Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Freitag, 21. Oktober 2016

Game of Thrones Rewatch: S03E04: And Now His Watch Is Ended

Nach dem Verlust seiner Hand geht es Jaime sehr schlecht. Seine Geiselnehmer (was eine der Übersetzungen von »captor« ist, mit denen ich allesamt nicht zufrieden bin, da das morphologisch im Englischen einfach schöner aussieht) lassen ihm keinerlei medizinische Pflege zukommen und der Zustand seiner Wunde ist katastrophal. Hinzu kommt seine angeschlagene Psyche über den Verlust seiner Schwerthand. Margaery manipuliert weiterhin Joffrey zu ihren Gunsten, und Varys sucht nach Möglichkeiten, um Sansa zu schützen, da er durch Ros erfährt, was Littlefinger womöglich mit dem Mädchen plant. Arya kommt im Versteck der Brotherhood without Banners an und lernt Beric Dondarrion kennen, welcher Sandor Clegane zum Duell herausfordert. In Craster’s Keep kommt es zur Meuterei in dessen Zuge sowohl Craster selbst als auch der Lord Commander getötet werden. Im fernen Astapor wird der Handel zwischen Daenerys und Good Master Kraznys abgeschlossen. Daenerys, die nun die Befehlsgewalt über die vielleicht schlagkräftigste Armee der Welt hat, lässt die die Master töten und gibt ihnen danach die Freiheit, was ihr die absolute Treue der Unsullied einbringt. 

Das waren noch Zeiten, in denen man Charaktere wie Jaime und Theon hasste. Vor allem mit Jaime bekommt man allmählich Mitleid und die Sympathien für ihn wachsen. Auch mit Theon habe ich ehrlich gesagt langsam Mitleid. Er sieht ein, was wir einen Mist er verzapft hat, hinzukommt, dass er von seinem vermeidlichen Retter auf so grausame Art und Weise hintergangen wird. Das muss zwangsläufig auch in Hinblick auf seine weitere Folter schwere Schäden an seiner Psyche hinterlassen.

Auch Jaime ergeht es kaum besser. Seine Geiselnehmer (»captors« ist echt ein schöneres Wort dafür) behandeln ihn katastrophal und man möchte eigentlich am liebsten irgendetwas tun, damit sie aufhören. Auch Brienne sieht das so, doch leider kommt auch sie nicht weit. Jaimes Stolz als ach so guter Schwertkämpfer hat zudem einen gigantischen Dämpfer erlitten. Und genau das ist der Wendepunkt in seiner Charakterisierung. Noch sieht man nicht viel davon, aber seine Gefangenschaft und besonders der Verlust seiner Hand haben seinem Charakter enorm gut getan! Wahrscheinlich macht das aus ihm sogar einen wesentlich besseren Menschen.

Sehr gefallen hat mir in dieser Folge auch Varys. Er führt mit Tyrion ein Gespräch über Rache, während er an einer Kiste herumhantiert. Dabei erzählt er, wie er kastriert wurde. Und dann bricht er die Kiste auf und zum Vorschein kommt der Magier, der ihn damals für sein magisches Ritual kastrierte. Gruselig! Hätte man Varys so gar nicht zugetraut.

Bemerkenswert dabei ist aber dieses Detail: Varys erzählt, dass er aufgrund dieses Ereignisses Magie hasst. Dennoch unterstützt er spätestens ab Staffel 6 ganz offen Daenerys, welche dort als Azor Ahai, als Erlöser, von R’hllor-Kult gefeiert wird, Melisandres Kult, welcher, wie wir wissen, ganz offen Magie praktiziert. Es bleibt die Frage, ob sich das wirklich beißt. Varys selbst wird ganz klar von ausgesprochen weltlichen Motiven angetrieben. Aber angenommen der Fall, dass auch Daenerys auf Magie zurückgreifen wird, um ihre Ziele zu erreichen? Ich hoffe, ich denke daran, zu Staffel 6 noch mal darauf zurückzukommen und dort darauf zu achten, ob dieser Widerspruch tatsächlich besteht.

Varys redet in dieser Folge auch mit Ros, und ein kleines aber sehr unterhaltsames Detail ist, dass Pot bei Littlefingers Huren immer noch Gesprächsthema ist. Auch Varys kann nicht glauben, was er da hört. Ich musste sehr lachen.

Während dieses Gespräches erfährt er auch, was Littlefinger wahrscheinlich mit Sansa plant, was er zum Anlass nimmt, die Tyrells dazu zu bewegen, eine schützende Hand über Sansa zu halten, da er womöglich kaum mehr ausrichten kann als bei ihrem Vater. Alles in allem: Varys at it’s best. Ich liebe es zu verfolgen, wie auf diese Weise im Verborgenen die Fäden in Westeros gezogen werden und man selten bis nie das ganze Bild kennt. Es ist zwar auch schwer, dabei zu folgen, aber das nehme ich für so spannende Plots sehr gern in Kauf.

Auch Margaery manipuliert fröhlich Joffrey zu ihren Gunsten und vielleicht auch zum Wohl aller. Wir wissen bereits, dass Cersei kaum Einfluss auf ihren Sohn nehmen kann, obwohl er solch ein Muttersöhnchen ist, und inwiefern Tywin es gelingen wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Wir werden wohl leider nie erfahren, inwiefern Margaery Erfolg bescheinigt sein wird, da ihre Verlobung mit Joffrey nicht mehr lange halten wird.

Apropos Tywin: Was denkt ihr eigentlich vom OTP Tywin/Olenna? Dass viele Jaime und Brienne shippen, ist ein offenes Geheimnis (und manche Brienne mit Tormund). Aber Tywin und Olenna? Schon mal darüber nachgedacht? Ich finde mit einem Augenzwinkern, die beiden würden ganz gut zusammen passen.

