Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Sonntag, 4. September 2016

Game of Thrones Rewatch: S01E08: The Pointy End

Während Ned Stark in den Kerkern der Red Keep gefangen gehalten wird, werden die Messer gewetzt und die Schwerter gezückt. In King’s Landing ist der Putsch noch immer im vollen Gange, die Queen will alle Starks aus dem Weg haben. Sansa kann sie gefangen nehmen, doch Arya entwischt ihr. Doch auch nur ein Starkmädchen ist ein wertvolles Unterpfand. Als Robb davon Nachricht erhält, ruft er seine Verbündeten zu den Bannern und ist bereit, den Lannisters am Trident im Feld zu begegnen. Selbst Khal Drogo rüstet sich zum Sturm auf die Hauptstadt – und nimmt die Wunde, die er dabei erhält, vielleicht etwas zu sehr auf die leichte Schulter. Unbemerkt von allen tritt im hohen Norden jedoch die einzig wahre Gefahr auf den Plan, als zwei Others Lord Comander Mormont angreifen. Dies kann nur eines bedeuten: Die White Walker sind kein Mythos und sie greifen nach Westeros. 

Der Folgentitel passt einfach zu gut. „Stick them with the pointy end“, wird hier groß geschrieben. Ich finde es toll, wie man von Anfang an mitten drin ist. Ein verwundeter Mann der Starks taumelt aus einem Tor und wird von einer Lannisterwache niedergestochen. Hier wird nicht lang gefackelt, hier wird gleich gemetzelt, und jeder weiß: Die Lage ist ernst, Starks, rennt!

Sansa gelingt leider nicht die Flucht und sie gerät in Cerseis Fänge. Ich liebe es wieder einmal, wie Cersei sie manipuliert und sie denken lässt, sie täte das Richtige, obwohl sie genau das macht, was die Königin von ihr will und das durchaus verheerende Folgen für ihre Familie hat.

Was ich mich aber schon lange gefragt habe: Wir haben hier die Szene, in der Siryo Arya die Flucht ermöglicht. Er kämpft dabei nur mit einem Holzschwert gegen die Männer der Lannisters. Die meisten kann er in beeindruckender Weise niederprügeln, doch im finalen Kampf gegen den King’s Guard, ergreift er nicht seine Chance, sich von den niedergeknüppelten Männern ein richtiges Schwert zu nehmen? Warum? Um dem Zuschauer die Gewissheit zu geben, dass er auf jeden Fall tot sein muss (und um ihn dann doch in Staffel 7 oder 8 wieder auftauchen zu lassen)? Oder einfach nur, weil das ein Totalausfall gewesen war? So ganz schlüssig erschien mir das jedenfalls bisher nie.

Varys habe ich in dieser Folge extrem gefeiert. Lord Stark fragt ihn, wem er wirklich dient, und er antwortet: „The Realm, Mylord. Someone must.“ Und genau dafür liebe ich Varys, weil er tatsächlich der einzige ist, der das auch tatsächlich tut, und damit vielleicht auch der einzige mit wahrlich lauteren Motiven.

Sehr gefällt mir auch wieder einmal Lysas Darstellung. Sie ist ein verrückter Helikopter, der das mit der Mutterschaft etwas zu ernst nimmt und dabei völlig den Blick für die Realität verliert. Hauptsache Robert, der in der Serie Robin genannt wird, geht es gut. Das ist krankhaft – und das ist verdammt gut illustriert.

Auch Tyrion darf wieder einmal seine gewitzte Zunge unter Beweis stellen und schafft es, die wilden Clans vom Vale für sich zu gewinnen und als Verstärkung der Armee seines Vaters beizufügen.  Ich feiere solche Szenen immer wieder auf’s Neue, da das eines der Dinge ist, für die ich Tyrion so liebe. Er hat als Waffe nichts weiter als seinen regen Verstand, und den weiß er hervorragend einzusetzen. Außerdem muss ich immer daran denken: „A Lannister always pays his debts. For everything else there is Mastercard.“

Ganz ehrlich: Ich mag Khal Drogo. Er ist brutal, keine Frage, aber er hat so einige schöne Matchosprüche drauf. Wie er Mago herausfordert, nachdem dieser ihn provoziert hat, und diesen auch tatsächlich mit bloßen Händen besiegt, war beeindruckend. Auf der anderen Seite jedoch liebt er Dany wirklich sehr und wird mit ihr zu einem anderen, sanfteren Mann. Er dominiert sie nicht, wie es viele andere Männer in Westeros tun, sondern räumt ihr auch Platz ein und steht für sie vor seinen Männern ein. Das gefällt mir, weil es zeigt, dass er kein herzloser Brutalo ist, der allein für den Kampf und das Blutvergießen lebt (auch wenn es zu einem essenziellen Teil seines Lebens gehört, keine Frage).

Rickon fand ich … krass. Wobei hart eher das passende Wort ist. Bran versucht ihn damit zu trösten, dass Robb bald wieder kommt, doch Rickon erwidert in einem viel zu erwachsenen Ton: „No, they won’t.“ Dann wendet er sich ab und geht aus dem Zimmer. Solche Worte aus dem Mund eines Kindes sind gar nicht gut.

Dafür gefiel mir die Szene mit Lord Glover wieder. So werden die Dinge im Norden geregelt. Erst wird provoziert und die Grenzen ausgelotet, dann bekommt man von Greywind ein paar Finger abgebissen und im nächsten Moment sind alle dicke Freunde und gute Verbündete. Es wirkte einfach so absurd, dass es schon wieder lustig war. Die raue Art der Nordmänner (nein, nicht der Nord aus Skyrim, wie ich erst schreiben wollte) ist nichts für mich, mit dem ich persönlich in Kontakt kommen konnte, doch dem zuzuschauen ist sehr amüsierend. In gewisser Weise macht sie das auch sympathisch, weil das eine ausgesprochen offene und ehrliche Art ist, wie sie miteinander umgehen. „Ich habe dich, Junge, getestet, und du hast mir gezeigt, dass du ein starker Anführer bist. Also stehe ich auch fest hinter dir.“ So einfach ist das.

Als ich die Folge das erste Mal sah, waren die Others eine ziemlich unangenehme Überraschung für mich. Ich erwähnte es bereits: Seit Oblivion habe ich eine ausgesprochen starke Abneigung gegen Untote. Sie in Aktion zu sehen, war … unangenehm, sagen wir es so. Nichtsdestotrotz halten wir die Fahne hoch für Ghost, der wahrscheinlich dem Lord Comander das Leben rettete. Die Szene an sich ist jedoch sehr wichtig, weil damit gezeigt wird: Ups, da weit, weit im Norden ist wirklich etwas, das mit seinen toten kalten Fingern nach Westeros greift. Eigentlich will ich gar nicht wissen, was. (Aber da wir wissen, wie das mit Unfällen ist: Gut, eigentlich will ich es doch wissen.)

Das Ende der Folge war … wie? Ende? Sansa spricht vor dem Eisernen Thron und bittet um Gnade für ihren Vater. Sie versichert, dass er seinen Verrat gestehen wird, die Kamera fährt nach unten und der Bildschirm wird schwarz. Dann … Ende. Das ist nicht wirklich rund, denn eigentlich erwartet man nach der Kamerafahrt noch etwas, eine Überblendung zu Ned in den Kerkern oder etwas in der Art. Aber dann einfach nichts außer dem Abspann war etwas unbefriedigend.

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