Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Mittwoch, 29. März 2017

Lesung: Nur ein toter Loveinterest ist ein guter Loveinterest, Fantasy Leseabend auf der Leipziger Buchmesse 2017

Nur ein toter Loveinterest ist ein guter Loveinterest
Fantasy Leseabend im Theaterhaus Schille mit Alana Falk, Markus Heitz, Kai Meyer und den Seraph Preisträgern Julia Lange und Katharina Seck.


Wer gut im Tetris spielen ist, kommt an diesem Abend weiter. Gewohnheitsgemäß ist der Andrang vor der Schille schon früh sehr groß, und wenn beliebte Autoren wie Markus Heitz und Kai Meyer kommen, dann ohnehin noch mehr. Wie üblich bedeutet das, dass die Schille übervoll ist und nicht alle Besucher aufnehmen kann. Nicht einmal dann, als die Leute an den unmöglichsten Plätzen platziert wurden: auf der Treppe der Bühne, neben der Bühne, gar hinter der Bühne (eine sehr unangenehme Erfahrung, wie ich von letztem Jahr noch weiß) und sogar im Nebenraum. Dort ist die Akustik miserabel (auch da spreche ich aus Erfahrung), doch irgendwie geht alles. Der Ärger bleibt dennoch: Es ist jedes Jahr dasselbe Theater, warum zum Henker verkauft man nicht limitierte Karten oder sucht sich schlicht eine größere Location?!

Nun ja, irgendwie arrangiert man sich doch damit und hat zumindest einen Vorsatz: Morgen zum Piper Fantasyabend mit Brandon Sanderson wesentlich früher da sein.



Der erste Programmpunkt ist Alana Falk, eine enigmatische junge Autorin, welche ihren neuen Roman »Sternensturm – Das Herz der Quelle« vorstellt und daraus liest. Das Cover sieht gruselig aus und schreit nach generischer YA Fantasy Romanze, aber man will dem ganzen dann doch eine Chance geben und die Autorin wirkt zudem routiniert und geübt bei Lesungen. Außerdem hat sie ein paar nette Sprüche auf Lager. Sie spricht an, dass viele gern wissen würden, wie es im Kopf eines Autors aussieht. »Wenn die Leute wüssten, wie es da aussieht, würden sie das nicht mehr fragen.« Sie verrät uns sogleich auch, warum sie das denkt. »Nur ein toter Loveinterest ist ein guter Loveinterest«, lautet ihr Motto. Grundsätzlich gehe ich damit konform, leider konnte mich das vorgestellte Buch dann doch nicht davon überzeugen, dass es gänzlich ohne Romanze auskommt. Eher im Gegenteil … Schade. Nun ja, immerhin hat die Magie eine erotische Komponente, verrät sie uns. Klingt prinzipiell interessant, würde der ganze Rest nicht immer noch »Generisch!« brüllen.


Die nächste Person wusste am Morgen noch nicht, dass sie an diesem Abend lesen wird: Julia Lange ist eine der Seraph-Preisträgerinnen 2017, ihr Roman »Irrlichtfeuer« gewann in der Kategorie Bestes Debüt. Julia Lange ist eine bildhübsche Frau, aber lesen kann sie ums Verrecken nicht. Ohne Mate in der Tasche wäre ich wohl entschlummert. Sie liest monoton, einschläfernd und man hat Mühe zu folgen. Worum es im angepriesenen Debüt ging, blieb leider nicht hängen. Der Roman mag gut oder schlecht sein, aber eine etwas enthusiastischere Vorstellung desselben hätte ihn sicher bedeutend schmackhafter gemacht. Zugegeben: Selbst alte Hasen sind mitunter nicht so hervorragende Autoren-Alleinunterhalter wie Markus Heitz, und Übung macht den Meister. Verbuchen wir es also unter »Erfahrung« für die nächsten Male.


Danach steht eine kurze Pause an, die dazu genutzt wird, YouTube anzuschmeißen. Denn die Nummer 3 des Abends ist Markus Heitz, der uns einen ganz besonderen Leckerbissen mitbringt: den Buchtrailer zu seinem neuesten Roman »Des Teufels Gebetbuch«.


Buchtrailer sind so eine Sache. Meist sind sie überflüssig, da sie ohnehin nichts Wissenswertes über das Buch aussagen. Der hier hingegen tut das sehr wohl, da er in seiner Natur als Musikvideo hervorragend die Stimmung des Buches einfängt und die Grundthematik des gefährlichen Kartenspiels darlegt. Können wir uns bitte darauf einigen, Buchtrailer in Zukunft nur noch so zu gestalten?

