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Dienstag, 10. November 2020

Gute und schlechte Könige und was Moash wirklich falsch gemacht hat

Der folgende Text enthält Spoiler für The Way of Kings, Words of Radiance und Oathbringer, bezieht aber keine Inhalte aus Rythm of War mit ein.


"Moash did nothing wrong!" So geht ein geflügeltes Wort im Stormlight-Fandom. Moash ist ein sehr zwiespaltiger Charakter: Entweder man hasst ihn oder ist eben der Meinung, dass er ja nichts falsch gemacht habe, als er Elhokar tötete. Wie so oft im Leben ist die Antwort darauf, ob das, was Moash tat, richtig oder falsch war, jedoch nicht so einfach. Moash hat nämlich genau eine Sache sehr wohl falsch gemacht.

Bemerkenswert finde ich an der Diskussion, dass in diesem Zusammenhang wenig über Adolin gesprochen wird. Auch Adolin beging in brutaler Selbstjustiz einen Mord, als er Sadeas erstach. Warum aber applaudieren wir Adolin und hassen Moash? Die Antwort liegt im Charakter der Männer, die sie töteten, und in Kaladins dritten Ideal: "I will protect even those I hate, so long as it is right."

Daraus ergibt sich natürlich die Frage, was denn nun richtig ist und was nicht. Syl macht sehr deutlich, dass es falsch ist Elhokar nach dem Leben zu trachten. Kaladin erkennt dies schließlich auch. Er sei kein Skybreaker, wie Syl wiederholt sagt. Seine Aufgabe als Windrunner ist es nicht zu urteilen und das Urteil auszuführen, sondern zu beschützen. Ich bin mir sicher, dass Syl es ebenfalls nicht begrüßt hätte, wenn Kaladin auch Sadeas nach dem Leben getrachtet hätte, bevor er sein drittes Ideal geschworen hat (danach sowieso nicht mehr). Dazu kam es nie, weil Kaladins primäres Ziel, sobald er nicht mehr in den Brückenmannschaften um das nackte Überleben kämpfen musste, zunächst Amaram gewesen war und Moash danach seinen Fokus auf Elhokar lenkte. 

Doch darum soll es hier nicht gehen. Werfen wir einen Blick auf die beiden getöteten Männer.

Sowohl Elhokar als auch Sadeas haben gemeinsam, dass sie unschuldige Leben auf dem Gewissen haben. Sadeas mit seinem Verrat an Dalinar am Tower, und Elhokar, als er Moashs Großeltern ins Gefängnis warf, wo sie schließlich starben, aber auch, als er Roshone nach Hearthstone verbannte. Sowohl Kaladin als auch Moash haben einen nicht ganz ungerechtfertigten Hass auf alle lighteyes und die Art und Weise, wie leichtfertig diese mit den Leben der darkeyes spielen. Sie haben keinen Sinn dafür, was ihre Aktionen für Auswirkungen auf die kleinen Leute haben. Elhokar hatte ganz gewiss nicht bedacht, welchen Schaden Roshone in Hearthstone anrichten kann, obwohl er ihn ja eigentlich dorthin verbannte, um ihn "unschädlich" zu machen. Shallan illustriert diese Ahnungslosigkeit der lighteyes sehr schön auf ihrem Weg zu den Shattered Plains: "Slavery was a mercy for the lower classes." (Words of Radiance, Kapitel 11) Kaladin hat dazu ganz sicher eine andere Meinung.

