Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Samstag, 30. März 2019

Lesung: Tolkien Meets Steampunk - Swantje Niemann liest auf der Leipziger Buchmesse aus ihrem Roman Drúdir 2


Tolkien meets Steampunk
Swantje Niemann liest auf der Leipziger Buchmesse aus ihrem Roman Drúdir 2

Was wäre, wenn eine Welt wie Tolkiens Mittelerde eine industrielle Revolution erleben würde, fragte sich Autorin Swantje Niemann. Und schwupps, war die Idee zum magiebegabten Zwerg Drúdir entstanden. So berichtet sie den gespannt lauschenden Zuschauern am Sonntag der diesjährigen Leipziger Buchmesse.

Man merkt ihr die anfängliche Unsicherheit an. Die Worte purzeln zunächst übereinander und ihre Stimme zittert etwas. Aber he, ich hätt’s nicht besser gekonnt in dem Moment. Das ganze gibt sich, sobald sie anfängt, aus ihrem neuesten Roman zu lesen.

Ich hatte bereits den ersten Band der Reihe gelesen und wundere mich daher zunächst, dass sie keine Szene wählte, in der Drúdir selbst auftritt. Nach und nach geht mir aber auf, dass das ein recht cleverer Schachzug war, da die gewählte Stelle neugierig macht, wer denn nun Drúdir sei. (Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass man den ersten Band nicht unbedingt gelesen haben muss, um »Masken und Spiegel«, so der Titel des zweiten, verstehen zu können.)

Wie auf der Messe üblich gibt es einen harten Kern ganz vorn, der gespannt zuhört (nein, der war ganz bestimmt nicht um mich versammelt, niemals!), während man sich dahinter ausruht, der Lesung folgt, dabei eine Stärkung zu sich nimmt oder vielleicht auch einfach nur da ist, um mal die rauchenden Füße auszuruhen. Während die Massen an der Leseinsel vorbei ziehen, hört doch der Gros der Zuhörer gespannt zu. Ganz besonders ein kleines Mädchen, das ein Eis hatte abstauben können und munter vor der Bühne herumturnt, um Swantje ihr das Eis vorzukauen. Gemein! Ich will auch Eis!

Alles in allem war es eine gute, wenn auch keine herausragende Lesung. Hier ein Kaliber a lá Heitz zu erwarten, wäre allerdings zu viel. So war die Lesung in ihrem Rahmen durchaus gelungen und mit mehr Erfahrung (die hoffentlich kommt, sie sei Swantje gegönnt!) kommt auch mehr Routine und Sicherheit. Immerhin gab’s nach der Lesung durchaus ein paar verkaufte Exemplare mehr am Stand der Edition Roter Drache, und damit ist doch alles erreicht. Nicht wahr?



Die Veranstaltung: Swantje Niemann liest aus Masken und Spiegel (Drúdir #2), Moderation: Swantje Niemann, Messegelände, 24.3.2019, 12.30 Uhr

Das Buch: Swantje Niemann: Masken und Spiegel (Drúdir #2). Edition Roter Drache, Remda-Teichel 2019, 368 Seiten, 16,00 Euro


Swantje war so lieb und schilderte für mich ihre Lesung aus ihrer Sicht. Mich hatte schon immer brennend interessiert, wie das so für Autor*innen ist, daher freue ich mich sehr, dass sie in meine Bitte einwilligte! Also bitte sehr: Ein kleiner Einblick hinter die Kulissen einer solchen Lesung.

Lesungen!

Ich konnte es kaum glauben, als mein Verleger mich in einer Mail fragte, wie meine Lesung für die Leipziger Buchmesse angekündigt werden sollte. Meine. Lesung. Für. Die. Leipziger. Buchmesse. Es war keineswegs meine erste Lesung, aber die erste in einem so großen Rahmen.

Die Vorbereitung glich allerdings der früherer Lesungen. Ich musste eine Stelle aussuchen und mir überlegen, was ich in den unbehaglichen ersten Minuten erzählen sollte, bevor ich in den Text eintauchte. Diesmal war ich in einer besonders schwierigen Situation, weil ich einen zweiten Band präsentierte. Die Stelle die ich auswählte, durfte keine Spoiler enthalten, und ich musste vorher kurz den Inhalt des ersten Bandes umreißen.

