Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Freitag, 24. November 2017

Rezension: Der Kreis der Magie (Ardeen #1) von Sigrid Kraft

© Sigrid Kraft, Quelle: Amazon
Hinweis: Die Rezi erschien vor knapp zwei Jahren auf Amazon, ich habe sie nun für den Blog noch einmal etwas überarbeitet.

Mehr durch Zufall stieß ich auf die Autorenseite der Selfpublisherin Sigrid Kraft: Ardeen.de. Ein wenig angefixt auch durch das groß angepriesene Weihnachtsangebot der E-Books für knapp 2€ klickte ich mich durch die Seite und kaufte ich mir gleich die ersten drei Bände. Nach dem Lesen des ersten Bandes weiß ich, dass das wieder einmal ein großer Fehler war. Ich kann nur sagen: Lasst die Finger davon und lasst euch nicht von Lobhymnen darauf täuschen!


Der junge Eryn wächst abgeschieden von der restlichen Welt in den Bergen Nordardeens auf. In der Clangemeinschaft der Fenn, fern ab jeglicher Magie, wird ihm beigebracht, die Zauberei zu verteufeln und an die Macht der Götter zu glauben. Als Krieg das Land überzieht, wird er in den Strudel der Geschehnisse hineingezogen. Von seinen Feinden schließlich in die Tieflande verschleppt, entdecken Zauberer zufällig, über welch großes magisches Potential er verfügt und eine ganz neue Welt beginnt sich ihm zu eröffnen. Mühsame Jahre des Lernens beginnen und Eryn versucht die Geheimnisse, die sich um ihn ranken, zu entschlüsseln. Wobei sich die Dinge oft als ganz anders herausstellen, als zunächst vermutet. Die Welt Ardeens ist ein Ort voller Magie und Fabelwesen. Mit viel Witz und Ironie entwickelt sich die Geschichte in meist kleineren abgeschlossenen Kapiteln. Und man merkt schnell, dass auch Magier mit recht alltäglichen Problemen zu kämpfen haben ...
(Quelle: Amazon)


Schon allein die Inhaltsangabe ist tückisch. Abgesehen davon, dass sie viel zu lang ist, verspricht sie unter anderem Witz und Ironie. Das habe ich vergeblich im gesamten Roman gesucht. Humor ist zwar unterschiedlich, aber für mich sieht das alles ausgesprochen humorlos aus. Auch kleinere Kapitel werden angepriesen, welche aber in Wahrheit im Durchschnitt 35 Seiten besitzen. Das ist zwar auch nicht übermäßig lang, aber alles andere als »klein«. Für Leser, die tatsächlich kurze Kapitel bevorzugen also eine eindeutige Fehlinformation.

Die größte und maßgeblichste Schwäche des Textes ist jedoch das fehlende Lektorat, mit dem alles andere einhergeht.

Nicht einmal die grundlegenden Dinge wurden vom Korrektorat (ich will nicht vom »Lektorat« sprechen) ordentlich ausgeführt. Noch immer finden sich unzählige Zeichen-, Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie verdrehte Syntax und wechselnde Anredeformen (mal »Ihr« mal »Sie«) in dem Text. Ich wurde nicht zuletzt wegen der fortlaufend falsch gesetzten Anführungszeichen auf nahezu jeder Seite fündig. Dabei ist die dritte Auflage, die ich besitze, bereits die überarbeitete. Davon sieht man nichts.

Auch der Einstieg ist völlig misslungen. Der erste Satz ist trocken und öde und macht keinerlei Lust auf mehr. Er wird direkt gefolgt von einer ebenso trockenen Aufzählung des Aussehens der Umgebung und des Protagonisten Eryn im Stile: »Die Blumen sind bunt und die Bäume sind grün. Der Protagonist hat blonde Haare und blaue Augen.«

Vergessen wir nicht die schwülstigen Metaphern und viel zu überladenen Sprachbilder wie »grüne Riesen« statt »Bäume« und dergleichen mehr. Das ist Schwulst übelster Sorte, der so nicht einmal zum Rest des Textes passt.

Der Stil lebt von kurzen Hauptsätzen und Hauptsatzreihungen. Komplexere Sätze sind im Text so gut wie nie zu finden. Das macht die Narration stakkatoartig, sprunghaft, gehetzt und abgehakt und lässt sie teils sogar sehr kindlich und schlicht wirken, als würde mir ein Grundschüler die Geschichte erzählen.

