hin nahm ich mir den Vorsatz, ableistische Sprache zu benennen, sobald ich sie sehe, und habe es auch erstaunlicherweise seitdem relativ gut durchgezogen. Manche reagieren daraufhin mit Einverständnis und bedanken sich, dass ich sie darauf hinwies, die meisten reagieren jedoch mit Ablehnung und die ganz besonderen Spaßvögel machen natürlich fröhlich weiter. An diese Leute werde zumindest ich auch niemals herankommen, weil mir das zu viel Arbeit ist, mich mit denen weiter auseinanderzusetzen, aber ich lebe in der Hoffnung, dass immer irgendwer mitliest und anfängt umzudenken. Und hinter jeder Person, die den Mund aufmacht, stehen Dutzende, die sich das aus verschiedensten Gründen nicht getraut haben, die sich dadurch vielleicht aber bestärkt fühlen.

Üblicherweise benenne ich Ableismus in einer Form von »Ich gebe dir prinzipiell Recht in deinem Argument, aber du verwendest an dieser Stelle ableistische Sprache« oder einfach »Dies ist ableistische Sprache«. Es ist verständlich, dass die meisten daraufhin erst einmal mit Ablehnung reagieren, weil der überwiegende Teil hört, ich hätte gesagt: »Du bist ableistisch.« Was, wenn man sich das mal genauer ansieht, gar nicht der Fall ist. Denn die meisten von uns haben Ableismus, Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und andere Ismen verinnerlicht, ohne sich dem bewusst zu sein. Ich glaube den allermeisten, dass sie nichts Böses wollen, wenn sie ableistische Sprache reproduzieren. Umso wichtiger ist es, sich den verinnerlichen Ismen bewusst zu werden und aktiv umzulernen. Die Betonung liegt auf lernen, denn es ist ein Lernprozess, der nicht von heute auf Morgen passiert. Es werden immer wieder Fehler passieren, auch mir, und keiner ist perfekt. Das wichtige ist, aber am Ball zu bleiben und weiterhin lernwillig zu sein.

Die folgende Liste hat weder eine bestimmte Ordnung noch einen Anspruch auf Vollständigkeit und ich werde sie mit Sicherheit auch immer mal wieder ergänzen, wenn ich doch noch etwas finde, das mir durch die Finger ging. Für einige Begriffe gibt es angemessene Substitute, andere wiederum sollte eins einfach grundsätzlich nicht verwenden. Im Allgemeinen gilt: Beleidigungen sind per se ein wunderbares Sprachfeld, so lange sie nicht zu Lasten anderer Bevölkerungsgruppen gehen. Werdet kreativ und nennt den nächsten Leerdenker und Maskenverweigerer (an dieser Stelle wählte ich bewusst das Maskulin) doch einfach ein durchgeweichtes Toastbrot oder greift auf die gut alte Liste der Pilznamen zurück. Wie wäre es mit einem Stinkenden Schleimkopf oder einer Großen Gallertträne?

Montag, 19. Juli 2021

Rezension: Shape Me von Melanie Vogltanz

© und Quelle: Verlag

Fatshaming, Skinnyshaming, Bodypositivity, Body acceptance und so weiter und so fort. In unserer heutigen Zeit sind unsere Körper und deren Form viel diskutierte Objekte. Die Abnehmindustrie boomt, an allen Ecken und Enden prangen uns normschöne Körper von Werbeplakaten entgegen und Influencer nutzen jeden nur erdenklichen Trick, um ihre Dehnungsstreifen und Cellulite vor der Kamera zu verbergen. Das kann mitunter extreme Züge annehmen. Melanie Vogltanz hat diesen Gedanken in ihrem Roman „Shape Me“ jedoch noch weiter gedacht und eine Gesellschaft entworfen, in der Kalorien zur Währung werden.