Amalia Zeichnerin hat auf Facebook von einer Autorenkollegin erzählt, die in jedes ihrer Bücher eine spoilerfreie Stelle schreibt, damit sie etwas zum Vorlesen hat. Ich denke, ich werde mir ein Beispiel daran nehmen, denn obwohl ich alles in allem sehr zufrieden mit „Drúdir – Masken und Spiegel“ bin, gibt es keine Szene, die wirklich heraussticht, und Spoiler lauern überall. Ich habe dann doch eine Stelle gefunden, aber war nicht 100% zufrieden. Der Zeitrahmen war typisch für eine solche Veranstaltung: ein 30-Minuten-Slot. Das reicht bei mir ungefähr für ein Kapitel, wenn ich es ein bisschen kürze.

Ich schrieb einen Einleitungstext und las alles meinem Freund vor, während er die Zeit stoppte. Den Text mindestens einmal laut gelesen zu haben, ist entscheidend. Dann können auch kleine Änderungen vorgenommen werden, z.B. Satzzeichen oder Absätze, die signalisieren, wo Atempausen hingehören, oder Kürzungen von Passagen, die unverständlich oder unnötig sind, wenn der Kontext fehlt.

Wie viele Frauen habe ich das Problem, dass ich eine eher hohe, leise Stimme mit vergleichsweise geringem Umfang habe. Das „leise“ behebt ein Mikrofon, aber der geringe Umfang kann zum Problem werden, wenn sich in einem Abschnitt drei Leute unterhalten. Meine Tricks, trotzdem verschiedene Stimmen hinzukriegen, sind folgende

  • variieren, mit wie viel „Luft“ ich spreche
  • Tempo variieren à ich habe z.B. den älteren Mann langsamer und bedächtiger sprechen lassen und es dafür nicht damit übertrieben, mich an einer tiefen Stimme zu versuchen
  • Kleine Manierismen. Macht eine Figur z.B. mehr Pausen oder streut mehr „Ähm’s“ ein?
  • Emotion à nervöses Kichern, belegte Stimme, …

Das alles probiere ich immer erstmal zu Hause aus. Auf der Bühne gelingt es mir verblüffend gut, denn auf sonderbare Weise fällt die Nervosität von mir ab, wenn ich erst einmal zu lesen beginne. Es sind immer nur diese ersten Minuten freien Sprechens, die mir schwer fallen.
Wenn ich freier darin bin, was für Stellen ich auswählen kann, entscheide ich mich gerne für solche, in denen sich in irgendeiner Weise der Status Quo verändert, und breche ab, wenn klar geworden ist, was für ein Konflikt sich anbahnt, oder aber bevor der Konflikt seinen Höhepunkt erreicht. Viele Autor*innen bringen gerne Actionszenen mit, aber gerade deshalb bin ich mit so etwas vorsichtig. Es kann ermüdend sein, wenn drei Autor*innen hintereinander Kampfszenen vorlesen, und eine Verfolgungsjagd oder ein Kampf, bei dem man die beteiligten Figuren nicht kennt, sind in einem Buch nicht annähernd so effektiv, wie sie es in einem Film wären, wo eine schöne Choreographie und Kameraführung ausreicht, um sie zu tragen.

Falls ich eine längere Lesung plane, bevorzuge ich als Lesende und Zuhörerin mehrere kurze Abschnitte. Menschen konzentrieren sich in der Regel ungefähr sieben Minuten am Stück, und dem können dann die Abschnitte angepasst werden.

Helfen solche Überlegungen und Vorbereitungen gegen die Aufregung? Nicht wirklich. Aber das  Gefühl, mit weichen Knien aufzustehen und von völlig Fremden gesagt zu bekommen, dass man ihr Interesse geweckt hat und sie jetzt das Buch kaufen wollen, ist es absolut wert, diese in Kauf zu nehmen.

1 Kommentar:

  1. Hey

    Ein toller Bericht zur Lesung und sehr interessant, das Ganze aus beiden Perspektiven zu lesen. Es gibt ja sogar Überschneidungen, die zeigt, dass die Autorin eine gute Selbstwahrnehmung hat. Zu den Vorbereitungen etwas zu lesen, finde ich auch klasse.

    LG, Moni

    AntwortenLöschen

Die Kommentarfunktion auf dem Blog ist abgestellt, um Spam zu vermeiden, aber auch, weil ich all der relativierenden "Ja, aber ...!"-Kommentare müde wurde, die sich mehr und mehr häuften, besonders bei Posts, die keine reinen Rezensionen waren. Ihr könnt mich immer noch über Twitter erreichen.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.