Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Rezension: The Long Way To A Small Angry Planet (Wayfarer #1) von Becky Chambers


Manche Bücher sind wie eine kuschelige Decke und ein warmer Kakao in einem. Sie hüllen dich in ganz viel Wohlfühlen und Wärme und können dich gleichzeitig sogar noch in fremde Welten entführen. »The Long Way To A Small Angry Planet«, der erste Teil der »Wayfarer«-Trilogie von Becky Chambers, ist so ein Roman.

»Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.«
(Quelle: Amazon. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten, Fischer Tor)


Das erste, woran mich die Geschichte erinnerte, war Mass Effect. Nur ohne den ganzen Militarismus. Die Massenportale sind hier die Technik, Wurmlöcher in den Raum zu bohren, und eine ganze Menge intergalaktischer Rassen, die Ähnlichkeiten mit einigen aus Mass Effect haben, gibt es auch.

Sehr schön und positiv fiel auch die Verwendung nonbinärer Pronomen wie xe oder xyr auf oder die polyamore Natur Sissix‘ und ihre lesbische Beziehung (kind of) mit einem der Crewmitglieder. Die Autorin beschreibt diese Dinge abseits der alten Normen sehr sensibel und bindet sie organisch in ihre Geschichte ein. Während der Reise durch das Weltall lernt der Leser zusammen mit Rosemary viele verschiedene Konzepte romantischer Beziehungen kennen, die alle gleichberechtigt nebeneinander stehen und für die alle Akzeptanz dargebracht wird, auch wenn Rosemary manchmal noch etwas irritiert von einigen der Konzepte ist. Sie kann ihre Vorbehalte jedoch überwinden, und das ist es ja, worauf es ankommt.

Für mich war das der herausragendste Aspekt des Romans, der mich am meisten beeindruckt und abgeholt ist. Hauptsächlich geht es nämlich um Akzeptanz einander gegenüber, egal wie fremd der andere einem im ersten Augenblick erscheinen mag. Irgendwo finden wir meist eine gemeinsame Basis. Das ist es, was den Roman für mich zu einem Wohlfühlroman macht. Er hat eine wunderbar warme und herzliche Atmosphäre und der Umgang der Crew untereinander ist so herrlich supportive und verständnisvoll. Es ist schön, so etwas zu lesen.

Einen einzigen kleinen Kritikpunkt habe ich: Der englische Kappentext deutet noch stärker an, dass viele der Crewmitglieder ihre kleinen und großen Geheimnisse hat: »But Rosemary isn't the only person on board with secrets to hide, and the crew will soon discover that space may be vast, but spaceships are very small indeed.« (Quelle: Amazon) Davon merke ich in der Erzählung nicht viel. Es wird immer mal wieder am Rande erwähnt, aber dafür, dass es im Klappentext so betont wird, ist davon im Roman nicht viel zu spüren. Spannung wird durch die Geheimniskrämerei, die nicht wirklich eine ist, nicht viel aufgebaut.

Abgesehen davon bleibt »The Long Way To A Small Angry Planet« ein wunderbarer Wohlfühlroman, der seine Leser in eine Menge schöner, angenehmer Gefühle hüllt. Er sensibilisiert für nonbinäre Pronomen und für Beziehungen abseits der cis-hetero-Norm sowie für eine ganze Menge gegenseitiges Verständnis und Unterstützen. Wenn es in den Weiten des Weltalls klappt, dann bekommen wir das auf der Erde doch sicher auch hin, oder?


Autor: Becky Chambers
Titel: Wayfarer: The Long Way To A Small Angry Planet
Sprache: Englisch
Reihe: Band 1
Seiten: 404
Originalpreis: £8.99
Verlag: Hodder & Stoughton
Genre: Science Fiction
ISBN: 978-1-473-61981-4
Erscheinungsjahr: 2015

Weitere Rezensionen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen