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Freitag, 18. September 2020

Rezension: Blut der Unterwelt von Anna Kleve

Hin und wieder darf es eine leichtherzige Romanze sein, in der nicht alles schrecklich und düster ist. Vielleicht ist dann »Blut der Unterwelt« von Anna Kleve genau das richtige. Es ist jedoch eine Freude mit Abstrichen.

»Als Hexenmeister Zephyr von einer Kräftepaktzeremonie flieht, landet er mitten in einem Angriff auf den Vampir Balor. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten hilft Zephyr dem Vampir.

Erst durch diese Tat wird Balor ernsthaft auf den Mitschüler aus der Parallelklasse aufmerksam.

Bald darauf wird auch Zephyr von krötenartigen Kreaturen angegriffen und bekommt dieses Mal Hilfe von Balor, wird jedoch trotzdem schwer verletzt.

Nachdem er die Attacke überstanden hat, schließen die beiden Übernatürlichen ein Abkommen, um gemeinsam herauszufinden, wer dahintersteckt und diejenigen aufzuhalten.

Dass mehr zu alle dem gehört, als sie je erwartet hätten und sich auch mehr zwischen ihnen entwickelt, können beide nicht erahnen.«

(Quelle: Amazon)

Der Fokus der Geschichte liegt klar auf der Romanze zwischen Balor und Zephyr. Für die beiden war es anscheinend lange eine Freundschaft Plus, bis ihnen klar wurde, dass die Gefühle für den anderen doch tiefer gehen. Zugegeben: Sie sind recht süß zusammen. Manchmal ist das alles, was es als Lesevergnügen bedarf. Allerdings sollte dazu gesagt werden, dass die Sexszenen sehr detailliert geschildert werden. Mich hat es nicht gestört, aber das ist unter Umständen nicht jedermanns Sache. Daran soll es jedoch nicht scheitern, die entsprechenden Szenen lassen sich gut überblättern.

Der Roman liest sich flott von der Hand und ist damit ein leichter Happen für Zwischendurch, wenn es mal nicht die langen Epen sein sollen.

Das größte Problem, das ist jedoch mit diesem Roman sehe, ist der Stil. Alles ist huschhusch und wird nur wenig ausgeführt oder geht in die Tiefe. Nehmen wir als Beispiel gleich den Einstieg in den Roman:

»„Wenn du jetzt gehst, brauchst du nicht wiederzukommen“, hörte ich Mutter rufen, bevor ich durch das Portal sprang und es direkt hinter mir schloss.

Sofort peitschte mir Regen ins Gesicht und zum ersten Mal seit einer ganzen Weile passte genau das zu meiner Stimmung.

Sonst hatte sich die Sonne auf meiner Haut angefühlt, als würde sie mich verspotten.

Es regnete sogar mit jedem Moment stärker.

Erstaunlicherweise spürte ich keinen Schmerz in meinem Arm, wie es eigentlich sollte.

Dagegen war mein Empfinden vorher lächerlich stark gewesen, obwohl meine Familie behauptete, dass es nur an meiner Nervosität gelegen hatte. Ich sah das anders. In diesem Moment noch mehr als zuvor.«

Das sind die ersten Absätze, die gleich mehrere Probleme beleuchten. So ungefähr wird klar, was hier geschieht, es wird jedoch nur oberflächlich darauf eingegangen. Unmittelbar darauf passiert der im Klappentext erwähnte Angriff auf Balor, der eine Seite später auch schon wieder Geschichte ist. Dabei passieren in diesen wenigen Seiten so viele Dinge, die für den weiteren Storyverlauf relevant sind.

Die Autorin hat alles in ihrer Erzählung enthalten, was für diese wichtig ist, nimmt sich aber selten die Zeit, diese Dinge auch wirklich auszubauen. Die im Klappentext erwähnte Zeremonie, vor der Zephyr flieht, passiert off page noch vor dem eigentlichen Beginn des Romans. Dabei ist ebenjene Zeremonie und deren Umstände extrem relevant für das, was später passiert. Das wird den Leser*innen jedoch nur durch die Charaktere erzählt, ohne dass sie wirklich dabei sein können.

Dabei hatte ich beispielsweise diese Zeremonie für einen super Einstieg in den Roman gehalten. Wir hätten essenzielle Dinge über die Welt von Zephyr und Balor gelernt, wichtige Charaktere wären schon da aufgetreten und wir hätten allgemein tiefere Einblicke in die Gefühlswelt von Zephyr erhalten können. Ohne das ist mir der Umstand, dass Zephyr von seiner Familie rausgeworfen wird, ehrlich gesagt ziemlich egal, einfach weil ich zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht ermessen kann, was das eigentlich für ihn bedeutet. So sieht es für mich erst einmal aus, als wäre es keine große Sache für ihn, weil er augenscheinlich ganz gut allein klar kommt am Internat, in dem er lebt.

»Blut der Unterwelt« erzählt eine leichtherzige, fluffige queere Romanze, die sich leicht und flott von der Hand liest. Getrübt wird das Lesevergnügen jedoch durch einen definitiv ausbaufähigen Stil. Es wird sich für wenige Dinge, die relevant für die Story sind, wirklich die gebührende Zeit genommen. Eher wirkt es so, als wolle die Erzählung wortwörtlich zur Sache kommen, nämlich zum homoerotischen Teil, und die Handlung ist dabei eher schmückendes Beiwerk, damit es nicht nur Smut ist. Wenn das jedoch der Grund ist, zu diesem Buch zu greifen, dann ist es definitiv eine Überlegung wert, denn die Beziehung zwischen Zephyr und Balor ist durchaus niedlich.

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Mögliche Trigger

- Gewalt gegen Menschen

- Blut

- Verlust von Angehörigen


Reiheninformation

Autor*in: Anna Kleve

Titel: Blut der Unterwelt

Sprache: Deutsch

Umschlagsgestaltung: Epicmoon Coverdesign

Reihe: Nein

Seiten: 385

Originalpreis: 3,99€

Verlag: Selbstverlag

Genre: Fantasy

ASIN: B089C7DDRQ

Erscheinungsjahr: 2020

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