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Montag, 14. September 2020

Rezension: Zwillingsblut #1-3 von Hendrik Lambertus

Quelle: Verlag

»Zwillingsblut« ist eine High Fantasy Trilogie von Hendrik Lambertus ganz in der Tradition J.R.R. Tolkiens. Eine Gruppe von Helden zieht aus, um die Welt gegen einen dunkle Herrscher zu verteidigen und erlebt dabei zahlreiche Abenteuer in fremden Ländern. Das Konzept mag etwas altbacken sein, aber Lambertus schafft es, das Ganze mit einigen schönen Worldbuilding-Elementen zu würzen.

Die Zwergenzwillinge Gorin und Galdra wurden von einer Prophezeiung der Winterseherin dazu auserkoren, gegen den Kettenfürsten in den Kampf zu ziehen, der die Macht der Unterwelt an sich riss und nun die gesamte freie Welt bedroht. Ihr ganzes Leben lang wurden sie dazu ausgebildet. Als schließlich die Erfüllung der Prophezeiung immer näher rückt, müsste sie jedoch feststellen, dass sie nicht die einzigen Zwillingsselen sind. Auch auf die beiden Elben Elyami und Elyamur scheint die Prophezeiung zuzutreffen. Aber wer sind nun die wahren Zwillingsselen? Und dann müssen sie auch noch feststellen, dass ein weiteres Zwillingspaar der Orks, auf das die Prophezeiung ebenfalls zutreffen kann, bereit dem Kettenfürsten dient. Ist also schon alles verloren, bevor es begonnen hat?


Nein, natürlich nicht, denn sonst wäre es ja langweilig. Wie es so mit dem Konzept von Prophezeiungen ist, nehmen sie der Geschichte etliches voraus. Es gibt genau zwei Möglichkeiten, wie so eine Geschichte ausgeht, die auf einer Prophezeiung basiert: Entweder die Prophezeiung erfüllt sich (was langweilig wäre und daher eigentlich ausgeschlossen werden kann) oder es gibt eine alternative Interpretation im Sinne der Gegenseite.

Die Erzählung weist viele Baukastenelemente der High Fantasy auf. Wir haben eine Heldenreise mehrerer selbstloser Helden, wir haben einen dunklen Herrscher (der leider nicht so interessant wie Sauron ist), wir haben einen Mentor-Charakter, viele verschiedene Fantasy-Völker wie Elben, Zwerge, Orks, Zentauren und so weiter.

Viele dieser Elemente sind ganz im klassischen Sinne umgesetzt worden, jedoch gibt Lambertus ihnen hin und wieder ganz interessante eigene Noten. Zwerge und Elben mögen sich nicht und alle sind gegen die Orks, aber dieses starre Konzept wird vor allem im dritten Teil aufgebrochen. Dies ist auch der Punkt, an dem Rezkai, einer der beiden Ork-Zwillinge interessant wird (mehr zu verraten, wäre an dieser Stelle ein Spoiler).

Wer schon etwas mehr aus dem Genre gelesen hat, weiß, wie es im Allgemeinen funktioniert. Das macht diese Reihe sehr vorhersehbar und es gibt nur wenige Dinge, die wirklich überraschend kamen. Da hat sich der letzte Teil etwas gebessert. Allerdings war es dann auch nicht mehr sonderlich kreativ, sich einfach eine neue Prophezeiung aus dem Ärmel zu schütteln, nachdem die alte nicht ganz das gewünschte Ergebnis brachte. Spannender wäre es gewesen, wenn die Zwillinge sich gesagt hätten, dass sie ihr Leben nicht von Vorherbestimmungen leiten lassen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und unabhängig von Orakelsprüchen handeln. War leider nicht der Fall.

Leider sind die Charaktere teils ziemlich austauschbar. Die Haupt-POVs sind die der Elbin Elyami und des Zwergs Gorin. Sie beide sind von ihrem jeweiligen Zwillingspaar die Sanftmütigeren und Nachsichtigeren, während ihre Geschwister die Draufgängerischen sind, die immer wieder zurückgehalten werden müssen. Das macht gerade die Hauptcharaktere ziemlich langweilig. Interessanter sind die Nebencharaktere, besonders die beiden Orks Rezkai und seine Schwester Rekut, aber auch die Winterseherin. Den etwas aufmerksameren Leser*innen wird relativ schnell klar, dass sie Geheimnisse vor ihren Schützlingen hat, vielleicht sogar Verbindungen zur Gegenseite. Das lässt sie zusammen mit Rezkai zu den vielschichtigeren Charakteren zählen.

Positiv anzumerken ist zumindest der Versuch von Diversität. Es wäre natürlich wünschenswerter, wenn sie mehr in den Vordergrund gerückt wäre, aber zumindest sind nicht alle Charaktere heteronormativ und weiß. Ein Elbenvolk ist explizit POC, und eine der wichtigeren Nebencharaktere ist ausdrücklich queer.

»Zwillingsblut« ist vor allem kurzweilige, nette Unterhaltung für Zwischendurch. Die Reihe bringt nicht viel Neues in das Genre, erfindet das Rad nicht neu, ist aber auch nicht völlig uninteressant und zumindest nicht durchgängig nach Schema F konstruiert. Wenn es mal wieder einfach nur Elben und Zwerge sein sollen, dann kann die Trilogie durchaus das Richtige sein.

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Reiheninformation

Autor*in: Hendrik Lambertus

Sprache: Deutsch

Reihentitel: Zwillingsblut

Teil 1: Der Kampf der Zwerge (ISBN 978-3-404-20910-1)

Teil 2: The Die Magie der Zwerge (ISBN 978-3-404-20936-1)

Teil 3: Der Zorn der Orks (ISBN 978-3-404-20951-4)

Verlag: Bastei Lübbe

Genre: Fantasy

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