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Montag, 12. Juli 2021

Rezension: Wasteland von Judith & Christian Vogt

Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten 181 Seiten des Romans.

Mitten in einer Pandemie einen Roman über die verheerenden Folgen einer Pandemie zu lesen, ist vielleicht nicht die einfallsreichste Idee, aber hier sind wir nun. Denn in Judith und Christian Vogts Roman „Wasteland“ hat ein tödliches Virus des gleichen Namens die Gesellschaft, wie wir sie kennen, ausgelöscht und nur noch Ödland zurückgelassen.

Laylay zieht mit ihrem Vater durch das verwüstete Europa. Er ist Arzt, was ihm wertvolle Fähigkeiten verleiht – nicht nur, um Menschen zu heilen, sondern auch um die eine oder andere Droge zusammenzupanschen. Das macht sie beide zu gern gesehenen Gästen in den letzten Siedlungen der Menschheit, wo sie seine Fähigkeiten gegen Unterkunft und Proviant eintauschen. Zudem besitzt Laylay eine einmalige Immunität gegen das Virus, das die Menschheit an den Rand der Auslöschung getrieben hat. In einer dieser Siedlungen lebt Zeeto, ein Freund Laylays. Die beiden kennen sich von früheren Besuchen und sind gute Freunde, haben sogar etwas Romantisches am Laufen. Dennoch geht Zeeto in das Wasteland hinaus, das vom Virus verseuchte Ödland, das für jeden Menschen ohne entsprechenden Schutz tödlich ist. Als er nicht zurückkehrt, folgt Laylay ihm – und findet ihn mit zerstörter Schutzausrüstung, sein Todesurteil. Doch nicht nur das, denn dort draußen hat er ein kerngesundes Baby gefunden, etwas, das es nicht geben sollte.


Wasteland besticht vor allem durch zwei Punkte. Einer davon ist die gegenderte Sprache. Sie fällt gar nicht mal so sehr ins Auge und das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass es gut gemacht wurde. Es fühlt sich natürlich an, wenn auch einmal feminine Bezeichnungen für Jobs genommen werden oder Charaktere sich mit ihren Pronomen vorstellen. Diese waren nicht einmal unbedingt trans, aber setzten dennoch nicht voraus, dass andere Charaktere ihre Pronomen raten mussten. Und genau so soll es sein; man sieht dem Gegenüber schließlich nie die Pronomen an. Das in einem Roman zu lesen, war ausgesprochen angenehm und trägt hoffentlich ein kleines bisschen dazu bei, dieses Vorgehen zu normalisieren.

Ebenso sehr gelungen war die manisch-depressive Erkrankung von Zeeto dargestellt. In einer seiner manischen Phasen geht er hinaus in das Wasteland und geht hohe Risiken ein, die natürlich in der Beschädigung seiner Ausrüstung resultieren. Es ist praktisch Suizid auf Umwegen. Als er schließlich wieder daheim ist, rutscht er in eine depressive Phase, die ebenso eindringlich wie nachvollziehbar geschildert wurde. Die Gleichgültigkeit und Leere, die ihn befällt, und seine Gedankenmuster lasen sich ausgesprochen nachvollziehbar.

Der Roman hat jedoch ein Problem: So ansprechend diese Dinge auch gemacht wurden und so sehr ich es genoss, das zu lesen, sie tragen doch keine Handlung. Für mich war das der Grund, den Roman auch nach 181 Seiten abzubrechen.

Der Anfang der Handlung war sehr interessant. Man lernt mehr über die Welt kennen, bekommt einen Eindruck vom Wasteland und erfährt auch recht bald vom Plotpoint, dem Baby und seiner mysteriösen Existenz. Natürlich will man da mehr darüber erfahren. Nach etwa 80 Seiten jedoch spielt das für eine lange Zeit keine Rolle mehr. Wie lange weiß ich nicht, wenn wie gesagt brach ich das Buch nur 100 Seiten später ab. Denn ab hier wird es eine doch eher durchschnittliche dystopische Geschichte über junge Erwachsene, die ihren Platz in der Welt finden und aus alten Gewohnheiten ausbrechen wollen. Das ist per se nicht schlecht gemacht, jedoch eben nur durchschnittlich. Mich hatte es nicht mehr gereizt, da ich eigentlich mehr über das Baby erfahren wollte, statt über irgendeinen Konflikt mit den Gangs.

Der Stil der Erzählung ist etwas flapsig. Das ist streckenweise durchaus lustig, wird mit der Zeit jedoch etwas anstrengend. Die Geschichte ist für beide Protagonisten aus der ich-Perspektive erzählt. Damit es nicht allzu verwirrend wird, steht über jedem Kapitel der Name des jeweiligen Charakters, jedoch sind beide rein von der Sprache her nicht immer leicht zu unterscheiden. Da hätte ich mir noch etwas mehr Differenzierung gewünscht.

Recht unterhaltsam war die dritte Perspektive eines Technikguru der Bande, die das Gebiet um die Siedlung kontrolliert. Er versteht noch etwas von der Technik der alten Welt und mystifiziert sie, während er gleichzeitig zu verschleiern versucht, dass er keinen Zugriff mehr auf die Datenserver des Internets hat, die ihm schier unbegrenztes Wissen beschert hatten. Das, was für uns selbstverständlich erscheint, ist für die Menschen des Wasteland ein Mythos alter zeit.

Wasteland“ besticht vor allem durch gute Repräsentation psychischer Erkrankungen und eine angenehm gegenderte Sprache. Da beides jedoch keine Handlung trägt, ist der Roman dennoch eher Durchschnitt. Wer generell dystopische Erzählungen mag, wird den Roman sicher als angenehmen Happen empfinden, für alle anderen wird er eventuell etwas fad sein.

Mögliche Trigger (Liste dem Roma entnommen)

- Gewalt

- explizite Schilderung von Sex, Depression und bipolarer Neurodivergenz

- Kontrollverlust

- verbale Androhung sexueller Gewalt

- Erwähnung von Sklaverei und sexuellem Missbrauch


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Reiheninformation

Autor*in: Judith & Christian Vog

Titel: Wasteland

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 400

Originalpreis: 14,99

Verlag: Droemer Knaur

Genre: Dystopie

ISBN: 978-3-426-52391-9

Erscheinungsjahr: 2020


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