Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Dienstag, 17. April 2018

Rezension: Schnee wie Asche (Snow like Ashes #1) von Sara Raasch


Manche Menschen spüren, dass sie von Kindesbeinen an zum Autor geboren sind. So erging es auch der jungen Sara Raasch, die mit »Schnee wie Asche«, dem Auftakt ihrer Trilogie, diesen Traum verwirklichen konnte. Allerdings sind Leidenschaft und Herzblut, so gut sie auch sein mögen, nun mal kein Garant dafür, dass der nächste Weltbestseller entsteht.

Meira ist eine der letzten Überlebenden des Königreichs Winter, das vor sechzehn Jahren vom verfeindeten Königreich Frühling angegriffen wurde. Die Bewohner Winters sind versklavt und die Magie des Reiches in Form eines Magsignie genannten Amuletts wurde vernichtet. Zusammen mit den wenigen Überlebenden formt Meira eine verzweifelte Widerstandszelle. Doch zehn ausgehungerte Rebellen gegen ein ganzes Königreich? Dennoch wagt es Meira, gegen Frühling vorzugehen, als ihr zu Ohren kommt, dass die verschollenen Amuletthälften wieder aufgetaucht sind. Die letzte Hoffnung ihres Volkes liegt auf ihren Schultern.


So weit, so gut. Irgendwie erwartet man nach dieser Inhaltszusammenfassung vor allem ein Roman, in dem die Protagonistin in irgendwelchen entlegenen Winkeln herumkraucht, dem Amulett nachjagt und überhaupt allerhand Abenteuer quer durch die ganze Karte erlebt. Das, was der Leser dann am Ende bekommt, hat damit nur bedingt etwas zu tun, und das war in mehrerlei Hinsicht enttäuschend, nicht nur, weil man nicht wirklich das bekommt, was man erwartet.

Der Weltenbau ist durchaus interessant und macht neugierig. Wir haben die acht Magsignien, Amulette, in denen die Magie der jeweiligen Königreiche begannt ist. Derer gibt es ebenfalls acht: vier Rhythmus-Königreiche und vier Jahreszeitenkönigreiche. Mit den Magsignien können die Herrscher bestimmte Eigenschaften ihrer Untertanten verstärken, zum Beispiel Mut und Kraft. Mehr Magie gibt es nicht, weil die Quelle der Magie schon vor langer, langer Zeit verloren ging.

An und für sich eine interessante Ausgangssituation. Leider geht das völlig unter langweiligen Charakteren und einem 08/15 Plot verloren. Jahrelang begleitet Meira Mather, einen der wenigen Überlebenden, Altersgenosse und zukünftiger König von Winter – sollte das Reich jemals wieder auferstehen. Die beiden gehen durch dick und dünn und sind beste Freunde für’s Leben. Ganz nebenbei sind beide auch noch ineinander verknallt, aber das darf ja nicht sein, weil er der König ist und sie ein Niemand (das merken wir uns mal bitte). An und für sich geht das alles aber gut und ein sonderlich großer innerer und äußerer Konflikt entsteht dadurch nie. Sobald Mather aber an einer Stelle zusammen mit anderen durchtrainierten Männern mit nacktem Oberkörper erscheint, fliegt Meira förmlich das Höschen weg und sie verfällt in Begattungsstarre. Ach, auf einmal?!

Außerdem bringt uns das diese Stilblüte ein: »Mathers Bauchmuskeln, die aussehen, als könnten sie einen Kuhnacken durchtrennen, wirken neben Theron und drei duzend anderen Soldaten nicht mehr ganz so umwerfend.« (S. 188) Mir fliegt auch gleich was weg, und das ist ganz bestimmt nicht mein Höschen, sondern etwas deutlich stabileres.

Erinnern wir uns Meiras Stellung in der Gesellschaft: gemeines Fußvolk, das zufällig in die Position des letzten Widerstandes eines untergegangenen Volkes geriet. Das macht sie aber immer noch nicht zu einer politisch wichtigen Person, jedenfalls nicht für ein anderes Land außer Winter und Frühling, den beiden Konfliktparteien. Dennoch wenden sich die Rebellen mitsamt Mather an eines der Rhythmus-Königreiche, um ein Bündnis mit ihm gegen Frühling zu erwirken. Und was ist der Preis? Meira soll an den Kronprinzen des Reiches verheiratet werden. Wieso? Es erschließt sich mir absolut nicht. Sie hat keinerlei Wert für das Reich, da sie auch für Winter nicht diese Bedeutung nach außen hin hat. Warum sollte man darauf eingehen und den eigenen Kronprinzen an irgendwen verheiraten? Meira kann (zu diesem Zeitpunkt) nichts von Wert zu diesem Bündnis beitragen.