Der wichtige Unterschied liegt in der Art und Weise, wie Sadeas und Elhokar zu ihren Taten stehen. Sadeas (wie auch Aramram im Übrigen) ist der festen Überzeugung, das Richtige zu tun. Er glaubt wirklich daran, Dalinar beseitigen zu müssen, um Gavilars Erbe, das Königreich Alethkar, zu erhalten. Im Kern verfolgt Sadeas damit kein schlechtes Ziel, seine Mittel, dieses Ziel auch zu erreichen, sind jedoch definitiv falsch. Brandon macht deutlich, dass der Zweck hier nicht die Mittel heiligt. Sowohl Dalinar als auch Sadeas arbeiten darauf hin, das Reich zu erhalten und stark zu machen. Anders als Sadeas erkennt Dalinar jedoch, dass sie ihren Konflikt auf dem Rücken Unschuldiger austragen. Dalinar geht sogar so weit, sich zu einem Diktator aufzuschwingen und die Macht an sich zu reißen. Er sieht schließlich, was er da tut und dass er damit Elhokar, dem wahren Erbe Gavilars, wortwörtlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Er beginnt stattdessen, Elhokar unterstützend unter die Arme zu greifen und ihm den Weg zu Gavilars Erbe zu ebnen. 

Sadeas wählt den Weg über tausende Leichen hinweg. Er weiß ganz genau, welche Folgen sein Verrat haben wird, und kann die Konsequenzen hervorragend abschätzen. Er weiß, wie die Politik der Alethi funktioniert und dass seine Leute es als "Gnade" ansehen würden, dem Blackthorn einen Tod im Kampf zu ermöglichen, statt ihn heimlich zu meucheln. Sadeas nutzt dieses Wissen gezielt, um seine Intrigen zu spinnen und auf sein Ziel hinzuarbeiten. Dass sein Name dem Wort Sadist so sehr ähnelt, ist nicht ganz zufällig und definitiv berechtigt. Er hat in jedem Fall eine Strafe verdient und zugegebener Maßen war es durchaus ein befriedigender Moment, als Adolin ihn ermordet.

Dennoch: Diese Tat ist und bleibt Selbstjustiz. Adolin untergräbt damit die Codes, für die sein Vater so strikt einsteht, und damit auch Dalinars Autorität. Welche Werte haben Dalinars Codes denn noch, wenn sein eigener Sohn und Erbe nicht ebenfalls für diese einsteht? Dies lässt ihn als Scheinheiligen dastehen. Würde jeder die Gerechtigkeit einfordern, von der er glaubt, dass sie ihm zusteht, würde alles in Chaos versinken. Sicher würde es Ialai ebenfalls als gerecht ansehen, wenn Adolin für seine Tat bestraft wird, und so würde sich der Kreis immer weiter fortsetzen. Eben dafür gibt es ja Gesetze, logisch.

Und was Elhokar betrifft: Er ist unbestreitbar ein schlechter König. Es ist bemerkenswert an Brandons Schreiben, dass Elhokar zu Beginn der Reihe kaum auftritt. Er steht wortwörtlich im Schatten seines Onkels. Elhokar ist ein schwacher König, der kaum selbst in Aktion tritt. Elhokar fordert Gehorsam ein aus dem einfachen Grund, weil er sich König nennt. Aber er ist kein König.

Das ändert sich, als er zu begreifen beginnt, dass er ein schlechter König ist. Ab dem Zeitpunkt tritt er auch mehr in Erscheinung. Wiederholt fragt sich Elhokar, was es ist, das Kaladin zum Helden macht, und will, dass er es ihm beibringt. "How do people know what to do? Why don't I know what to do? I was born to this office, given the throne by the Almighty himself! Why would he give me the title, but not the capacity? It defies reason. And yet, everyone seems to know things that I do not. My father could rule even the likes of Sadeas - men loved Gavilar, feared him, and served him all at once. I can't even get a darkeyes to obes a command to come visit the palace! Why doesn't this work? What do I have to do?" (Words of Radiance, Kapitel 80)

Elhokar sieht es als gottgegeben an, dass er herrscht, und ist immer wieder verwundert, dass Leute schlicht nicht tun, was er ihnen befielt. Er zwingt seinen Untertanen seinen Willen auf aus dem einfachen Grund, weil er eine Krone trägt. Und oh Wunder. Das funktioniert natürlich nicht.