Margaery eröffnet Sansa, dass eine Heirat mit Loras anstehen könnte, was zeigt, dass Varys‘ Arbeit Früchte trägt. Sansa kann es mit Loras kaum besser treffen, und sie selbst freut es ebenfalls sehr, da er ihr Traumritter ist. Es wäre zu schön gewesen, wenn wenigstens einer von Sansas Mädchenträumen wahr geworden wäre. Verdient hätte sie es nach all dem  Leid, das sie durchmachen musste.

Indes im hohen Norden: Hier gipfelt die Anspannung der Night’s Watch der letzten Folgen im wahrscheinlich Unvermeidlichen. Sie haben Schreckliches durchlebt, viele von ihnen haben wahrscheinlich nie zuvor gekämpft. Und dann ausgerechnet gegen White Walker! Dann kommen sie zu Craster und Mormont hält sie auch noch dazu an, sich Crasters Regeln zu beugen, und da Menschen nun mal gern sehr kurz denken, passt es vielen nicht, dass Craster ihnen ihrer Meinung nach nicht genug zu essen gibt, während sie geflissentlich übersehen, dass Craster seine Frauen zu füttern hat. Und wenn sie es nicht übersehen, sehen sie Craster als Schänder seiner eigenen Töchter und als gottlosen Mann, während Craster selbst sich sehr wohl als gottesfürchtigen Mann sieht – was auf seine Art und Weise durchaus zutreffend ist.

Es kommt, wie es kommt: Der Unmut macht sich Luft. Die Waffen werden gezogen, Bruder kämpft gegen Bruder. Auch Mormont und Craster kommen dabei ums Leben. Was mir sehr gut an dieser Szene gefallen hat, ist, dass ich beim ersten Schauen sehr überrascht von der ganzen Sache war, sowie, dass die Anspannung aller regelrecht greifbar war. Ist nun Craster der Feind, der zuerst die Axt erhob, nachdem er provoziert wurde, oder sind Ollo Lophand und seine Mitmeuterer schuld, die die ganze Situation überhaupt erst so aufheizten? Die anderen wissen sichtlich nicht, wie sie sich verhalten sollen. Wenden sie sich gegen Craster, gegen Ollo oder machen sie nichts? Die Entscheidung in so einer Situation ist nachvollziehbar schwer, denn sie haben ihre Befehle von Mormont, sich Crasters Regeln zu beugen, und gleichzeitig sind die Meuterer ihre Brüder, Leute mit denen sie zuvor noch gemeinsam gegen die White Walker kämpften.

Und dann Daenerys, die in dieser Folge einige meiner absoluten Lieblingsszenen hat. Man sieht ihr an, wie schwer es ihr fällt, Drogon wegzugeben, während gleichzeitig alle Umstehenden lange Hälse machen, um solch eine legendäre Kreatur wie einen Drachen mit eigenen Augen erblicken zu können. Ihr Zögern ist so überzeugend und deutet in keinster Weise darauf hin, was danach folgt.

Ich feiere Missandeis Blick, als Daenerys im High Valyrian zu den Unsullied spricht und ihnen ihre ersten Befehle erteilt. Wie beeindruckend, wie das Heer wie ein Mann reagiert! Im Hintergrund ringt Kraznys mit Drogon und lässt erneut einige unflätige Bezeichnungen Daenerys gegenüber los. Doch diese antwortet darauf selbst in High Valyrian, was einen göttlichen verblüfften Ausdruck auf Kraznys Gesicht zaubert.

Zur Dialektologie des High Valyrian: Die Hochsprache selbst ging streng genommen mit dem Untergang von Valyria unter, wurde aber seit jeher von den Targaryens am Leben erhalten. Daenerys bezeichnet es als ihre Muttersprache. Ein schwerer Dialekt des High Valyrian wird heute noch in der Slaver’s Bay gesprochen, in dem viel vom Old Ghiscari eingeflossen ist, weshalb Daenerys laut den Büchern Schwierigkeiten hat, diese Sprache zu verstehen. Aber sie versteht es, und das ist der springende Punkt. Kraznys hat sie in den vorigen Folgen vielfach böse beleidigt, während sie selbst keine Miene verzog und so tat, als verstünde sie nichts. Einfach genial.

Fakt am Rande: Missandei verrät in einer der späteren Folgen, dass »mhysa« ein Wort des Old Ghiscari ist und Mutter bedeutet. Daenerys wurde Kraznys unter anderem als »Mutter der Drachen« vorgestellt, Missandei benutzt dabei das Wort »mhysa«. Weiß man das, weiß man auch, dass das, was hier eigentlich gesprochen wird, Old Ghiscari sein soll. Ich bin leider nicht sattelfest genug im Old Valyrian, um bestätigen zu können, dass Good Master Kraznys wirklich Old Ghiscari gesprochen hat oder ob sie sich die Mühe sparten und für seine Dialogzeilen statt des Dialektes nicht einfach High Valyrian nahmen.

Ich feiere zum einen die sprachlichen Aspekte  dieser Szenen (was man auch gar nicht merkt), als auch die Szene selbst. Sie ist einfach episch! Und dann befreit Daenerys auch noch die Unsullied und wird von zehntausend Mann dafür gefeiert. Es ist so, ich kann es nicht oft genug sagen, episch, wie sie ihre neue Armee aus der Stadt führt, nachdem sie Astapor von den Sklavenmeistern befreite. Und damit hat sie die wahrscheinlich schlagkräftigste Armee der Welt, die ihr auf’s Wort gehorcht dazu auch noch aus freien Stücken für sie kämpft, also beste Motivationen hat, auch wirklich ihr Bestes zu geben, statt nur Befehlen zu folgen. Uns stehen feurige Zeiten bevor …

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