Die Vermutung liegt wohl nahe, dass Heitz der Höhepunkt des abendlichen Programms ist. Seine Lesung gestaltet sich als kleine Schwester des Vorabends in der LUDWIG Buchhandlung. Dieses Mal lauert die Tram zwar nicht überall, aber aus dramaturgischen Gründen muss Heitz dennoch an den spannendsten Stellen den vorgelesenen Abschnitt beenden.


Wer nach dieser Vorstellung an der Reihe ist, ist sich wahrscheinlich bewusst, dass er da nur sehr schwer wird mithalten können. Katharina Seck zog dieses schwere Los, ist sich dessen auch bewusst und lispelt dennoch aus ihrem Roman »Die silberne Königin« mutig drauf los. Ja, lispeln. Ich weiß nicht, ob die Seraph-Preisträgerin der Kategorie Bester Roman einen angeborenen Sprachfehler hat oder das Lispeln einen anderen Grund kennt. Aber vielleicht wäre das hier einer der Momente gewesen, in denen die Autorin sich besser nur auf eine Vorstellung des Romans beschränkt und das Lesen jemand anderen überlassen hätte. Es gibt manchmal Fälle, wo das wirklich angebracht ist. Da das Zuhören auf diese Weise massiv erschwert wird, wäre das eigentlich einer gewesen. Es wäre auch dem Buch wesentlich zuträglicher gewesen, da so sehr viel von dem Eindruck verloren geht. Wahrscheinlich hätte das Buch einen wesentlich positiveren Eindruck hinterlassen, am Ende bleibt jedoch vor allem das Lispeln.


Den wortwörtlich krönenden Abschluss bildet jedoch Kai Meyer mit seinem Space-Fantasy-Roman »Die Krone der Sterne«, womit der Abend dann doch mit einem positiven Erlebnis abschließen kann. Meyers Art ist ruhig und entspannt, was sich auch auf das Publikum überträgt. Die Stunde ist immerhin mittlerweile fortgeschritten, und so wird man von Meyer zunächst in die Weiten des Universums entführt und dann gelassen in die leipziger Nacht entlassen.

Der Autor erzählt neben den obligatorischen Dingen zu seinem Buch (es wird eine Trilogie) auch einige spannende Dinge zur Geschichte der Space Fantasy, womit er auch gleich herausstellt, wie sein Buch zu lesen ist: als Fantasy und nicht als Science Fiction; und ich bin ganz froh, dass er das gemacht hat, da ich so weiß, woran ich bei diesem Buch bin. Der eigentliche Kaufgrund für mich ist aber folgendes (und es war schon fast ein Zwang für mich): Meyer erzählt außerdem, dass es in den 70ern und 80ern bei Klett-Cotta üblich war, vor jedes Buch eine Art Vorspann mit Zeichnungen zu setzen, die auf das Buch einstimmen sollten. Meyer fand das (wie ich) ziemlich cool und wollte das auch für seine Bücher. In »Die Krone der Sterne« wurde es nun Realität. Als er so davon erzählt, muss ich an meine Tolkien-Sammlung denken, die mittlerweile zwei Erstausgaben umfasst: die deutsche und die amerikanische Ausgabe des Silmarillion. Die Deutsche erschien Ende der 70er bei Klett-Cotta und enthält genauso einen Vorspann. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass Meyers Buch hervorragend dazu passen würde …


Der Abend war insgesamt ein Auf und Ab. Falk hört man sehr gern zu, ihr Buch spricht mich jedoch vorn und hinten nicht an. Seck und Lange hinterlassen nicht die positivsten Eindrücke. Heitz ist wunderbare Unterhaltung, auch wenn ich von seinen Büchern immer noch Abstand nehme. Meyer ist der Einzige, der mich auch zum Kauf bewegte (was zugegeben vor allen an den wunderschönen Illustrationen lag).

So langsam löst sich das Tetris auf und die Leute strömen in die Nacht hinaus. Die Messe ist noch lang, es werden noch viele Lesungen folgen.


Die Veranstaltung: Fantasy Leseabend im Theaterhaus Schille, Moderation: Oliver Graute & Natalja Schmidt, Theaterhaus Schille, 23.3.2017, 19.30 Uhr
Die Bücher: Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle. Arena, Würzburg 2017, 386 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 13,99 Euro
Julia Lange: Irrlichtfeuer. Droemer-Knaur, München 2016, 528 Seiten, 9,99 Euro, E-Book 9,99 Euro
Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch. Knaur HC, München 2017, 672 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 14,99 Euro
Katharina Seck: Die silberne Königin. Bastei Lübbe, Köln 2016, 366 Seiten, 12,00 Euro, E-Book 9,49 Euro
Kai Meyer: Die Krone der Sterne. Fischer Tor, Frankfurt a.M. 2017, 464 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

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