Zu diesem Zeitpunkt. Das ist das Stichwort. Denn wie es der Zufall so will, ist natürlich an Meira viel mehr dran, als es das Auge zunächst sieht. Der Roman kommt mit einer Menge Tropes daher und arbeitet diese nicht sonderlich kreativ auf. Rebellen, die für ihre Freiheit kämpfen, verschollene Erben, all der Kram.

Zusätzlich wartet er auch noch mit einer Fülle an Logikfehlern auf. Da gab es diese Stelle, wo noch einmal extra betont wird, dass die Magsignie eines Landes aus Grund XY keinen Einfluss auf die Bewohner eines anderen Landes hat. Eine Seite später passiert aber genau das. Wozu wurde das dann also etabliert und dann noch mal extra betont, um eine Seite später über den Haufen geworfen zu werden?

Als ich ein Foto der ersten Seite des Romans auf Twitter postete, entbrannte übrigens eine sehr interessante Diskussion darum, was alles auf dieser einen einzigen Seite mit dem Schwertkampf falsch läuft. Zusammengefasst ist dies: Meira trainiert seit fünf Jahren den Schwertkampf, kann aber weder blocken, noch kennt sie Fachtermini oder kann überhaupt vernünftig mit dem Schwert umgehen, was über »unkontrolliertes Fuchteln« hinausgeht. Mathers Trainingsmethoden lauten: »Mach das so, weil Keks.« Außerdem scheint er Gummiarme zu haben, denn er kann mit der »dumpfen« (sic, nicht etwa der stumpfen) Schwertseite Meira in die Kniekehlen schlagen, während sie sich beide gerade frontal gegenüber stehen und einander in die Augen schauen. Das scheint Meira übrigens nicht sonderlich zu beeindrucken. Tut ja auch gar nicht weh, so ein Stück harten Stahl in die Kniekehle zu bekommen. Wie gesagt: Das war die allererste Seite.

Wir haben also eine Menge inhaltlicher Fehler und Logiklücken, sowie ein schlampiges Lektorat und die Übersetzung war auch nicht immer die beste.

Das macht den Roman zu einem kleinen Happen für zwischendurch. Es ist ok, wenn man ihn gelesen hat, aber sonderlich bereichernd war er nicht. Ein durchaus Interesse weckender Weltenbau geht unter einem Haufen langweiliger Charaktere und Widersprüchen unter.


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Reiheninformation
Autor: Jana Seelig
Titel: Schnee wie Asche
Original: Snow Like Ashes
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Antoinette Gittinger
Umschlagillustration: Jeff Huang
Reihe: Band 1
Seiten: 464
Originalpreis: 24,99€
Verlag: cbt
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-570-3969-8
Erscheinungsjahr: 2015

Kommentare:

  1. Hallo lieber Bücherdrache!

    Beim Lesen deiner Rezension habe ich nicht nur einmal den Kopf geschüttelt. Eigentlich stand das Büchlein auf meiner Wunschliste, aber da ist es jetzt definitiv wieder runter gewandert. Wie dich auch, nerven mich solche Logikfehler sehr. Wobei ich mir nie sicher bin, ob da die Übersetzung einfach nicht passt, oder ob die Fehler von vornherein drin sind.

    Wegen des Schwertkampfthemas: Erst vor Kurzem habe ich mit meiner Mutter über ein Buch gesprochen, in welchem das Ski fahren eine große Rolle spielt. [Nun komme ich aus Österreich, wohne ganz in der Nähe des nächsten Skigebiets und stand schon mit fünf auf den Skiern.] Die Autorin schreibt ausführlich über diesen Sport, war aber offensichtlich noch nie auf einer Piste, so viele an den Haaren herbeigezogenen Dinge wie in dem Buch zum Ski fahren standen. Nicht anders wird es hier mit dem Schwertkampf sein. Schade!! Wenigstens ein bisschen erkundigen sollte man sich schon zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten des eigenen Protagoisten. Insgesamt lässt mich deine Rezi also enttäuscht zurück, dennoch danke für deine ehrliche Meinung. Ich greife dann gerne zu einer anderen Fantasy Reihe.

    Liebste Grüße
    Nina von

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    1. Hallo,
      Ich glaube, solche Fehler sind von vornherein drin, da kann eine Übersetzung ja nur bedingt was graderücken.
      Das fuchst mich auch total, wenn über ein Thema, bei dem ich mich gut auskenne, in Büchern ein Haufen Murks steht!
      Und ich glaube, es gibt genug gute Fantasy Reihen da draußen, die noch auf einen warten. Da ist es um eine vielleicht nicht wirklich schade.
      Liebe Grüße

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