Die Wortwahl ist in den allermeisten Fällen sehr einfach und schlicht gehalten, selten bis nie findet man Worte einer gehobeneren Sprachebene. Sind sie jedoch anzutreffen, so stechen sie heraus wie ein bunter Hund, denn sie passen vorn und hinten nicht in den Text. Ein Beispiel ist weiter oben bereits aufgeführt worden. Weitere Beispiele sind die Wörter »Jüngling« und »Bursche«. Solche Wörter wurden in einer Gesellschaft gewählt, deren Sprache sind grundlegend von der simplen Sprechweise der Bewohner Ardeens unterscheidet.

Gelegentlich lässt sich auch ein sehr bäuerlicher Stil ausmachen, dann, wenn Personen einfacheren Gemüts sprechen (wenn auch da nicht konsequent durchgezogen). Das ist insofern in Ordnung, da hier im Ansatz eine nonproportionale Semantik vorliegt. Wird jedoch in den gehobenen Stil gewechselt, dann erfolgt dies in der Regel ohne besagte Semantik, also ohne, dass damit etwas nonverbal und nur über die Form des Textes ausgedrückt wird. Die besagten Ausrutscher in die höhere Stilebene haben keinerlei Sinn und Funktion und stören sogar erheblich den Lesefluss, da man sich fragt, was das nun soll.

Insbesondere im ersten Viertel des Textes wird überproportional stark auf den narrativen Erzählmodus zurückgegriffen. Die Erzählerstimme kaut dem Leser vor, was passiert, ohne die Geschehnisse in aktiver Handlung wiederzugeben. Die Distanz zwischen Handlung/Figuren und dem Leser ist hier enorm.

Unter anderem durch die Wahl des Modus ist es dem Leser nicht möglich, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen, zu keiner von ihnen. Man kann sich mit ihnen nicht identifizieren und keine emotionale Bindung aufbauen, da sie so weit vom Leser entrückt sind. Das ermöglicht es dem Leser ebenso nicht, mitzufiebern und Partei zu beziehen. Man ist in keinster Weise vom Schicksal irgendeiner Figur berührt.

Ebenso ist es durch den narrativen Modus nicht möglich, dass der Leser selbst die Geschichte erlebt. Er wird vom Erzähler an die Hand genommen und durch die Geschichte geführt, ohne ihm auch nur die geringste Möglichkeit zu geben, von dem von der Autorin indoktrinierten Pfad abzuweichen. Damit entmündigt sie ihre Leser und spricht ihnen jegliche Fähigkeit ab, selbstständig über das soeben Gelesene zu reflektieren und sich eigene Ansichten zu bilden.

Auch aus rein linguistischen Aspekten heraus betrachtet finden sich etliche Problemherde. Schon allein der auf der Autorenseite angegebene Fakt, wie in Ardeen die Namen gebildet werden, widerspricht jeglichen onomastischen und linguistischen Grundlagen: würfeln, grundgütiger! Namen haben eine Bedeutung und sind nicht völlig zufällig zusammengewürfelt, auch wenn diese Bedeutung nicht immer der eigenen Sprache entspringen muss. Er ist keine sinnlose Abfolge von einzelnen Lauten, sondern hat eine ganz konkrete lexikalische Bedeutung.

Eine weitere Katastrophe ist das Wort »unhaer«, welches die Bedeutung »unmagisches Land« besitzt. Schon allein, indem man die beiden Wörter nebeneinanderstellt, sieht man den Katastrophenherd: die Silbe »un«. Es handelt sich hierbei um einen eindeutig deutschen Präfixpartikel, der folgende Funktion hat: »verneint in Bildungen mit Adjektiven und Partizipien deren Bedeutung« (Zitat aus Duden.de). Es ist aber aus offensichtlichen Gründen unmöglich, dass die Sprache von Ardeen jemals Sprachkontakt zur deutschen oder englischen Sprache erfahren hat.

Was uns zur nächsten linguistischen Katastrophe führt: Wörter des englischen Lexikons in einem deutschen Text. Ich kann damit leben, wenn ein Fantasy-Autor sagt (und es ist eine sehr gute Erklärung, die auch Tolkien vornahm), dass er in seinem Werk die in der Welt gesprochene Fantasysprache in die Sprache übersetzt hat, in der er schreibt. Dann sollte er jedoch auch bei dieser einen Sprache bleiben und nicht ohne jeglichen Sinn und Verstand Wörter anderer Lexika als dem eigenen verwenden. Hier betrifft das speziell Wörter wie »Sir«, »Lady« oder »scannen«.

