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Sonntag, 10. Dezember 2017

Rezension: Krähenglut (Die Goulard-Saga #1) von Anna Neunsiegel

©Autorin, Quelle: Amazon
Es war ein Wechselbad der Gefühle. Der Jugend Fantasy Roman »Krähenglut«, Teil 1 der Goulard-Saga von Anna Neunsiegel, hat seine guten Momente – aber auch so einige Stilblüten.

Das Mädchen Eonie ahnt nicht, dass sie bald in einen Strudel sonderbarer Ereignisse hineingezogen werden soll, als jenseits des Kanals noch unbeachtet von der Weltgemeinschaft ein Junge als Mutprobe ein Amulett stiehlt und damit bösen Kräften Tür und Tor öffnet. Nur kurz darauf ist die Rede von einem Krankheitssyndrom, das viele Menschen mit Erstickungserscheinungen niederringt. Aber Eonie weiß es besser, denn sie sieht, dass geisterhafte Erscheinungen den Menschen ihre Lebensenergie rauben. Und das lässt sie ins Visier verschiedener verborgener Organisationen geraten, die gegen das Übernatürliche ankämpfen.


Wer Geschichten über Dämonen und Geister mag, wird hieran sicher seine Freude finden. Denn das ist auch die große Stärke des Romans. Auf schöne Weise bindet die Autorin verschiedene Sagen und Mythen über Kreaturen der Anderswelt in ihre Geschichte ein und baut eine durchaus unheimliche Geschichte auf, die sich gut in das neblige, herbstliche Setting einfügt.

Auch schön gelungen ist die Gestaltung des Buches. Das Cover ist wirklich schön gelungen und auch die kleinen Bildchen vor jedem Kapitel haben ihren Reiz.

Dann aber schlägt leider doch die Jugendbuch-Keule mit so einigen Klischees zu. Da haben wir zum Beispiel den Loveinterest frei nach dem Motto »Was sich neckt, das liebt sich«. Sie können sich beide von Anfang an nicht ausstehen, aber er ist ja SO!SCHÖN und geheimnisvoll und wundersamer Weise verfällt Eonie ihm dann doch. Wortwörtlich, denn sie sinkt theatralisch in seine Arme, als ihr Kreislauf schlapp macht.

Auch der Stil nimmt manchmal doch schon recht schmerzhafte Blüten an. Die Sprache ist ausgesprochen überladen, viele Formulierungen hätte man vereinfachen und damit lesbarer gestalten können. So zum Beispiel diese hier auf Seite 72: »Eonies kurze Fingernägel krallten sich hilflos in ihr Schlüsselbein und tasteten sich sanft umschlingend zu ihrer Kehle hin, als hätte man ihr soeben die Luft geraubt.« Dass sie sich einfach an den Hals fasst, hätte auch gereicht. Oder auf Seite 364: »Sie standen so dicht beieinander, dass sie die Tiefe seiner Augen buchstäblich ergründen konnte.« Oder eine Seite später: »Er versenkte seine Zähne leicht im Fleisch seiner Unterlippe, die Lider demütig gesenkt.« Was spräche hier zum Beispiel gegen »Er biss sich auf die Unterlippe«? Und warum etwas als »sachte wie der Flügelschlag eines Vogels« (S. 319) beschrieben wird, weiß ich mit Blick auf meine beiden Wellensittiche auch nicht. Wenn die fliegen, hat das nichts Sachtes an sich …

Ein inhaltlicher Fehler, der mir hin und wieder unterkommt, so auch hier: »altdeutsche Schrift« gibt es nicht. Entweder sprechen wir von einer Schrift im Sinne eines Textes in althochdeutscher respektive altniederdeutscher Sprache oder von Sütterlin oder der karolingischen Minuskel. Vermutlich ist hier wohl Sütterlin gemeint.

Die auch durch ihre Anzahl stark ins Auge fallenden Stilblüten haben mir in Verbindung mit etwas eigenwilliger da für mein Empfinden zu häufig eingesetzter Emphatisierung doch einiges von der Lesefreude genommen. Inhaltlich hat das Buch jedoch seine Stärken und dürfte besonders Fans von Geister- und Dämonengeschichten zusagen, insofern sie über die Stilblüten hinwegsehen können.

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


Autor: Anna Neunsiegel
Titel: Die Goulard-Saga: Krähenglut
Sprache: Englisch
Umschlag- und Innenillustration: Anna Neunsiegel/Midgard Fairy Art unter Verwendung von Motiven von Shutterstock und deviantart
Reihe: Band 1
Seiten: 342
Originalpreis: 0.99€
Verlag: epubli
Genre: Fantasy
ASIN: B01M9HXW1I
Erscheinungsjahr: 2016

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