Wenn es ein Buch gibt, das mein Herz zum Singen bringt, dann ist es »Das Licht ungewöhnlicher Sterne« von Ryka Aoki. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber ganz gewiss nicht eine Geschichte, die mich sprichwörtlich zum Weinen bringt mit ihrer Schönheit.
»Einst war Shizuka Satomi ein Star, heute ist sie die gefragteste Geigenlehrerin der Welt. Wer bei ihr studiert, dem ist eine glänzende Karriere gewiss. Niemand ahnt, dass Shizuka einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat: Sieben Musikerseelen muss sie ihm bringen. Sechs davon hat sie bereits der Hölle übergeben. Nur mit der siebten will es nicht klappen, und langsam läuft Shizuka die Zeit davon. Als sie eines Tages das Geigenspiel der jungen Katrina hört, ist Shizuka sich sicher, die letzte Seele gefunden zu haben. Doch dann begegnet Shizuka der geheimnisvollen Lan Tran, die von geradezu außerirdischer Schönheit ist, und mit einem Mal werden all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Es ist der Beginn eines mitreißenden Abenteuers voll Magie und Hoffnung. Eines Abenteuers, das zeigt, dass man für die Liebe manchmal ganze Sternensysteme überwinden muss ...«
(Quelle: Klappentext)
Eine Musikerin, die einen Pakt mit der Hölle hat, ein trans Mädchen, das von zu Hause fliehen muss, und eine Astronautin, die mit ihrer Familie auf die Erde flieht und ihr Raumschiff unter einem Donutladen versteckt und den riesigen Donut auf dem Dach zum Weltraumportal umbaut, sind eine wilde Mischung. Und doch ergeben sie zusammen eine Geschichte von unvergleichlicher Schönheit.
Immer im Mittelpunkt steht Katrinas Musik, verwoben mit der Shizukas, ihrer Lehrerin. Katrina findet in der Musik ihre Erfüllung und eine Schönheit, die sie der Hässlichkeit der Welt entgegenhalten kann.
Ja, Katrina ist trans und natürlich spielt das in ihrem Leben eine Rolle, weil alle anderen Menschen es immer wieder thematisieren und in den Mittelpunkt reißen, oftmals, um Katrina mit Transfeindlichkeit zu bewerfen. Die einzige, die das nicht macht, ist Shizuka (sowie ihre Haushälterin Astrid, Lan Tran und deren Familie). Für Shizuka zählt immer einzig und allein Katrinas Musik, denn auch für Katrina ist das das wichtigste in ihrem Leben. Eine der für mich schönsten Szenen war, als Katrina ihre großen Hände als hässlich bezeichnet und Shizuka sie ergreift und nachdrücklich betont, wie schön Katrinas Hände sind, weil sie mühelos Griffe an der Geige ausführen können, an denen selbst die große Shizuka jahrelang üben musste.
Shizuka ist überhaupt alles, was ich mir in einem Ally wünsche. Sie steht bedingungslos schützend vor Katrina und gibt ihr den Raum und die Kraft, um ihr Licht erstrahlen lassen zu können. Sie korrigiert Menschen, wenn sie Katrina missgendern und Katrina zu ängstlich ist, selbst etwas zu sagen, und fordert von ihnen, sich bei Katrina zu entschuldigen und nicht etwa bei ihr. Immerhin ist es Katrina, die hier erneut Mikroaggressionen ausgesetzt ist.
Der Roman ist schonungslos, wenn es darum geht, das Leben einer jungen trans Frau in den USA zu zeigen. Katrina ist immer wieder mit wirklich hässlichen und grausamen Aussagen konfrontiert und muss häusliche Gewalt bis hin zu Vergewaltigung über sich ergehen lassen, bis sie schließlich obdachlos auf einer Parkbank sitzt und nichts mehr hat außer ihrer billigen Geige aus China, erworben über eBay. Katrina selbst spricht immer wieder abfällig über sich, weil die Welt ihr bisher einzig und allein vermittelt hat, sie sei hässlich, wertlos und dreckig. Shizuka erkennt das und weiß, dass sie Katrina nicht so hart fordern kann wie ihre bisherigen Schüler*innen, da sie sonst brechen würde.
Der Roman wird als Science Fiction vermarktet, hat aber auch phantastische Elemente und ist in erster Linie eine Ode an die Queerness. Die sanfte Liebe zwischen Shizuka und Lan, Katrina, die nach und nach sich selbst akzeptieren lernt, all das hat mich tief berührt.
Wer nach Romanen sucht, um seine queere Leseliste zu füllen, sollte »Das Licht Ungewöhnlicher Sterne« auf jeden Fall ganz oben auf die Liste setzen. Für mich war der Roman definitiv einer meiner Jahreshighligts.
- Transmisogynie
- Ausländerfeindlichkeit
- Tod, Gewalt, häusliche Gewalt
- Verletzungen, Blut
- Vergewaltigung
Werbung nach §6 TMG
Reiheninformation
Autor*in: Ryka Aoki
Titel: Das Licht Ungewöhnlicher Sterne
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Michael Pfingstl
Umschlagsillustration: Jamie Stafford-Hill, NASA
Reihe: Nein
Seiten: 495
Originalpreis: 17,00€
Verlag: Heyne
Genre: Science-Fiction
ISBN: 978-3-453-32309-4
Erscheinungsjahr: 2024
Wenn euch meine Arbeit gefällt, würde ich mich über einen kleinen Obolus bei ko-fi freuen :)

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