Und zu guter Letzt der Name »Fingold«, den ich sehr persönlich genommen habe. Ich stelle kommentarlos die Namen »Finrod«, »Fingolfin» und »Glorfindel« mit seiner Bedeutung »Goldhaar« gegenüber und füge nur an: Christopher Paolini zeigte uns zwar, dass der Mainstream damit Erfolg haben kann, wenn man nach Lust und Laune bei anderen klaut, jedoch auch, dass das noch lange, lange kein gutes Buch ausmacht. Weitere Namen sind Askir (eine Fantasy-Reihe von Richard Schwartz) und Harkon (eine Figur dem The Elder Scrolls V: Skyrim DLC Dawnguard) sowie weitere. Die Häufung dessen kann kein Zufall mehr sein.

Das war zudem kein Einzelfall. Etwas komplexere Magiesysteme sind in meinen Augen durchaus essenziell für eine bestimmte Art von Fantasy, die hier auch vorliegt. Aber sammeln wir die Fakten und stellen sie ihren Originalen gegenüber. Die zwölf Kreise finden ihre Entsprechungen unter anderem in den Schulen der Magie in den Elder Scrolls Spielereihen. Verschiedene Spielarten der Magie dergestalt, dass man sie in unterschiedliche Disziplinen einteilt, ist also bei weitem nichts Neues. Dann der Umstand, wie Eryn seine Magie erlangte: Ein extremes Ereignis (in seinem Fall der Verlust der Hand) sprengte die Blockierung seiner Magie. Auch den Drachenreitern in Alagaësia ergeht es ebenso, so beispielsweise Eragon, welcher seine Magie erst dann einsetzen konnte, als er mit Brom in das von den Urgals zerstörte Dorf kam und er sich in einer lebensbedrohlichen Situation wiederfand.

Einige weitere gravierende Stil- und Formfehler, die jedes Lektorat zu Recht verbessert hätte, sind folgende:
- Fettgedruckt, unterstrichen
- Leerzeilen statt Absätze (und das auch noch nicht einmal konsequent)
- Capslock
- Wortwiederholungen
- Satzzeichen, welche im Rudel auftauchen (will explizit heißen: !!! und andere)
- Farbige Schrift (in der Kindle Edition)
Letzteres geht mit einem massiven Problem einher: Statt es einfach zu sagen, wer soeben spricht, ist der Leser gezwungen, sich zig Farben zu merken, die zudem teils auch mehrfach belegt sind. In keinem einzigen Fall der Gedankenrede wird gesagt, wer soeben denkt. Und was ist denn nun, wenn man ein Gerät hat, das keine Farben darstellt? Einheitsbrei?  Wenn man vergessen hat, welche Farbe für welche Person steht, muss man es sich aus dem Kontext erschließen. Was oftmals auch nicht unproblematisch ist und damit zum nächsten Punkt überleitet: die Charakterisierung.

Es gibt einen Begriff, der exakt auf die Charaktere zutrifft: Pappaufsteller. Das bedeutet, dass die handelnden Figuren keinerlei Profil haben, Tiefe geht ihnen völlig abhanden. Ich habe es getestet: Man kann einen beliebigen Namen nehmen und ihn durch einen ebenso beliebigen anderen Namen austauschen und es macht keinen Unterschied. Das macht eine Identifikation nebst der bereits angesprochenen Moduswahl noch einmal wesentlich schwieriger.

Das wenige, das an Charakterisierung gegeben ist, lebt von Extremen. Die Welt soll eigentlich grau gestaltet sein: weder gut noch böse. In der Realität wurde das nicht umgesetzt, einen Mittelweg scheint die Autorin nicht zu kennen. Entweder schlägt es ins Extreme und Plakative aus wie bei Raiden, der völlig überzeichnet boshaft und arrogant ist, oder die Figuren sind Pappe.