Eigentlich verwundert es auch nicht, dass Elhokar ist, wie er ist. Er ist ein schlechter König aus dem einfachen Grund heraus, dass niemand ihn gelehrt hat, ein guter König zu sein. Sein Vater war ein Tyrann und sein Onkel ein brutaler Kriegsherr. Kaum Personen, die man als Vorbild haben sollte. Gavilar hat in diesem Punkt einige Parallelen mit Daenerys Targaryen und ihrer Dracarys-Attitüde. Wie sie lässt er seinen zukünftigen Untertanen genau eine Wahl: In ihrer alten Welt zu sterben oder in seiner neuen zu leben. Er kann die anderen Highprinces nur in wenigen Fälligen auf politischem Wege dazu bringen, ihm zu folgen. In den meisten Fällen nutzt er die brutale Stärke seines Bruders Dalinar. Er nimmt sich, was er will, mit, wie es Dany sagen würde, Feuer und Blut.

Elhokar hat weder die entfesselte Urgewalt des Blackthorn noch den eisernen Willen seines Vaters hinter sich. Stattdessen ist er ein Kind, das nach etwas schreit, einfach weil es das haben will. Er ist eine schwache Führungsfigur, die wenig Autorität besitzt. Sein Reich ist jung und die anderen Highprinces erinnern sich noch zu gut der Zeit, als Alethkar kein vereinigtes Königreich war. Elhokar ist von Beginn an in eine schwierige Situation hineingeboren worden. Sein Vater formte das Reich, doch es ist noch nicht gefestigt. Es wäre Elhokars Aufgabe gewesen, Alethkar zu härten und zu einem Reich zu formen, das die Zeiten übersteht. Statt jedoch zu regieren, zieht er in den Krieg und lässt sein eigenes Reich in den Händen anderer. 

Nach und nach erkennt Elhokar, dass dies ein Fehler war, und hätte er jemals sein zweites Ideal als Lightweaver sprechen können, dann wäre es die Wahrheit gewesen, dass er ein schlechter König ist. Deswegen besteht er darauf, Kholinar selbst zu befreien und den Angriff auf seinen eigenen Palast zu führen. Jetzt ist er auf dem Weg, ein besserer König zu werden.

Wie auch Sadeas muss er für die Fehler, die er begangen hat, einstehen. Anders als Sadeas sieht er nun jedoch, dass er Fehler begangen hat, und will sie wieder gut machen. Er will endlich lernen, die Führungsfigur zu sein, die Alethkar braucht, um zu dem Reich zu wachsen, von den Gavilar geträumt hat.

Moash hat genau eine Sache falsch gemacht: Er hat Elkohar dieser Chance beraubt. Deswegen ist es richtig und gut von Kaladin, sich gegen seinen Freund Moash zu stellen und Elhokar zu schützen, obwohl er für all das steht, was er an den lighteyes hasst. Sowohl Moashs Hass auf Elhokar als auch Adolins Hass auf Sadeas sind absolut berechtigt. Sadeas hatte jedoch seine Chance gehabt und sie willentlich weggeworfen. Elhokar erkennt seine, ergreift sie ... und wird dann der Möglichkeit beraubt, sie auch auszuführen. Moash tötet ihn in dem Moment, in dem Elhokar der König zu sein versucht, der er sein will - und den sich Moash vielleicht auch erhofft hätte.

TL:DR Sowohl Adolins als auch Moashs Taten sind nachvollziehbar und nicht völlig ungerechtfertigt. Sadeas und Elhokar haben Fehler begangen und dafür mussten unschuldige Menschen leiden, gar sterben. Anders als Sadeas erkennt Elhokar jedoch seine Fehler und will sie wieder gut machen. Moash beraubt ihn seiner Chance, ein besserer Herrscher zu werden.

Und jetzt verziehe ich mich wieder in eine Ecke und weine um Elhokar, weil das einfach so eine furchtbare Sache war und ich so sehr auf seinen POV gehofft hatte T.T

1 Kommentar:

  1. Ich muss sagen, dass ich die Bücher auf meiner Liste habe. Alo noch nicht wirklich gelesen, aber deine Meinung und deine Ansicht finde ich interessant.

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