Tess arbeitet als Trainerin bei der SHAPE ME Corporation. Mittels einer neuartigen Technologie können zwei Menschen die Körper tauschen, und Tess’ Aufgabe ist es, die Körper ihrer Kund*innen wieder in Form zu bringen. Dann jedoch wird das dazu benötigte Gerät aus der Firma gestohlen und die Probleme beginnen. Etwa zur gleichen Zeit muss Nena erfahren, was es in diesem System heißt, keine ID mehr zu haben. Urplötzlich funktioniert ihr Chip nicht mehr, womit sie sich nicht ausweisen und damit auch nicht einmal mehr essen kaufen kann. Denn damit kann sie ihre Gewichtsklasse nicht mehr nachweisen und damit auch nicht die Kalorien, die ihr täglich zustehen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als um Essen zu betteln und Mülltonnen zu durchwühlen. Und dann geschieht auch noch das Undenkbare: Ihr Körper wird gestohlen.

Montag, 12. Juli 2021

Rezension: Wasteland von Judith & Christian Vogt

Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten 181 Seiten des Romans.

Mitten in einer Pandemie einen Roman über die verheerenden Folgen einer Pandemie zu lesen, ist vielleicht nicht die einfallsreichste Idee, aber hier sind wir nun. Denn in Judith und Christian Vogts Roman „Wasteland“ hat ein tödliches Virus des gleichen Namens die Gesellschaft, wie wir sie kennen, ausgelöscht und nur noch Ödland zurückgelassen.

Laylay zieht mit ihrem Vater durch das verwüstete Europa. Er ist Arzt, was ihm wertvolle Fähigkeiten verleiht – nicht nur, um Menschen zu heilen, sondern auch um die eine oder andere Droge zusammenzupanschen. Das macht sie beide zu gern gesehenen Gästen in den letzten Siedlungen der Menschheit, wo sie seine Fähigkeiten gegen Unterkunft und Proviant eintauschen. Zudem besitzt Laylay eine einmalige Immunität gegen das Virus, das die Menschheit an den Rand der Auslöschung getrieben hat. In einer dieser Siedlungen lebt Zeeto, ein Freund Laylays. Die beiden kennen sich von früheren Besuchen und sind gute Freunde, haben sogar etwas Romantisches am Laufen. Dennoch geht Zeeto in das Wasteland hinaus, das vom Virus verseuchte Ödland, das für jeden Menschen ohne entsprechenden Schutz tödlich ist. Als er nicht zurückkehrt, folgt Laylay ihm – und findet ihn mit zerstörter Schutzausrüstung, sein Todesurteil. Doch nicht nur das, denn dort draußen hat er ein kerngesundes Baby gefunden, etwas, das es nicht geben sollte.

Mittwoch, 7. Juli 2021

Rezension: Mutterschoß (Ghor-el-Chras #2) von Elea Brandt

Mutterschoß“ heißt der neue Roman Elea Brandts, mit dem sie ihre Leser zurück nach Ghor-el-Chras führt. Wieder wird es düster und blutig und wieder gilt es, ein finsteres Geheimnis aufzudecken.

Ajeri ist eine einfache Hebamme. Sie wanderte vor vielen Jahren in die Stadt und ist nun bestrebt, Frauen zu helfen – sei es nun mit der Geburt oder einem Schwangerschaftsabbruch. Nicht jeder in der Stadt denkt deswegen gut über sie, aber es gibt eine ganze Reihe von Frauen, die auf ihre Fähigkeiten vertrauen und die wissen, dass sie zu ihr kommen können, wenn es Probleme gibt. Shiran ist angehender Arzt und derzeit noch in der Lehre. Er strebt jedoch nach höherem – auch wenn es ihm dabei nicht unbedingt darum geht, Menschen zu helfen, sondern vielmehr sein Wissen zu mehren. Dann werden beide jedoch zu einer schwierige Geburt gerufen, die erst der Anfang einer tragischen Reihe von Fehlgeburten sein soll. Denn das, was sie auf die Welt holen, ist nicht mehr menschlich und unter Ghor-el-Chras erwacht etwas Uraltes, das seine Kinder ruft.