Des Weiteren handeln die Charaktere oft inkonsequent und/oder unlogisch. Gleich zu Beginn beispielsweise scheint es Aileen ja offenkundig nicht zu interessieren, dass Eryn sie gerade bespannt hat. Ganz im Gegenteil hat sie sogar nichts Besseres zu tun, als ob ihrer eigenen Entscheidung, eine Kriegerin zu werden, zu heulen und zu jammern, dass sie ganze fünf Jahre lang Eryn wird nicht anrühren können. Selbiger jammert später, dass fünf Jahre sein halbes Leben ausmachen würden.

Sind wir ehrlich: Fünf Jahre sind ein Witz. Ja, sie können lang werden, aber doch bei weitem nicht so sehr, dass sie solch ein theatralisches Gesülze rechtfertigen.

Des Weiteren ist Eryns Übergang zu der Ansicht, dass Magie ja doch in Ordnung sei, zu inkonsistent. Mal heißt es aus irgendwelchen Gründen, Magie sei böse. Ja, aber warum? Warum wollen die Götter das so? Aber im nächsten Moment kommt es Eryn in den Sinn, dass Magie ach so wundervolle Dinge vollbringen kann, nur um dann gleich darauf wieder in seine alte, unbegründete Manier zu verfallen, dass es ja ganz verderblich sei.

Er ist mit einer bestimmten Denkweise aufgewachsen, die er sein ganzes Leben lang beibehalten hatte. Er ist dementsprechend äußerst sattelfest in seinem Glauben und in seinen Weltanschauungen. Menschen sind nun aber keine rationalen Wesen. Daher erscheint es äußerst unglaubwürdig, dass Eryn durch ein paar Schriften diverser Gelehrter, die er selbst als äußerst trocken und langweilig empfindet, zur Ansicht gelangt, dass sein gesamtes Weltbild bisher falsch war. So, wie er sich bis zu dem Zeitpunkt verhält, schätze ich ihn als religiösen Fundamentalisten ein. Solche Leute kann man nur sehr schwer bis gar nicht von ihrem Glauben abbringen. Für Eryn bedarf es einer Handvoll verstaubter Theoretiker.

Ich kann nur mutmaßen, dass die Autorin eigentlich eine durch die Folter erfolgte Konditionierung auf die »richtige« Weltanschauung intendiert. Wenn dem so ist, dann kommt das beim Leser nirgends an.

Auch, dass Eryn und Ravenor Freunde werden, ist sehr an den Haaren herbeigezogen. Sie, salopp gesagt, polieren sich ein paar Mal ordentlich die Fresse und kommen dann plötzlich auf die Idee, dass sie doch eigentlich Freunde sind. So und nicht anders wurde es beschrieben.

Die nicht vorhandene Charakterisierung der Figuren verknüpft mit der bereits weiter oben angesprochenen Narration führt zu weiteren Logiklöchern. Bedingt durch den exzessiv gebrauchten narrativen Modus auch im weiteren Verlauf des Textes wirken viele Passagen gehetzt und hingeschmiert. Es ist dem Leser nicht möglich, innezuhalten und das Gelesene zu verarbeiten.

Eine konkrete Szene, die mir sehr sauer aufstieß, war Aileens erste Vergewaltigung. Was die Autorin hier gemacht hat, war ein Schlag in die Gesichter aller Vergewaltigungsopfer. Erst wurde ewig um das eigentliche Thema herumgetänzelt und um den heißen Brei herumgeredet. Als sie endlich auf den Punkt kam, wurde das Ganze in zwei kaum aussagekräftigen Sätzen abgefrühstückt, als würde sie sich plötzlich zieren, das Wesentliche aufzuschreiben. Der Vergewaltiger legte sich auf Aileen und im nächsten Satz war er fertig. Es kommt mit keinem Satz, mit keiner verbalen oder nonverbalen Äußerung beim Leser an, wie entsetzlich seine Tat ist. Das einzige Entsetzen, das bei mir ausgelöst wurde, war über die Knappheit der Szene, mit der alles verharmlost wird.

Selbiges konnte ich auch zuvor beobachten, wo Eryn mit seinem Vater in das Hurenhaus ging. Das Kernelement, worum es dabei ging, nämlich Eryns Entjungferung, wurde in einem einzigen kleinen Absatz abgehandelt, der nicht einmal ansatzweise ins Detail ging und meiner Meinung nach zudem realitätsfern war.

