Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Montag, 21. März 2016

Lesung: Pompös! Pompöser! Am pompösesten! – Sigrid Kraft stellt ihre Welt Ardeen vor.


Es hätte ein Fest für alle Sinne werden sollen. Ja, sollen. Die Realität bestand leider aus seltsamen Herumgefuchtel hinter dem Moderator Richard Haxel, um die angepriesenen Kampfsportfähigkeiten zu untermalen, Technik, die nicht mitspielt, und einem seltsamen Buchtrailer. Die äußerst … motivierte Autorin und ihren Verleger nicht zu vergessen.

Die Rede ist von Sigrid Kraft, die gemeinsam mit ihrem Verleger Tobias Fahnauer aus dem dritten Band ihrer Ardeen-Reihe, „Nimrod“, vorliest. Nun: vorlesen lässt. Sie selbst hält sich während der Lesung vornehm zurück und gibt ihrem Verleger den Vortritt. Warum, das bleibt dem geneigten Messebesucher schleierhaft. Erst ein Post auf ihrer Facebook-Seite verrät mehr: „weil eine männliche Stimme besser zu den Charakteren passt als eine weibliche.“

Und was machen dann weibliche Hörbuchsprecher, die männliche Charaktere einlesen? Oder umgekehrt? Sicher haben sie bisher alles falsch gemacht!

Ein Trailer soll die Zuschauer locken und neugierig auf das nun Kommende machen. Wieder: Soll, denn die Technik macht nicht, was man von ihr will. Etwas verzweifelt steht die Autorin vor dem wartenden Publikum und redet über ihre Welt, während sie darauf wartet, dass zu dem Bild auch der Ton kommt. Vorführeffekt …

Der Moderator Richard Haxel hat es sehr gut in Worte gefasst: Buchtrailer mögen zwar immer beliebter werden, aber für eine Lesung sind sie denkbar ungeeignet.

In der Tat lockt der Trailer diverse Messebesucher an, die stehenbleiben, um dem Getöse zu lauschen. Sie drehen allerdings samt und sonders rasch wieder ab. Wirklich fesseln können die bunten Bilder mit den Hobbyanimationen und der viel zu laute Ton sie nicht. Selbst der eine oder andere Literaturdozent der Universität Leipzig sah sich das Trauerspiel nur Augenblicke an und ist alsbald wieder aus den Reihen der Zuschauer verschwunden.

Mit Grabesmiene sitzen Autorin und Verleger da und warten auf das Ende des vierminütigen Trailers. Ob sie damit das Publikum wiederspiegeln wollen? Die Grabesmiene weicht nicht vom Gesicht Frau Krafts, als Tobians Fahnauer neben ihr nahtlos an den Trailer anschließend anfängt zu lesen.

Sie haben das Pech, dass direkt vor ihnen in sehr überzeugender Weise Hörbuchsprecherin Friederike Walke aus „Infernale“ von Sophie Jordan gelesen hat. Die Eindrücke sind noch frisch, doch selbst, wenn man sie ausblendet, kann Fahnauers Vortrag nicht überzeugen. Er liest wenig ausdrucksstark und holpert immer wieder über die unbeholfen formulierten Sätze.

Auch für den Zuhörer ist es eine Tortur. Die ständig wechselnden Sichtweisen erschweren nicht nur das eigene Lesen, sondern vor allem auch das Zuhören. Wer spricht denn nun? Und worum geht es hier überhaupt? Was mache ich hier?!

Die halbe Stunde ist scheinbar einfach nicht genug. Die Minuten verrinnen, doch ein Ende ist nicht in Sicht. Etwas drängend kommt bereits Richard Haxel um die Ecke und zeigt auf die Uhr. Die Zeit sei um, bedeutet er.

Am Ende wird der Vortrag recht unrühmlich abgewürgt und wortlos ziehen die Beiden ab, um der nächsten Vortragenden Platz zu machen. Allzu glücklich wirken sie nicht mit sich und der Welt, wenn sie nicht einmal die Worte finden, das höflich applaudierende Publikum zu verabschieden.




Daten
Die Veranstaltung: Sigrid Kraft und Tobias Fahnauer lesen aus Nimrod – Ardeen 3, Moderation: Richard Haxel, 20.3.2016, 12.30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Messegelände
Das Buch: Sigrid Kraft: Nimrod –  Ardeen 3. Fahnauer Verlag, Dresden 2014, 583 Seiten, 15,00 Euro, E-Book 7,99 Euro

Kommentare:

  1. Buchtrailer klingt ja schon schlimm genug. Aber ein vierminütiger Buchtrailer? Das hielt irgendwer für eine gute Idee? Und damit noch ein Sechstel der Lesungszeit verschwenden?
    Einziger Lichtblick, dass nicht irgendwo das Word Badboy vorkam?

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    1. Ich hab persönlich generell nicht soooo eine hohe Meinung von Buchtrailern. Ich hab einfach noch nie einen gefunden, der mir gefallen hat (habe aber auch nie wirklich intensiv danach gesucht, muss ich dazu sagen). In diesem Fall kann man sagen: Das Teil wäre ganz nett gewesen, hätten sie wie die alljährlichen Amizaras-Chroniken einen eigenen Stand und wäre das Filmchen leise nebenher gedudelt, während sie mit interessierten Lesern in Kontakt getreten. Aber war ja nicht, war ja nur die vergurkte Lesung. Ich fand's sehr bezeichnend, wenn selbst der Mod so deutliche Worte sprach *hust*
      Stimmt. Das ist in der Tat ein Pluspunkt. Aber he, Prinz Raiden ist voll die geile Sau, der ist bestimmt prädestiniert für diese Rolle!!
      ("Hat sie Badboy gesagt? Sie hat Badboy gesagt! *gasp*")
      Grüße :)

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