Bei sämtlichen Szenen, in denen es um Sex ging, fiel mir das auf, ebenso dass alle, auch Eryn, nur mit ihren Schwänzen zu denken scheinen. Allerdings waren die Sexszenen beileibe nicht die Einzigen. Wie bereits oben angesprochen, ist sehr oft der narrative Modus gewählt. Es wird nicht nur erzählt, was geschieht, es werden auch an anderer Stelle wesentliche Kernelemente weggelassen.

Ein Beispiel dafür war Eryns und Ravenors Bestrafung. Damit diese Szenen halbwegs logisch hätten erscheinen können, fehlen wesentliche Elemente in der Narration. So fragt sich der Leser nur, welchen Grund es haben kann, dass die beiden nicht elendig verrecken.

Erst werden sie zwölf Stunden an den Pfahl gebunden, nachdem sie zuvor stockbesoffen waren. Sie sind also nach diesen zwölf Stunden stark dehydriert. Ein Mensch kann es wenige Tage ohne Wasser schaffen, aber schon diese Zeit reicht aus, um ihn merklich zu schwächen. Dann kommt die Auspeitschung mit satten fünfzig Peitschenhieben. Ihnen wurde also wortwörtlich die Haut vom Rücken gerissen, die Peitschenhiebe erfolgten am Ende auf rohes Fleisch. Sie wurden dabei magisch bei Bewusstsein gehalten. Dabei ist Ohnmacht ein natürlicher Schutzmechanismus eines Körpers, um ihn vor zu großen Schmerzen zu bewahren. Allein der Schock über ihre Schmerzen hätte sie also umbringen müssen, zumal ausdrücklich geschrieben steht, dass ihnen keinerlei magische Heilung zugutekam.

Aus irgendwelchen Gründen, die nicht genannt sind, überleben die Beiden das aber, obgleich das nicht hätte möglich sein dürfen. Statt ihren Organismen aber die zwingend nötige Rehabilitationszeit zu gönnen, werden sie einer Tortur unterzogen, die selbst gesunde Personen an ihre Grenzen bringen kann. Wenn sie nicht durch die Peitsche gestorben sind, so hätten sie es spätestens jetzt tun müssen.

Die Autorin wiederspricht sich spätestens an dieser Stelle selbst. Auf ihrer Seite schreibt sie, dass sie es als Missstand erachtet, dass Helden einer Geschichte zahlreiche Wunden erleiden und doch unter keinerlei Beeinträchtigungen dadurch leiden. Aber was ist das hier anderes als genau dieser »Missstand«?

Eine weitere Ungereimtheit ist der Umstand, dass Eryn augenscheinlich nicht einmal im Ansatz unter dem Seelenbann leidet, den Raiden ihm auferlegte. Laut Raiden war es für ihn eine Folter sondergleichen, als er dasselbe erlebte. Wenigstens fragt er sich, warum das bei Eryn nicht so ist. Was zum nächsten Punkt führt: Eryn ist das, was man landläufig als eine Gary Stu bezeichnet. Ihm gelingt alles erstaunlich schnell, Rückschläge sind bedeutungslos, er ist der Sympathieträger der anderen Charaktere, und zwar fast ausnahmslos, er steht stets im Mittelpunkt und zu guter Letzt und am wichtigsten: Er ist ach so besonders mit seinen zwölf Kreisen der Magie. Wo aber sind seine Schwächen? Wo ist generell seine Menschlichkeit, die ihm genauso abhandenkommt wie dem Rest der Figuren?

Das Fazit ist: Was man beim Schreiben eines Buches falsch machen kann, wurde hier falsch gemacht. Ein Vergnügen beim Lesen stellt sich beim besten Willen nicht ein, denn man will das Werk am liebsten einfach nur nehmen und so lange schütteln, bis sich ein ordentliches Buch ergibt. Was bedeutet, dass man es lange wird schütteln müssen. Selbst meine 2€ waren dafür zu viel Geld, das ich ausgab. Ich werde dennoch auch die nächsten beiden Bände lesen und kommentieren, in der Hoffnung, dass sich vielleicht eine kleine Besserung einstellt.


Autor: Sigrid Kraft
Titel: Ardeen: Der Kreis der Magie
Sprache: Deutsch
Umschlag- und Innenillustration: Sigrid Kraft
Reihe: Band 1
Seiten: 508
Originalpreis: 7,99€
Verlag: Fahnauer Verlag
Genre: Fantasy
ASIN: B00H8SESUA
Erscheinungsjahr: 2013

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